Talwärts ohne Werbung

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Ohne Rubriken und Werbung

Nachrichten lassen sich nicht immer in starre Rubriken pressen. „Ganz bewusst denken wir nicht in Bereichen oder Rubriken, schließlich haben die Geschichten häufig mehrere Zusammenhänge“, erklärt Filipzik den Verzicht auf unbewegliche Blattstrukturen. Man versuche einfach eine gute Mischung aus „härteren“ und „angenehmeren“ Themen zu finden. Geschichten bekommen bei „Talwaerts“ darüber hinaus den Platz, den sie brauchen um erzählt zu werden.

Ähnlich denkt auch die Journalistin Theresia Enzensberger, die das Block-Magazin herausgibt: „Den Lesern wird oft seitens der Verlage und Redaktionen zu wenig zugetraut. Doch in meinen Augen sind sie durchaus in der Lage, sich auch ohne Rubriken oder regelmäßige Kolumnen zu orientieren.“

Weitere Freiheit und mehr Platz für Beiträge bringt „Talwaerts“ der vollständige Verzicht auf Werbung, denn so können die Journalisten Gelungenes ohne wirtschaftliche Verstrickungen lobend erwähnen oder offen Kritik üben. Auch ohne die Anzeigenkunden generiert die Wochenzeitung durch den Verkauf der Hefte am Kiosk und im Abonnement einen kleinen Gewinn. Bisher gibt es etwa 300 Abonnenten und schon ab 1.000 festen Lesern verfügt das Blatt über eine gesunde finanzielle Basis. Bis Ende 2016 sollen es 5.000 sein.

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Markenzeichen: ausreichend Platz für Geschichten.
Bild: Jens Brehl – CC BY-NC-SA 4.0

Print rechnet sich

Auch die Herausgeber von „Talwaerts“ dachten zunächst, Print sei tot und die Zukunft sei rein digital. So planten sie zunächst eine Onlinezeitung, bis sie anfingen zu rechnen. Dafür schauten sie sich beispielsweise Daten über Nutzungsverhalten an, um herauszufinden, wie groß die Bereitschaft ist, für Inhalte zu bezahlen. Zudem beschäftigten sie sich mit der Frage, wie eine Paywall aussehen könnte. Das Ergebnis: Eine digitale Zeitung in dieser Form würde in Wuppertal wirtschaftlich keinen Erfolg haben.

Statt das Projekt einzustampfen, holten die Macher erste Druckangebote ein und informierten sich über Vertrieb und Logistik. „Als wir merkten, dass wir relativ schnell und mit überschaubaren Investitionen eine gedruckte Wochenzeitung in Wuppertal auf den Markt bringen können, haben wir einfach zu zweit losgelegt.“ Etwa 15.000 Euro aus Eigenmitteln investierten die beiden Herausgeber in ihr Blatt, bei dem heute 20 Freiberufler mitwirken.

Gratis gibt es für die Leser nichts. „Ich habe bis heute nicht verstanden, warum Tageszeitungen ihre Inhalte frei ins Internet stellen und in der gedruckten Ausgabe am nächsten Tag versuchen, das Gleiche ihren Lesern zu verkaufen. Das funktioniert wirtschaftlich nicht, denn bis auf wenige große Publikationen verdient kaum einer mit dieser Strategie Geld“, meint Filipzik. Die journalistische Arbeit und die Inhalte hätten schließlich auch einen Wert.

Derzeit sind die Herausgeber auf der Suche nach Investoren und führen auch schon konkrete Gespräche. Gemeinsam möchten sie „Talwaerts“ noch breiter aufstellen, den Umfang erhöhen und in der Region noch sichtbarer werden. Außerdem soll es auch bald eine digitale Ausgabe geben.

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