Lohas: Kleine Schritte mit großer Wirkung

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Feindbild Großkonzerne

Großkonzerne sind rücksichtslos, gierig, korrupt und denken vor allem an ihren eigenen Profit. Damit verkörpern sie Eigenschaften, die wir persönlich nicht besitzen oder besser gesagt nicht wahrhaben möchten. Wir neigen dazu, unerwünschte Charakterzüge in den persönlichen Schatten zu drängen und sie im Außen zu bekämpfen, anstatt sie innerlich zu integrieren. Doch wer seine Schattenanteile auf seine Umwelt projiziert, der wendet dafür viel Energie auf und erschafft sich vor allem Feindbilder.

Großkonzerne und deren Manager sind neben Politiker gern gesehene Zielscheiben. Christoph Harrach berät Unternehmen bei deren Nachhaltigkeitsstrategie. Er ist sich sicher, dass auch Großkonzerne mit eingebunden werden müssen, wenn die ökologische Wende gelingen soll. „Dafür ist die Situation der Welt zu dramatisch und der Einfluss der Konzerne zu hoch.“ Er empfinde eine wohlwollende und offene Haltung, aber auch eine gewisse Skepsis. Konzerne bestünden jedoch aus Menschen, die sich in einer bestimmten Wirtschaftsweise und gewachsenen Strukturen befinden. Viele Systeme und Prozesse hätten früher einmal Sinn ergeben, heute würden sie dies nur noch bedingt oder eben gar nicht mehr tun.

Dennoch muss nachhaltiges Engagement glaubwürdig und vor allem ernst gemeint sein. Da scheint es manch einem Unternehmen einfacher und kostengünstiger, sich einen grünen Anstrich zu verpassen, anstatt das eigene Handeln tatsächlich nachhaltiger zu gestalten. Die Verantwortlichen des Fast-Food-Giganten Mc Donalds haben dies wohl zu wörtlich interpretiert, als sie 2009 die Hintergrundfarbe ihres Logos von rot auf grün änderten. Damals hieß es, der Farbwechsel sei auch als Bekenntnis und Respekt vor der Umwelt zu werten. Die Maßnahme ist wenig glaubwürdig, denn die Probleme liegen im Kerngeschäft: Massentierhaltung, Verpackungsmüll, gesundheitlich fragwürdige Nahrungsmittel.

Dennoch ist die umstrittene Maßnahme Gradmesser dafür, wie ernst selbst etablierte Großunternehmen die nachhaltigen Konsumenten nehmen. Immerhin änderte der Bulettenbrater sein Logo und damit das Erkennungszeichen einer Marke, die geschätzte 81 Milliarden US-Dollar wert ist (Stand 2011, siehe hier). Denn die Lohas besitzen mittlerweile eine große Kraft die Märkte in ihrem Sinne zu beeinflussen – und den meisten von ihnen ist dies durchaus bewusst. Grüne Anstriche und Verbrauchertäuschungen haben es zunehmend schwerer zu bestehen. Dafür sind gerade die jungen Lohas zu gut über das Internet miteinander verbunden. Das Mitmach-Internet mit seinen Plattformen wie Youtube, Blogs, Diskussionsforen und den zahlreichen sozialen Netzwerken haben nicht nur die Lohas näher zusammenrücken lassen. Mit wenigen Mausklicks verbreitet sich eine Information rasend schnell. Klassische Medien wie Tageszeitung und Fernsehen verlieren bei einigen Lohas an Stellenwert. Die gesellschaftliche Bewegung ist skeptisch, hinterfragt viel und misstraut Werbebotschaften.

Daher ist nachhaltiges Engagement durchaus ein zweischneidiges Schwert für (konservative) Großunternehmen und Konzerne. Sie buhlen um die Gunst der Konsumenten und vor allem um Fachkräfte. Lohas sind eben nicht nur Kunden, sondern auch Mitarbeiter. Neben monetären Anreizen sind sie vermehrt an sinnstiftender Arbeit interessiert. Zudem sind sie bestens darüber informiert, wie sich ihre Tätigkeit auf die Umwelt und damit auf das Gemeinwohl auswirkt. Aus diesem Grund möchten sie mitunter auch am Arbeitsplatz einen ökologischen und sozialen Wandel anstoßen. „Menschen benötigen oft einen gewissen Zeitraum, bis sie ihre Gewohnheiten nachhaltig ändern. Unternehmen mit Hunderten oder gar Tausenden von Angestellten bewegen sind daher mitunter schwerfällig“, erklärt Harrach.

Es sei daher oftmals schwierig, zwischen reiner Werbemasche und ehrlich gemeinten Initiativen zu unterscheiden. Die Reaktion der Öffentlichkeit entscheidet maßgeblich mit, zu welchen ökologischen Maßnahmen Unternehmen bereit sind. Würde nach Harrach beispielsweise eine Biosupermarktkette auf den Dächern ihrer 60 Filialen Photovoltaikanlagen installieren, um Ökostrom zu produzieren, wären alle begeistert. Würde ein Discounter dies bei seinen 6.000 Filialen ebenfalls tun, könnte ihm vorgeworfen werden, sich ein ökologisches Image verpassen zu wollen. Der Initiator des Projekts würde sich folglich in Zukunft mehrfach überlegen, ob er weitere nachhaltige Schritte gehen möchte. Die vor Projektbeginn vielleicht skeptische Geschäftsleitung wäre im Nachhinein in ihrer Meinung, mit dem Öko-Kram nichts als Ärger zu haben, bestätigt.

Die Wiege der Nachhaltigkeit

Mit vielerlei Ärger, aber besonders mit großen Mühen waren die Biopioniere der ersten Stunde konfrontiert. Während nachhaltiges Verhalten heute gesellschaftlich anerkannt ist, wurden die „Ur-Ökos“ vielfach ausgegrenzt. Dabei sehnten sich die Vorfahren der Lohas ebenso nach gesunden Lebensmitteln, nachhaltigen Werten, echter (Lebens)Qualität, individuellem Freiraum und der Gemeinschaft. Einige der heute erfolgreichen Unternehmen aus der Bio-Branche wurden lange vor dem Bio-Boom ins Leben gerufen und deren Gründer häufig als „Spinner“ tituliert.

In der heutigen Zeit ist es relativ leicht, seinen Lebensstil nachhaltig auszurichten. Der Wechsel zu einem wahrhaftigen Ökostromanbieter ist denkbar einfach und Bioprodukte haben wie selbstverständlich Einzug in das Sortiment der Lebensmittelhändler gehalten. Zudem lassen sich viele Ökoprodukte wie Naturtextilien, Haushaltswaren und Kosmetik bequem im Internet bestellen. Bis es soweit war, mussten viele Pioniere Vorarbeit leisten.

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