Journalisten mit heruntergelassenen Hosen

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Jens Brehl: Wie können sich Medien nun aus dem Dilemma befreien, die geforderte Wahrheit nicht liefern zu können und gleichzeitig ihre Medienprodukte verkaufen zu wollen?

Daniel Bröckerhoff: Dazu müssen Medien immer wieder betonen, dass sie nur einen kleinen Ausschnitt präsentieren können und eventuell die Faktenlage aus zu nennenden Gründen unklar ist. Zudem sollten sich Journalisten beim Produzieren der Beiträge in mehreren Punkten hinterfragen: Hat man die andere Seite ausreichend zu Wort kommen lassen, auch wenn man anderer Meinung ist oder ist man gar bei der Wortwahl in gewisse Muster gefallen? Beispielsweise erscheinen Berichte über die Ukraine-Krise neutral, doch immer präsentiert man die westliche Sichtweise vor der russischen. Das ist ein normaler Effekt, wenn man eine Seite persönlich bevorzugt.

Ein gelungenes Beispiel ist ein Bericht von Spiegel Online über die Anschlagsserie in Kopenhagen. Zunächst werden die Fakten präsentiert und dann deutlich dargelegt, was noch geklärt werden muss. So wird aufgezeigt, dass es sich nicht um eine abgeschlossene Faktenlage, sondern um einen sich entwickelnden Beitrag handelt. Im Nachgang können neue Erkenntnisse eingebracht werden. Hier nehmen dann Hintergrundberichte und Dossiers eine wichtige Rolle ein, die nach einem gewissen zeitlichen Abstand mit ausgeruhtem Blick sortieren.

Jens Brehl: Damit können dann Medien das verloren gegangene Vertrauen zurückgewinnen?

Daniel Bröckerhoff: Das beste Mittel um Vertrauen zurückzugewinnen ist der Dialog. Es ist wie in einer Partnerschaft. Wenn der eine dem anderen nicht mehr vertraut, kann man sich entweder ignorieren und nebeneinander her leben, sich trennen oder man redet miteinander und klärt die Situation auf. Hier lässt sich dann auch herausfinden, wie es zum Vertrauensverlust kam.

Demgegenüber gibt es Menschen, denen immer irgendetwas nicht gefällt. Sie sind immer unzufrieden, weil sie sich nicht repräsentiert fühlen. Damit müssen Medien leben, denn Journalismus sollte es nicht allen recht machen wollen – denn das geht überhaupt nicht. Wenn aber eine gewisse Masse unzufrieden ist, wäre zunächst ein interner Dialog in der Redaktion sinnvoll. Negative Kommentare sollte man nicht leichtfertig als das alleinige Werk von Trollen abtun.

Jens Brehl: Vielen Dank für das aufschlussreiche Gespräch.

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