Spiritualität in der Politik: „Echte politische Veränderungen kann es nur durch kleine Parteien geben“

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Kleine Parteien als Ausweg

Jens Brehl: Trotz Ihrer Erlebnisse bei den Violetten und rar gesäter Politiker mit einer ganzheitlichen Sicht glauben Sie dennoch, dass gerade kleine Parteien den politischen und damit auch gesellschaftlichen Wandel anstoßen können. Warum?

Martin Exner: Alle etablierten Parteien sehen sich politisch in der „Mitte“, die angeblich seit Jahrzehnten die richtigen Antworten auf die wichtigsten Fragen haben. De Facto spitzen sich ökologische, wirtschaftliche und soziale Probleme immer weiter zu, weil sie auf neue Fragen unserer Zeit immer nur die alten Antworten liefern. Große Parteien verfügen häufig über gut trainierte Sprecher, die Dinge anders darstellen können, als sie tatsächlich sind. Zudem sind sie durch Spenden von Konzernen und deren wirtschaftlichen Interessen abhängig. In den einzelnen Ministerien sitzen Lobbyisten und schreiben die Gesetzestexte. Angesichts dieser Missstände ist es für mich unbegreiflich, warum dies bei den Bürgern nicht schon längst einen Sturm der Entrüstung ausgelöst hat. Parteien, die von diesem System profitieren, werden dieses nicht infrage stellen und deshalb freiwillig auch keine Veränderungen einleiten.

Das können in meinen Augen nur kleine Parteien bewirken, die sich ihre Unabhängigkeit bewahren und es mit ihren authentisch agierenden Mitgliedern schaffen, den Idealismus zu leben. Sie können die großen schwächen, wenn sie in den Bundestag oder die Landtage einziehen und somit auf parlamentarischer Ebene Druck ausüben. Das kann einen politischen Wandel herbeiführen. Hierfür gibt es einen Beleg: Einst wurden die Grünen als Spinner belächelt, heute hat nahezu jede Partei ein ökologisches Programm. Sobald Parteien endlich begreifen, dass statt Abgrenzung durch Teilaspekte, wie Umwelt, Freiheit. Wirtschaft, Soziales und dergleichen, der Blick auf alle Zusammenhänge erforderlich ist, lässt sich auch ganzheitliche Politik umsetzen. Dazu kann jeder Einzelne beitragen, wenn wir Bürger gut informiert sind, uns als mündig und einflussreich begreifen, um uns für sinnvolle und nachhaltige Alternativen zu entscheiden.

Jens Brehl: Vielen Dank für das Gespräch.

Wie ich dazu kam Martin Exner zu diesem Thema zu interviewen erfahren Sie im Beitrag „Wie aus einem Nebensatz mehrere Hauptsätze wurden“.

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Kategorie: die Freigeber Story

Ein Kommentar

  1. Schon als Student verstand ich Politik innerhalb einer Demokratie als eine Willensbildung der Menschen. Wir sollten uns doch wieder klar machen, dass wir der Souverän sind. Wir sind die Wähler und die „Gewählten“ sind unsere Volksvertreter. Leider hat sich in den letzten 20 Jahren in der Politik eine Kultur breitgemacht, die mit Lobbyismus, Persönlichkeitsneurosen der Politiker und Machtgehabe Einzelner beschrieben werden kann. Die wirkliche Aufgabe als VERTRETER des Volkes zu handeln, ging verloren. Jungpolitiker werden genauso wie unsere Jungmanager am Ziel vorbei in eine Richtung geführt, die den wirklichen Aufgaben der heutigen Zeit nicht gewachsen sind.
    Die kleineren Parteien haben oft ganz zukunfts-orientierte Programme (bedingungsloses Grundeinkommen, ökologisch verträgliche Windkraft etc.) und eine noch gute Portion Energie ihren Standpunkt zu vertreten. Aber was passiert wenn sie an die „Macht“ kommen ?
    Dann schwimmen sie mit im Strom und ihre Identität geht verloren.
    Das beste Beispiel sind für mich die GRÜNEN !
    Ich würde mir wünschen, dass die Menschen sich ihrer Aufgabe in der Demokratie bewusst werden und handeln ! Dann wird es unweigerlich Veränderungen geben müssen !

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