Trotz sinkender Auflage: Videospiel-Magazin GamePro „geht es wirtschaftlich so gut wie noch nie“

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Jens Brehl: Manche Testberichte sind frei auf der Internetseite zu lesen. Sind die Artikel 1 : 1 inhaltsgleich?

Heiko Klinge: In der Regel sind die Texte identisch.

Jens Brehl: Dann sind ja die Leser, die ein gedrucktes Heft gekauft haben, die „Gekniffenen“, wenn der gleiche Inhalt auch kostenfrei zugänglich ist.

Heiko Klinge: Der Leser kann sich entscheiden, ob er die Inhalte lieber online konsumieren möchte und dafür die angezeigte Werbung akzeptiert oder sich ein Heft kauft.

Jens Brehl: Wie wichtig sind Testberichte überhaupt für das gedruckte und digitale Heft? Liegen die Stärken nicht eher bei langen Reportagen und Magazin-Artikeln?

Heiko Klinge: Die Testberichte wegzulassen würde die Leser schon stark irritieren – aber sie sind nicht mehr das wichtigste Format. Ein Printmagazin kann sich besonders durch lange Lesestrecken und Reportagen abheben, die man durchaus auch grafisch aufwendig gestalten kann. Anders als online können wir jeden Artikel individuell gestalten und greifen dabei auch häufig auf die Optik des Spiels auf.

News sind hingegen kaum noch relevant und so nehmen die wichtigsten Neuigkeiten bei der GamePro maximal zwei bis drei Seiten ein. Auch die Zeiten von ein bis zwei Seiten langen Previews sind vorbei. In diesem Punkt möchten wir gar nicht mehr mit der Aktualität des Internets konkurrieren. Sie sind für uns nur noch interessant, wenn wir die Titel lange und ausführlich vor anderen spielen können, so dass dann auch eine Geschichte dahinter steckt.

Die Zukunft der Fachmagazine geht in Richtung hochwertiger Druck und Inhalte zu einem höheren Preis. Damit holt man die Leser ab, die bereit sind für guten und gedruckten Journalismus Geld auszugeben.

Jens Brehl: Jeder Publisher hat ja seine eigenen Kanäle, um Spieler auf Neuerscheinungen aufmerksam zu machen, ihnen Trailer und andere Informationen zu liefern. Auf die Presse sind sie daher nicht angewiesen.

Heiko Klinge: Da bin ich anderer Meinung. Journalistisch unabhängige Berichterstattung hat für ein Unternehmen einen höheren Stellenwert und erzielt einen anderen nachhaltigen Effekt. Dem Nutzer ist ja klar, dass die Inhalte direkt vom Publisher in erster Linie dazu dienen, die Produkte zu verkaufen.

Jens Brehl: Auf GamePro.de sind alle Inhalte frei zugänglich. Reichen die Werbeeinnahmen demnach aus, um guten Spielejournalismus zu finanzieren?

Heiko Klinge: Es ist eine Mischkalkulation aus allen unseren Aktivitäten. Eine Medienmarke ist ja heutzutage mehr als nur Print oder eine Internetseite – bei uns kommen noch die Social Media Kanäle und der Live-Streaming-Bereich hinzu. Auch wenn man oft zunächst investiert, muss bei uns jeder Segment auch für sich wirtschaftlich tragfähig sein.

Jens Brehl: Nach welchen Kriterien wird entschieden, welche Inhalte exklusiv im Heft, exklusiv auf der Internetseite oder sowohl im Heft als auch auf der Internetseite veröffentlicht werden?

Heiko Klinge: Letzten Endes werden alle Inhalte überall in der Form veröffentlicht, dass sie auch zum jeweiligen Kanal passen. Eine lange Reportage aus dem Heft bieten wir beispielsweise auch online als Paid Content Artikel bei GameStar Plus an. Auf GamePro.de gibt es derzeit keinen eigenen Paid-Content-Bereich. Wenn sich das bei GameStar weiterhin so erfolgreich entwickelt, ist es für die Zukunft aber nicht ausgeschlossen.

Jens Brehl: Warum ist GamePro kein reines Online-Magazin, wie beispielsweise Gamersglobal von Jörg Langer – dem Gründungs-Chefredakteur und geistigen Vater Eures Schwestermagazins GameStar?

Heiko Kline: Die GamePro wurde 2005 als Printmagazin gegründet und bis heute gibt es für uns keinen Grund, mit dieser Tradition zu brechen. Uns ist bewusst, dass wir damit etwas Besonderes sind. Wir wurden von Webedia gekauft und produzieren weltweit als einziges Tochterunternehmen noch Printmagazine. So lange es sich wirtschaftlich rechnet, dürfen wir weiter machen. Das 15jährige Jubiläum wollen wir auf jeden Fall erreichen.

Jens Brehl: Vielen Dank für das Gespräch und die gewährten Einblicke.

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