Frischer Wind für Fuldas Regionalmedien

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Drei Zeitungen für eine Meinung

Die Macher der „Fuldaer Windzeitung“ erhielten von den Lesern breiten Zuspruch. „Wir waren nicht die Einzigen, die sich eine ausgeprägte Themenvielfalt in den Regionalmedien wünschten.“ Die Idee für eine regelmäßig erscheinende Zeitung als ernst gemeintes Bürgerjournalismus-Projekt festigte sich zusehends. Mit „Agora“ möchten die ehrenamtlichen Redakteure ein Gleichgewicht der für die Region relevanten Themen herstellen. Die zweite Ausgabe widmet sich daher unter anderem mit umstrittenen Genmais, dem Freihandelsabkommen TTIP, fairem Handel und nachhaltige Verkehrskonzepte für Fulda.

„Wir leben gerne in Fulda und möchten unseren Beitrag leisten, die Region noch lebenswerter zu gestalten. Dazu muss sich die Stadt verstärkter auf die Zukunft ausrichten und sich schon heute um Themen wie nachhaltige Energie kümmern – bevor die Probleme mit einem Paukenschlag vor der Tür stehen“, erklärt Döppner. Er versteht das Zeitungsprojekt als einen demokratischen Akt und Demokratie benötigt neben Transparenz auch eine Vielfalt an Informationsquellen. „Ich habe Bedenken was in der deutschen Medienlandschaft derzeit passiert. Man kann durchaus drei Zeitungen lesen und dennoch nur eine einzige Meinung finden.“ Besonders problematisch kann es in Regionen sein, die lediglich über eine Tageszeitung verfügen, die dann automatisch die Monopolstellung innehat.

Doch auch die alternativen Medien sind vor einseitigem Berichten nicht automatisch gefeit. Gerade weil sich die „Agora“-Redaktion mit Leidenschaft auf eine Mission begeben hat, läuft sie Gefahr, alles nur noch durch die eigene Brille zu sehen. Die dritte Ausgabe widmet sich wieder dem Steckenpferd Windenergie. Dazu möchten die Redakteure Befürworter und auch Gegner an einen Tisch bringen. „Wir müssen lernen, wie wir im Detail zu den fertigen und  ausgewogenen Artikeln kommen. Besonders Expertenmeinungen wollen wir nicht alleine für sich stehen lassen, sondern verstärkt hinterfragen.“

Naiv und werbefrei

Bewusst gibt es zusätzlich zum Internetauftritt eine gedruckte Ausgabe, die derzeit mit einer Auflagenhöhe von 3.000 Exemplaren dreimonatlich erscheinen soll. Für die Herausgeber ist es wichtig, dass man „Agora“ als Zeitung auch tatsächlich in Händen halten kann. „Wir sind so naiv, nicht nur die Ausgaben kostenfrei zu verteilen, sondern auch auf Werbeanzeigen zu verzichten. Letzten Endes möchten wir auf diese Weise wirtschaftlich unabhängig berichten können“, sagt Döppner und merkt an: „Das wird auf Dauer interessant, wie wir das finanzieren wollen.“

„Die Ökonomisierung unseres Berufs durch Verlagsmanager, die sich alleine an Renditen haben messen lassen müssen, ist der Ursprung der Fehlentwicklung, die den Journalismus zum reinen Konsumgut degradiert hat“, sagte Dirk C. Fleck, Journalist und Autor des Buchs „Die vierte Macht“, in einem vergangenen Interview. Daher kann der gemeinnützige Journalismus in Bürgerhand tatsächlich thematische Lücken füllen, wie es beispielsweise der Wochenzeitung „Kontext“ aus Stuttgart gelingt.

Die „Agora“-Macher hoffen auf die breite Unterstützung der Leser. Etwa 5.000 Euro werden benötigt, damit in diesem Jahr auch die weiteren geplanten Ausgaben erscheinen können. „Wir haben bisher noch gar nicht aktiv um Spenden geworben und möchten dies künftig in Verbindung mit Aktionen machen.“ Denkbar sei neben Benefizkonzerten auch ein öffentliches Picknick und dergleichen.

Derzeit freut sich das Team auch über weitere aktive Mitstreiter, besonders ein Karikaturist wird schmerzlich vermisst. Schließlich wird jede Ausgabe mit einer Portion Satire gewürzt. Wann und wo offene Redaktionstreffen stattfinden erfährt man künftig auf der Internetseite. Schon heute kann man hier auf alle Artikel zugreifen.

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