Lohas: Kleine Schritte mit großer Wirkung

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Da die beiden kein Geld brauchen, um in ihren Augen überflüssige Anschaffungen zu tätigen, müssen sie im Umkehrschluss viel weniger erwirtschaften. Zudem sind die beiden überrascht, wie viel Gemüse ihr vergleichsweise kleiner Garten hervorbringt und damit zusätzlich den Geldbeutel schont. Somit bleibt den beiden viel Zeit für sich und ihre spirituelle Entwicklung.

Jeder Kaufentscheidung setzt einen Impuls

Die Einkaufsrevolution

Mit diesem Buch öffnete mir Tanja Busse die Augen.

Mein persönlicher Startschuss für einen nachhaltigen Lebensstil war 2006 die Lektüre des Buchs „Die Einkaufsrevolution – Konsumenten entdecken ihre Macht“ von Tanja Busse. Ich entdeckte, wie mein Kaufverhalten das Warenangebot beeinflusste und förderte ab diesem Zeitpunkt bewusst ökologisch hergestellte Produkte.

Es folgten im Laufe der nächsten Jahre der Wechsel zu einer ganzheitlich orientierten Krankenkasse, der Bezug von Ökostrom und Girokonten bei sozialökologischen Banken. Seit April 2011 mache ich bei Lebensmittel keine Kompromisse, denn sie stammen alle aus biologischem Anbau. Ich trenne meinen Müll und vermeide ihn so gut es geht. Einkäufe erledige ich meist zu Fuß mit dem Rucksack auf dem Rücken – mittlerweile ein Markenzeichen von mir. Wenn ich etwas kaufe, überlege ich vorher, ob ich es wirklich benötige. Wenn ja, wird es ökologisch produziert, kann ich es zumindest gebraucht erstehen oder gar gegen etwas eintauschen? Das spart nicht nur Geld, sondern vor allem wertvolle Rohstoffe.

In meinem Heimbüro verwende ich vorzugsweise Recyclingpapier (welches ich beidseitig nutze) und auf meinem Schreibtisch steht eine Stiftebox aus Holz. Dennoch muss ich wie Philipp täglich Kompromisse eingehen: Computer und Telefone werden noch nicht nachhaltig hergestellt. Sie bestehen aus Kunststoffen, werden unter teilweise menschenunwürdigen Arbeitsbedingungen vorzugsweise in China gefertigt, sind darauf ausgelegt möglichst schnell zu veralten das Recycling ist aufwendig. Reparaturen sind schwer und lohnen sich kaum. Die Hersteller wünschen den Kauf von Neuprodukten, damit die Schornsteine rauchen und die Fließbänder laufen können. Der Ressourcenhunger der IT-Industrie ist gewaltig und er produziert große Mengen an Abfall. Manch einer hält meine Lebensweise für anstrengend, da ich mir Gedanken über meinen Platz in der Welt mache und mir die Auswirkungen meines Lebensstils vor Augen führe. Ich empfinde es als Gewinn in Zusammenhängen zu denken und durch mein äußeres Handeln ein harmonisches Bild zu ergeben.

Jeder für sich und dennoch vereint

So unterschiedlich die Lebenswege der drei genannten Beispiele sind, so gibt es viele Gemeinsamkeiten. Soziologen bringen Menschen, die einen individuellen nachhaltigen Lebensstil an den Tag legen, mit dem Begriff Lohas unter einen Hut. Das Akronym steht für „Lifestyles of Health and Substainability“ und wurde vom amerikanischen Soziologen Paul Ray in seinem Buch „The Cultural Creatives: How 50 Million Are Changing The World“ erwähnt, welches 2000 erschienen ist.

Christoph Harrach

Christoph Harrach glaubt an die Veränderung in kleinen Schritten.
Bild: Jens Brehl – CC BY-NC-ND 3.0

Böse Zungen behaupten, es handelt sich um einen kurzfristigen Modetrend oder das Produkt von findigen Werbefachleuten. „Wir reden nicht von einem künstlichen Marketing-Trend, sondern von einer realen gesellschaftlichen Bewegung mit vielen unterschiedlichen Anhängern“, stellt Christoph Harrach, Gründer des Blogs KarmaKonsum und Initiator der jährlich stattfindenden KarmaKonsum Konferenz klar. „Den typischen Lohas gibt es nicht. Er tritt keiner bestimmten Organisation bei und trägt auch kein spezielles Erkennungszeichen. Es sind Menschen, die sich fragen, wie sie ihr Leben selbstbestimmt gestalten, welche Werte ihnen wirklich wichtig sind.“ Man könne bei vielen eine Art „Verdichtungsprozess“ erkennen. Es fange zaghaft beispielsweise beim Wechsel zu einem Ökostromproduzenten an, doch schon bald würde man immer konsequenter werden. „Ich glaube an die Veränderung in kleinen Schritten, und dass sich das Bewusstsein der Menschen im Laufe der Zeit verfeinert, je mehr sie sich mit dem Themenfeld der Nachhaltigkeit beschäftigen“.

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