Zwei Jahrzehnte eintauchen in andere Welten

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Jens Brehl: Ist Spiele-Redakteur ein dufter Traumjob oder harte Arbeit?

Jörg Langer: Es ist beides, denn wenn man ehrlich ist, darf man über sein Hobby professionell berichten, es durch das Bewerten von Spielen zu einem gewissen Grad mitprägen und damit sein Geld verdienen. Das ist eine sehr schöne Sache, auch wenn der Traumjob-Anteil bei mir nach 20 Jahren nicht mehr so hoch ist. Die anfängliche Faszination meine Idole wie Peter Molyneux (begründete mit „Populous“ das Genre der Götter-Simulation, auch verantwortlich für Klassiker wie „Syndicate“ und „Dungeon Keeper“) oder William „Will“ Wright („Sim City“, „Die Sims“) zu treffen ist längst nicht mehr so ausgeprägt.

Als Spiele-Redakteur hat man zudem häufig Zeitdruck und auch ich arbeite etliche Stunden täglich, selbst abends Zuhause.

Jens Brehl: Was war ihr schönster Moment als Spiele-Redakteur?

Jörg Langer: (muss kurz überlegen) Puh, da gab es viele Momente. Als ich das erste Mal einen gedruckten Artikel von mir sah oder als ich die erste Ausgabe der „GameStar“ in Händen hielt. Zumal wir hier eine Katastrophe verhindern konnten. Zu spät war uns aufgefallen, dass die Spiele-Vollversion auf der beiliegenden CD bei den meisten Lesern nicht funktioniert hätte. Abends in München haben wir dann alle relevanten Leute zusammengetrommelt und bis in die frühen Morgenstunden gewerkelt. Schließlich konnten wir noch rechtzeitig einen fehlerfreien Datenträger ans Presswerk schicken.

Der Einfluss von Anzeigenkunden und schwarze Schafe

Jens Brehl: „GamersGlobal“ finanziert sich durch Abogebühren von Lesern, aber auch zu einem großen Teil aus Werbung. Wie unabhängig könnt Ihr arbeiten, wenn die Unternehmen, über die ihr berichtet, gleichzeitig eure Anzeigenkunden sind?

Jörg Langer: Völlig unabhängig! Seit 20 Jahren liefere ich den Herstellern eine relevante Zielgruppe. Die bekommt man entweder durch Tricks oder indem man sich Menschen aussuchst, die nicht merken belogen zu werden. In meinem Fall zähle ich unsere Leser zu einer intelligenten Zielgruppe und die erreicht man nicht mit frisierten Geschichten. Wir müssen die Themen besetzen und die Spiele testen, die unsere Leser interessieren. Nur wenn die Beiträge auch angeklickt werden, bekommen wir bei den Herstellern eine gewisse Relevanz. Wer will schon langweilige Artikel lesen?

Wir berichten ausführlich über die Spiele, die uns gefallen und zu unserer Internetseite passen. Was nicht heißt, dass der Hersteller dann automatisch eine Anzeige bei uns bucht. Im Gegenteil: Oft wird Werbung für Spiele geschaltet, die wir gar nicht getestet haben. Es sind eher temporale Zusammenhänge, wenn passende Anzeigen zu Inhalten der Berichte geschaltet werden: Ein Spieletest erscheint, wenn das Spiel auf den Markt kommt. Genau zu diesem Zeitpunkt wird es auch vom Hersteller beworben und nicht Monate früher oder später.

In Einzelfällen bekomme ich aber auch zu hören, dass wir eine Anzeige nicht bekommen haben, weil es keinen entsprechenden Spieletest gab oder unsere Wertung in den Augen des Herstellers zu schlecht ist. So etwas ärgert mich dann maßlos, denn diese Art von Geschäftsgebaren ist unmöglich.

In der Branche existiert ein Graubereich nach dem Motto „berichte über unser Spiel und du bekommst eine Anzeige“. Natürlich gibt es Internetseiten und Verlage, die auf Wunsch des Herstellers agieren. In den von mir zu verantworteten Bereichen bin ich stets sauber geblieben. Ich lehne es beispielsweise ab, unbequeme Artikel unter den Tisch fallen zu lassen, nur um weiterhin positiv über einen Anzeigenkunden zu berichten. Übrigens können sich Mediennutzer allgemein vor solch einer Arbeitsweise schützen, indem sie Hefte kaufen und auch im Internet für Inhalte bezahlen. Jeder Euro, den wir von den Lesern bekommen, brauchen wir nicht von den Anzeigenkunden.

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Kategorie: die anderen, Medienalltag, Spielzeit

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