Rainers Revolte

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Die Revolte beginnt

Rainer erkennt, dass nur das Sehverhalten weniger Zuschauer tatsächlich erfasst wird. Der Rest ist eine Hochrechnung und kann als TV-Quote durchaus Hinweise liefern, welche Programme Zuschauer mögen. Doch leider wird – im Spielfilm wie in der Realität – diese Quote als feste Größe genommen. Sie entscheidet darüber, wie hoch die Preise für Werbespots sind und letzten Endes welche Inhalte gesendet werden. Damit ist sie ein machtvolles Instrument. Dabei kennt man lediglich die Sehgewohnheiten der etwa 11.500 repräsentativ ausgewählten Menschen. Theoretisch wäre es demnach möglich, dass der Rest der Bevölkerung andere Sendungen bevorzugt oder gar den Fernseher aus lauter Frust bereits entsorgt hat. Selbst das letzte Szenario wäre egal. Hauptsache die Quote und damit die erzielten Werbepreise halten das System auf dem Laufenden.

Mit Hilfe von Pegah und einer kleinen Gruppe Rebellen beginnt Rainer, die TV-Quoten zu manipulieren und löst damit eine Medienrevolution aus. Statt Trash und billige Unterhaltung geben Qualität und relevante Inhalte den Ton an. Eindeutiger Verlierer ist Rainers ehemaliger Arbeitgeber. Der private Fernsehsender hat zu lange Informationsmüll produziert, die Trendwende mag nicht gelingen. Doch der Widersacher kommt Rainers Plan auf die Schliche und schaltet den langen Arm des Gesetzes ein. Selbst der Politik ist der Sinneswandel mit der damit aus ihrer Sicht verbundenen Unruhe nicht geheuer.

Das stabilste System aller Zeiten

Rainers ehemaliger Vorgesetzter findet klare Worte: „Es können nicht immer alle oben stehen auf dem Siegertreppchen. Der Rest muss beschäftigt werden. Das geht nicht einfach so. Mit dem Fernsehen haben wir das stabilste System aller Zeiten ermöglicht – die Leute sind weg von der Straße und kommen auf keine dummen Gedanken mehr. Wir machen die Welt nicht kaputt, Rainer. Wir sind die Guten, wir bewahren sie.“ Während er ein Fernsehgerät streichelt meint er noch: „Die Leute gehen an die Arbeit und der Rest spielt sich hier in dieser Kiste ab.“

Regisseur Hans Weingartner („Die fetten Jahre sind vorbei“) lieferte mit „Free Rainer – Dein Fernseher lügt“ einen im hohen Maße idealistischen Film ab, der Realitäten überspitzt. Dennoch ist es verlockend sich auszumalen, wie Journalismus ohne den Druck der Einschaltquote, der meisten Klicks und der verkauften Auflage aussehen würde. Wäre eine Medienrevolution tatsächlich möglich?

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Kategorie: Augen & Ohren

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