Gute Banken: Mein Geld bewegt die Welt

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Eine konventionelle Bank auf „Abwegen“

Die Sparda-Bank München ist die größte Genossenschaftsbank Bayerns und deren Vorstandsvorsitzender ist seit 2006 Helmut Lind. Er war schon immer ein zielstrebiger Mensch. Seine Vision: Vorstandsvorsitzender zu werden. „Damals glaubte ich auch aus Überheblichkeit und Selbstüberschätzung heraus, wenn ich diesen Posten erreiche bin ich ein wertvoller Mensch und glücklich“, erklärt Lind. Doch die Seifenblase platzte schnell und Lind stürzte in eine tiefe Sinnkrise. „Das Glück und die Zufriedenheit, die ich mit diesem Posten im Geiste verband, entpuppten sich als Illusion. Über Jahre hinweg hatte ich meine wahren und seelischen Bedürfnisse vernachlässigt und ich fand keinen tieferen Sinn mehr in meiner Tätigkeit.“ Lind haderte mit sich, wollte aussteigen. „Doch wenn alle bewussten Menschen gehen, kann sich nichts verändern“, wird ihm bald klar. Linds jahrelanger innerer Prozess des Wertewandels vom Karriere- zum Herzensmenschen, der sich traut Tränen fließen zu lassen und offen über seine Gefühle zu reden, trug schon bald auch im Außen Früchte. Nachdem bereits 2007 Christian Felber, Mit-Initiator der Gemeinwohl-Ökonomie, einen Vortrag zum Thema neue Werte für die Wirtschaft im Hause der Sparda-Bank München hielt, gingen Lind und seine Kollegen einen großen Schritt.

Die Sparda-Bank München gehört zu den 60 Pionierunternehmen, die 2011 das erste Mal eine Gemeinwohl-Bilanz erstellt und veröffentlich haben. Hier wird gemessen, wie die fünf Grundwerte Menschenwürde, Solidarität, ökologische Nachhaltigkeit, soziale Gerechtigkeit und Demokratie gegenüber den Berührungsgruppen wie Mitarbeiter, Kunden und Lieferanten eines Unternehmens gelebt werden. Der Idealwert beträgt 1.000 Punkte. Somit wird ersichtlich, welchen Beitrag ein Unternehmen mit seinen Waren und Dienstleistungen zum Gemeinwohl auf breiter gesellschaftlicher Ebene leistet. Die Gemeinwohl-Bilanzen sind generell öffentlich einsehbar.

Die Sparda-Bank München erreichte 2011 von 1.000 möglichen Punkten 332. Es existiert demnach viel Luft nach oben. „Lieber lege ich einen schlampigen Start hin, als das ich spitzenmäßig abwarte, denn natürlich ist vieles noch nicht perfekt. Wir sind noch nicht da, wo wir sein wollen – aber wir arbeiten daran und die Anfänge sind gemacht“, sagt Lind. Ein Jahr später weist die Bilanz 385 Punkte aus. Da die Wurzeln im konventionellen Bankgeschäft liegen, befindet sich das Geldhaus noch im Prozess bei den Finanzprodukten stärker soziale und ökologische Aspekte einfließen zu lassen.

Ungenutzte Potentiale

Laut dem Bundesverband Deutscher Stiftungen wird hierzulande ein Stiftungsvermögen von etwa 100 Milliarden Euro verwaltet und am Finanzmarkt anlegt. Mittels der erwirtschafteten Rendite werden die jeweiligen Aufgaben der Organisationen finanziert, doch nur ein Bruchteil des Vermögens wird nach sozial-ökologischen Ansätzen investiert. So ergeben sich zwangsläufig Kuriositäten, dass eine Stiftung mit dem Ziel Menschenrechte zu fördern, Geld für ausbeuterische Unternehmen und Kinderarbeit bereitstellt. Eine Umweltstiftung mag vielleicht 100.000 Euro für den Erhalt des Regenwaldes durch ihre Geldanlagen erwirtschaftet haben, in Wahrheit hat sie ein Vielfaches des Kapitals für umweltzerstörende Zwecke „eingesetzt“. Bei einigen gemeinnützigen Vereinen oder Nichtregierungsorganisationen stimmen Engagement und Bankkonto häufig nicht überein. Somit torpedieren sie die eigenen Ziele.

Ebenso ist es unerklärlich, warum ausgerechnet ganzheitlich orientierte Unternehmen und Firmen aus der Biobranche weiterhin mit herkömmlichen Banken kooperieren. Während das Biounternehmen beispielsweise die ökologische Landwirtschaft fördert, finanziert es mit seinen Einnahmen auf dem Bankkonto Chemiekonzerne und Gentechnik. Bei wirtschaftlichen Unternehmen, Stiftungen und Vereinen schlummert demnach ein gewaltiges finanzielles Potential, um sinnstiftende Projekte und weitreichende Veränderungen wie beispielsweise die Energiewende zu finanzieren. Das Geld muss dafür lediglich in bereits vorhandene Bahnen gelenkt werden.

Zukünftige Werte

Das eingangs beschriebene Szenario ist reine Utopie, was sich allerdings schnell ändern könnte. Mag die Zukunft des Euros auch auf wackligen Füßen stehen, so ist dies kein Grund seine derzeitige Energie nicht zu nutzen oder im Gegenteil für das Gemeinwohl schädliche Vorhaben einzusetzen. Bereits heute können wir mittels der grünen Banken in eine lebenswerte Welt investieren und dementsprechend die Zukunft gestalten. Ein Kontowechsel ist demnach mehr als ein symbolischer Akt, sondern es werden Geldströme derart umgelenkt, dass sie dem Menschen dienen und Sinnstiftendes auf vielen Ebenen erblühen kann.

Es gibt absolut keinen Grund, warum die sozial-ökologischen Geldhäuser weiterhin ein Nischendasein fristen sollten. Sollte unser jetziges Banksystem vor dem Aus stehen, sind sie es, die neue Strukturen schaffen können. Bereits heute gehen sie neue Wege: Geschäftkunden können ihre Umsätze in der Regionalwährung Chiemgauer mit ihrem Girokonto bei der Triodos Bank verwalten und Sylke Schröder von der Ethik Bank, stellt das jetzige Zinssystem auf philosophischer Ebene infrage – schließlich treibt es den westlichen Kapitalismus zu seinem Wahn unendlich wachsen zu müssen.

Hinweis

Dieser Beitrag erschien in seiner ursprünglichen Version erstmalig im Magazin raum & zeit Ausgabe 176 / 2012. Für meinen Blog habe ich den Artikel nochmals überarbeitet, so ist beispielsweise der Abschnitt „Eine konventionelle Bank auf ‚Abwegen’“ neu hinzugekommen. Sie können die Original-Veröffentlichung ohne die neu hinzugefügten Inhalte auch direkt beim Verlag als PDF kostenpflichtig erwerben.

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