Sammelwütige Geheimdienste und zahme Journalisten

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Alles sammeln

Was technisch möglich ist, wird umgesetzt und dabei sind auch Gesetze egal, die eventuell im Wege stehen können. Im zweiten Teil seines Buchs präsentiert und analysiert Greenwald einen Teil der NSA-Dokumente. Sie belegen den wahren Umfang der Überwachung, den man auf ein einziges Motto reduzieren kann: „Alles sammeln!“ Telefondaten, die Aufschluss geben wer wen wann und für wie lange angerufen hat, die Standorte der Gesprächspartner, E-Mails, Facebook-Einträge – alles soll gespeichert werden, um so lückenlose Persönlichkeitsprofile erstellen zu können. Dabei werden regelmäßig Befugnisse übertreten und auch gegenüber der Regierung gelogen.

Im Grunde darf der Geheimdienst keine US-Bürgern ins Visier nehmen, tut es aber trotzdem. Der damalige Direktor der NSA, Keith B. Alexander, sagte dazu unter anderem aus, man könne nicht genau sagen, wie viele Telefonate und E-Mails durchleuchtet würden. Folglich wisse man auch nicht, wie viele US-Bürger betroffen seien. Eine glatte Lüge, wie Snowdens Dokumente belegen. Der Geheimdienst weiß genau was er tut. Auch die teilweise enge Kooperation mit namhaften Unternehmen wie Microsoft, Apple, AT & T, Yahoo und dergleichen war für viele ein Schock.

Zahme Journalisten

Im letzten Teil des Buchs schildert Greenwald einen Teil der medialen Reaktionen auf die Enthüllungen und die damit verbundenen Angriffe auf seine Person und Edward Snowden. Mit Journalisten, die wie Hofberichterstatter agieren, geht Greenwald hart ins Gericht. Unbequeme und investigative Recherche finde kaum noch statt und allzu schnell würden Medien auf die Linie der Regierung einschwenken. Kaum vorstellbar, dass ohne Snowden das Ausmaß der globalen Überwachung derart tief greifend in den Medien präsent gewesen wäre. Doch man muss nicht über den großen Teich blicken. „Der deutsche Journalismus ist gezeichnet von einer dramatischen Recherchearmut“, sagte Dr. Tobias Eberwein, Geschäftsführer der Initiative Nachrichtenaufklärung (INA) in einem Interview.

Natürlich sind Recherchen zeitaufwendig und kosten Geld. Dennoch ist alleine das Argument, es würden die finanziellen Ressourcen fehlen, auf Dauer lahm. Besonders, wenn es noch so etwas wie Berufs-Ehre geben soll. In Greenwalds Augen braucht es mutige Journalisten, die sich trauen Stellung zu beziehen. Den Journalisten als neutralen Beobachter hält er für ein Gerücht. Meine Sichtweise dazu lege ich im Beitrag „Ich inspiriere gerne“ dar.

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Unabhängig von dieser Mediendebatte hat Edward Snowden klare Ziele formuliert. In seinem Aufruf heißt es unter anderem: „Wenn Sie mich unterstützen möchten, schließen Sie sich der Open-Source-Community an und kämpfen Sie darum, den Geist der Presse am Leben zu erhalten und die Freiheit des Internets zu bewahren. Ich kenne die dunkelsten Winkel der Regierung; was sie fürchtet, ist das Licht.“

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Kategorie: Augen & Ohren

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