Lohas: Kleine Schritte mit großer Wirkung

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Wie beispielsweise Joseph Wilhelm und Jennifer Vermeulen, die gemeinsam 1974 Rapunzel gründeten. Damals träumten die beiden davon nach Tasmanien auszuwandern, anstatt ein großes Unternehmen zu führen. Heute beschäftigt der Naturkosthersteller rund 300 Mitarbeiter und führt 450 Produkte. Dabei fing alles ganz harmlos mit einer Badewanne an. In ihr wurde das erste Müsli gemischt. Damals waren die Rohstoffe knapp, denn es gab so gut wie keinen Bioanbau. „Glücklicherweise habe ich Hindernisse immer als Herausforderungen verstanden, an denen ich wachsen kann“, resümiert Joseph Wilhelm. „Die Mühen und Entbehrungen aus der Anfangszeit sind uns nicht als solche erschienen, denn unsere Begeisterung überwog damals wie heute. Es ging uns nicht nur um das eigene Wohlbefinden, sondern um das Überleben der Erde, zu dem die Biolandwirtschaft einen wichtigen Beitrag leistet.“ Aus diesem Grund reiste Überzeugungstäter Wilhelm das erste Mal 1976 mit dem Rucksack durch die Türkei: Er wollte Landwirte davon überzeugen, auf biologischen Anbau umzustellen. Denn für seine Müslimischungen kamen nur ungeschwefelte und unbegaste Trockenfrüchte infrage.

Die Früchte seiner Mühen konnte Wilhelm ab 1983 ernten, als die ersten Landwirte seinem Ruf folgten und tatsächlich umstellten. Bald wurde für Wilhelm der Beruf zur Berufung. „Außerdem hat mich Rapunzel zu einem Weltbürger werden lassen, der zunehmend Dankbarkeit und Demut dem Leben gegenüber empfindet, weil es uns hierzulande so gut geht.“ Einen unmittelbaren Nachfrageschub seit dem Aufkommen der Lohas-Bewegung kann das Unternehmen nicht verzeichnen. Eher wachse das Interesse an natürlichen Produkten seit vielen Jahren kontinuierlich.

Doch auch politisch wurden die Weichen vor mehreren Jahrzehnten gestellt, denn Deutschland blickt auf eine lange Tradition der Umweltbewegung zurück. „Ich sehe mich als die nächste Generation. Ich habe größten Respekt davor, was Aktivisten in den 70iger und 80iger Jahren bewirkt haben. Ihnen haben wir zu verdanken, wo wir heute stehen.“, meint Harrach.

Und wo stehen Sie?

Zum Glück muss niemand im Alleingang unseren Planeten retten, denn jede noch so kleine Veränderung im persönlichen Alltag kann viel bewegen. Ein mitreißender Fluss besteht immerhin auch aus unzähligen kleinen Tropfen Wasser. Jeder ist eingeladen die „Errungenschaften“ unserer Überflussgesellschaft kritisch zu hinterfragen und persönliche Konsequenzen daraus zu ziehen. Wie die einzelnen Schritte auch aussehen mögen, sie müssen vor allem Freude bereiten. Vielleicht möchten Sie öfter das Auto stehen lassen und sich dafür auf das Fahrrad schwingen, zu einem Ökostromanbieter wechseln oder sich die Zeit nehmen und sich Gedanken machen, wo ihre Hausbank das ihr anvertraute Geld investiert. Eventuell möchten Sie im eigenen Garten wieder Gemüse anpflanzen und sich im wahrsten Sinne des Wortes an den Früchten der Natur erfreuen. Ob Sie sich selber zu der Gruppe der Lohas zählen oder nicht, ist dafür irrelevant. Frei nach Gandhi: Sei du selbst die Veränderung, die du dir wünschst für diese Welt.

Dieser Artikel ist erstmals im Magazin raum & zeit Ausgabe 177/2012 erschienen und kann beim Verlag als PDF erworben werden.

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