„Ein starker Mann steht zu seinen Schwächen und lebt seine Gefühle“

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Jens Brehl: Mangelt es an passenden Idolen, an denen sich Heranwachsende orientieren können?

Robert Betz: Idole sind eher unnahbar und stehen selten in konkreten Fällen im Alltag der Jugendlichen zur Seite. Männer, die Freude am Mann-sein empfinden und Gefühle zulassen, sind als Vorbilder oder gar Mentoren besser geeignet. Das muss nicht zwangsläufig der leibliche Vater sein.

Jens Brehl: Viele ihrer Klienten und Seminarteilnehmer klagen über Probleme in der Partnerschaft. Welche Ursachen können Disharmonien haben?

Robert Betz: Sie sind besonders stark, wenn der Sohn unbewusst Ersatzpartner für seine Mutter ist. Für seine Partnerin ist in seinem oftmals verschlossenen Herzen dadurch kaum Platz und Konflikte sind vorprogrammiert. Oftmals finden Neuauflagen der elterlichen Partnerschaft in unterschiedlichen Variationen statt. Erst wenn unbewusste Verstrickungen sichtbar werden, kann sich etwas ändern.

Ein großer Fehler ist auch, alleinig in einer Partnerschaft das Lebensglück zu suchen. In diesem Fall wird dem Partner in eine Rolle gedrängt, die er niemals erfüllen kann. Glück ist eine innere Haltung, die von mehren Faktoren abhängt. Zudem ist es unmöglich jemand anderen zu lieben, wenn ich mich selber ablehne. In der Kindheit haben wir jedoch oftmals gelernt, dass wir so wie wir sind nicht akzeptiert werden. Die Selbstliebe und die damit Freude am Mann-sein sind zentrale Schlüssel für eine erfüllte Partnerschaft.

In Bezug auf die Sexualität herrscht vielfach ein enormer Druck. Wieder möchte der Mann Leistung bringen, glaubt es der Frau besorgen zu müssen. Wer dem selbst auferlegten Druck im wahrsten Sinne des Wortes nicht standhält, fühlt sich als Versager. Besonders, wenn er Sätze hört wie „du bringst es nicht“. Beim Sex vermischen sich die männlichen und weiblichen Aspekte. So sind die Männer eingeladen sich fallen zu lassen, zu genießen und bewusst zu spüren was in ihrem Körper geschieht. Dieser ist keine reine Mechanik, sondern wird im besonderen Maße durch unsere Emotionen geformt und gesund gehalten.

Jens Brehl: Wie haben Sie ihre Freude am Mann-sein entdeckt?

Robert Betz: Über eine Lebenskrise. Damals war ich beruflich äußerst erfolgreich, wurde alle zwei Jahre befördert und leitete zuletzt das Marketing in Europa für ein amerikanisches Industrieunternehmen. 1994 musste ich aufgrund von Panikattacken meinen Beruf aufgeben, da mir kein Therapeut helfen konnte. Ein Jahr lang wollte ich meinen Mercedes vor einen Baum setzen, um mir das Leben zu nehmen. Lebenskrisen sind Aufrufe seine Aufmerksamkeit auf das Wesentliche zu lenken. Die Arbeit machte mir großen Spaß, doch mein Leben war zu einseitig. Es folgte eine innere Einkehr mit vielen ruhigen Momenten in der Natur. Ich fragte mich, was mein Herz zum Singen bringt. Mein Psychologiestudium war damals bereits abgeschlossen und ich entschied mich für einen kompletten Neuanfang. Es entstanden die ersten Seminare über Fülle und Glück im Leben und ich entwickelte eine spirituelle Form der Psychotherapie namens Transformations-Therapie. Später schrieb ich die ersten Bücher. Heute bin ich ein fröhlicher Mann, empfinde Lust bei allem was ich mache. Alles, was in den letzten zehn Jahren passiert ist, habe ich nicht geplant, sondern ich bin meinem Männerherzen gefolgt. In dieser Hinsicht wird sich das Männerbild in den nächsten Jahren radikal ändern – besonders, wenn Männer lernen ihre Aufmerksamkeit nach innen zu richten.

Jens Brehl: Haben Sie vielen Dank für das Gespräch.

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