Lohas: Kleine Schritte mit großer Wirkung

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Harrach weiß wovon er spricht, denn seine ersten Biolebensmittel kaufte er 1999 noch beim Discounter. Der Impuls sein Leben nachhaltiger zu gestalten kam durch seine Ausbildung zum Yogalehrer. Spiritualität spielt bei den Lohas oft eine große Rolle – meist fernab von Religion und deren Dogmen. Ab einem gewissen Punkt harmonisieren sich Inneres Fühlen und Denken automatisch mit dem äußeren Handeln und umgekehrt. Manch einer findet durch innere Einkehr seine neue Lebensweise, wie etwa Christoph Harrach, der mit seiner heutigen Tätigkeit viele Menschen inspiriert und miteinander vernetzt. Denn KarmaKonsum ist längst mehr als „nur“ ein Blog, sondern ein stetig wachsendes Netzwerk. Bei mir war es entgegengesetzt: Erst als mir bewusst wurde, welche Konsequenten mein Handeln hat und wie ich damit gezielt „die Welt verbessern“ kann, fand ich schrittweise den Zugang zu inneren Qualitäten. Sobald jemand beginnt, sich für die Umwelt und die Natur zu interessieren, kommt er in Kontakt mit der Schöpfung. Letztlich strebt diese in die Einheit. Daher auch die verbindende Denkweise der meisten Lohas: Sie leben Genuss und Gesundheit, Ethik und Vergnügen, das eigene Ich und die Gemeinschaft, bewusster Verzicht und Gewinn. Statt „entweder-oder“ heißt die Devise „sowohl-als-auch“.

Ich kaufe, also bestimme ich

Die Rechnung der Lohas ist dermaßen simpel, dass eben diese Tatsache häufig kritisiert wird: Jedes wirtschaftliche Unternehmen produziert Güter oder stellt Dienste bereit, für die es jeweils Käufer und Nutzer gibt. Werden im Supermarkt vermehrt Biolebensmittel gekauft, wird der Betreiber das Sortiment entsprechend umstellen und Landwirte haben aufgrund der höheren Nachfrage einen größeren Anreiz Lebensmittel ökologisch zu erzeugen. Gleiches Spiel bei der Energiewende: Je mehr Kunden sich für Ökostrom entscheiden, umso schneller wird der Ausbau der Erneuerbaren Energie erfolgen. Alle Atomkraftwerke werden endgültig abgeschaltet, sobald sich keine Käufer für den dort erzeugten Strom mehr finden lassen.

Böse Zungen halten diese Denkweise für naiv, monieren den Sündenfall der Öko-Bewegung durch das Eindringen von Konsumdenken oder werfen den Lohas vor, sie wollten sich von ihrem schlechten Gewissen freikaufen. Welche Motive letztendlich hinter dem persönliche Konsumverhalten stehen, ist laut Harrach zweitrangig. Ob der Kunde glaubt, das Produkt sei gesünder für ihn, er die Welt mit seiner Kaufentscheidung verändern möchte oder er meint einem Öko-Trend folgen zu müssen ist nahezu irrelevant. Dem Kaffeebauern sei es schließlich egal, aus welchen Gründen sein biologisch angebauter und fair gehandelter Kaffee gekauft wird. In diesem Punkt verweist Harrach gerne auf ein Zitat von Abraham Lincoln: „When I do good, I feel good. When I do bad, I feel bad. That’s my religion.“ Daher sei allen Menschen das gute Gefühl gegönnt, etwas Sinnvolles gekauft zu haben und sich darüber zu freuen.

Philipp Steinweber und seine Freundin Mirjam Müller zählen sich zur Untergruppe der Lovos, was für „Lifestyle of Voluntary Simplicity“ steht. Sie werfen mit Freude unnötigen Ballast über Bord und versorgen sich im Rahmen der persönlichen Möglichkeiten selbst. „Die Sehnsucht der Menschen nach Einfachheit ist ein großes Thema. Entschleunigung, Entschlackung, selber machen und Postwachstum sind in meinen Augen die Themen der nächsten Stufe“, sagt Harrach.

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