„Nur die Harten kommen in den Garten“

| Keine Kommentare

Die neuen Tugenden sind die alten

Unglaublich aber wahr: Etliche junge Kollegen stellen sich laut Friedt bei der Stellensuche, beim Bewerben auf ein Volontariat oder bei der Kundenakquise selber ein Bein. Mitunter scheitern sie an den einfachsten Dingen, wie ansprechende und fehlerfreie Bewerbungsmaterialien. „Eine Bewerbung oder ein Themenvorschlag ist die erste professionelle Arbeit, die eingereicht wird.“ Zudem mangelt es oft an menschlichen Umgangsformen und soziale Kompetenzen, die man im Grunde bereits im Elternhaus, im Kindergarten oder in der Schule gelernt haben sollte. Das hört sie auch von anderen Dozenten und Ausbildungsleitern Land auf Land ab. „Das hat auch etwas mit Publikumskompetenz und Respekt zu tun, der zielgerichteten Überlegung: Wer ist mein Gegenüber? Das ist die erste Recherche.“

Manchen fiele es bei einem Anschreiben schlicht nicht ein, den anderen gebührend zu begrüßen. Stattdessen falsch adressierte Serienbriefe und fast schon kommentarlos Dateien im E-Mail-Anhang. Oft fehlt auch die Angabe der eigenen Kontaktdaten auf wichtigen Dokumenten wie Exposés. „Besonders viel Mühe sollte ich mir geben, wenn ich jemanden zum ersten Mal anschreibe, auch in einer E-Mail.“ Man müsse sich einfach immer fragen, wen man vor sich hat. Einen Chefredakteur, der 150 E-Mails am Tag erhält, mit einer banalen Frage zu löchern, wie es die Bewerberin, die sich ausspioniert sah zu tun, ist sicher kein empfehlenswerter Start in die Branche. Das positive Gegenspiel hat sie auch parat: Die Aufdeckung von unmoralischen Prakita-Angeboten führte bei Maxi Rüggeberger zu einer Volontärstelle und ermuntert Junge zu Mut und Haltung.

Zudem ist es laut Friedt unerlässlich verbindlich zu sein. Dazu gehört es Termine und Absprachen einzuhalten, oder bei auftretenden Problemen rechtzeitig zu informieren. Das klingt einfach, doch auch hier scheitern etliche angehende und auch aktive Journalisten – dabei dreht sich in der Medienwelt alles um Information und Kommunikation. Doch gerade untereinander scheint das große Schweigen angesagt zu sein. Auch Marina Friedt ist in diesem Punkt ein wenig ratlos, warum das so ist. „Vielleicht denken einige, sie haben es nicht nötig verbindlich zu kommunizieren, um Hilfe zu bitten, selber Angebote zu unterbreiten oder sich zu entschuldigen, wenn sie einen zugesagten Abgabetermin nicht einhalten können.“ Dabei sind es gerade die sozialen Kompetenzen, die Beziehungen gelingen lassen. Friedt ist davon überzeugt, dass die kollegiale Zusammenarbeit und das Helfen untereinander immer wichtiger werden.

Augen auf bei der Berufswahl

Gern erzählt sie auch die Geschichte von einem Volontärsanwärter bei einem öffentlich-rechtlichen TV-Sender, der auf die Frage, welche Sendungen er gerne sehe, antwortete: Ich habe gar keinen Fernseher. Viele von Friedts Studenten sind davon überzeugt, fest angestellt im Printsektor zu arbeiten. Eine Zeitung oder gedrucktes Magazin hat jedoch keiner von ihnen abonniert. „Gerade Journalisten müssen viel lesen und die Medien kennen, für die sie arbeiten möchten. Zudem braucht es echte Leidenschaft.“ Wer sich darauf konzentriere, was ihm Spaß mache, der sei später richtig gut in seinem Metier.

Ab in den Garten

Die Begriffe „Zeitungssterben“ und „Medienkrise“ sind omnipräsent. „Krisen hat es immer schon gegeben“, erinnert Friedt. Neben der Sach- und Fachkompetenz, spielen zunehmend Persönlichkeits-, Unternehmer-, Technik- und Publikumskompetenz eine wichtige Rolle. Wer sich ernsthaft seiner Charakterbildung widmet und soziale Kompetenzen verfeinert, fällt es deutlich leichter sich aus einer Masse an Mitbewerbern positiv hervorzutun. Alleine im stillen Kämmerlein wird das nur schwer gelingen. „Journalisten müssen sichtbar sein und das ist dank sozialen Medien, Blogs, Twitter und Co. niemals so einfach wie heute.“

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.