Trotz sinkender Auflage: Videospiel-Magazin GamePro „geht es wirtschaftlich so gut wie noch nie“

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Jens Brehl: Seit gut zwei Jahren wird die verkaufte Auflage der gedruckten Ausgabe durch die IVW nicht mehr gezählt und dementsprechend gibt es keine aktuellen öffentlichen Zahlen. Sind diese mittlerweile so schlecht, dass man sie lieber verheimlicht?

Heiko Klinge: Die Zahlen sind kein Geheimnis, denn auf Anfrage kommunizieren wir sie weiterhin. Derzeit liegen wir ungefähr bei 11.000. Die Dienste der IVW rechnen sich für uns wirtschaftlich nicht mehr, weil auch die Anzeigenkunden keinen Wert mehr darauf legen, wie hoch die verkaufte Auflage ist. Die Online-Reichweiten sind da deutlich relevanter. In unserem Marktsegment sind die IVW-Auflagen somit irrelevant,  daher bringt es uns keinen Vorteil dort gemeldet zu sein.

Der Kunde bucht heutzutage auch keine Anzeigen, sondern möchte mit Produkt x Zielgruppe y auf unseren unterschiedlichen Plattformen erreichen. Wir bieten dann passende Kampagnen an, die alle unsere Kanäle berücksichtigen. So ist der YouTube Kanal unseres Schwestermagazins GameStar der größte europäische redaktionelle Gamining Kanal. Dort sind auch unsere Videos zu finden. GamePro selbst ist wiederum auf Facebook besonders stark. Anzeigen in einem gedruckten Magazin sind dann „nur“ noch das Sahnehäubchen.

Jens Brehl: Der GamePro liegt eine DVD mit Videos bei. Mich erinnert das an die Spielemagazine aus den 90ern und Anfang der 2000er, als es noch kein Youtube & Co. gab und die Internetverbindung langsam und vor allem aufgrund von fehlender Flatrates teuer war. Um an Demos, Patches und Videos zu gelangen, war man auf die Datenträger der Videospiel-Magazine angewiesen. Warum hält die GamePro weiterhin an der DVD zum Heft fest?

Heiko Klinge: Durch regelmäßige Umfragen wissen wir, dass unseren Lesern die DVD wichtig ist. Wenn man jemanden etwas wegnimmt, findet er es automatisch doof. Außerdem legen wir großen Wert auf eine Leser-Blatt-Bindung, wobei Videos sehr hilfreich sind.

Jens Brehl: Würde dafür nicht ein Link oder ein QR-Code im Heft auf ein Video reichen?

Heiko Klinge: Wie viele QR-Codes haben Sie schon genutzt?

Jens Brehl: (muss kurz überlegen) In meinem ganzen Leben zwei.

Heiko Klinge: Da haben Sie die Antwort, warum wir keine QR-Codes einsetzen. Bei der GameStar haben wir einmal mit Augmented Reality gearbeitet: Man hielt das Handy über den Artikel und automatisch wurde dann das passende Video abgespielt. Das war aber nur Spielerei, wirklich genutzt hat es niemand.

Die Leser haben sich bewusst für ein gedrucktes Magazin entschieden, wollen es sich damit auf dem Sofa bequem machen und die DVD in der Spielkonsole abspielen.

Jens Brehl: Gerade zu AAA-Titel finden sich immer recht schnell massenhaft Testberichte im Internet. Die gedruckte und digitale Ausgabe der GamePro erscheint monatlich und hinkt daher zeitlich meist etwas hinterher. Stört Sie das?

Heiko Klinge: Nein, wir können es ja nicht ändern. Bei monatlich erscheinenden Printmagazinen geht es schon lange nicht mehr um Aktualität. Wir sehen zu, dass der Printleser ein Stück weit andere Inhalte bekommt. Im Heft sind längere Texte möglich, als online mit einem hohen Grad an Mobilnutzern.

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Kategorie: Spielzeit

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