„Die größte Gefahr der Medien geht heute von der Macht des Geldes aus“

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Jeff Bezos, Gründer von Amazon, kaufte im Oktober 2013 für 250 Millionen Dollar die „Washington Post“. „Langfristig stellt dieser Kauf die Unabhängigkeit der Journalisten der ‚Post’ sicher und verschafft ihnen neue finanzielle Mittel.“ Ist etwa ein neues goldenes Zeitalter (gilded Age) angebrochen? Eine Schwachstelle zeigt die Autorin einige Seiten später auf: „Aber selbst wenn die wohlhabenden Spender nur von den lautersten Absichten beseelt sein sollten (die Medien retten, die Qualität eines öffentlichen Guts sichern, ihr Kapital gewinnbringend in einer Industrie anlegen, der sie noch Vertrauen schenken) – wie steht es um ihre Kinder? Die Unwägbarkeiten, die von den Zufällen der Erbfolge und den Launen der Nachkommen gezeitigt werden, gehören zu den Hauptproblemen, die von der Illusion eines neuen gilded age aufgeworfen werden, das nicht als Modell für eine nachhaltige Organisation der Medien taugt.“ Zudem darf man fragen, ob die eingekauften Medien auch Kritik beispielsweise am Kapitalismus ausüben, wo doch die Eigentümer zu den Gewinnern des Systems zählen.

Neue Gesellschaftsform für Medienunternehmen

Die meisten verbinden mit dem Wort „Stiftung“ oft „gemeinnützig“. Gehören Medienunternehmen einer Stiftung, so bedeutet dies jedoch noch lange nicht, dass sie sich dem Gemeinwohl verpflichten und stets im Sinne der Bürger agieren. Vielmehr würden damit oft (lediglich) Machtverhältnisse über Generationen hinweg gesichert.

Ebenso habe sich das Modell der Genossenschaft häufig nicht durchsetzen können. Daher plädiert die Autorin für die Rechtsform einer nicht gewinnorientierte„Mediengesellschaft“, die zwischen einer Aktiengesellschaft und Stiftung liegt. Kapitalgeber sind dann Spender, die keinen Einfluss auf Inhalte und Geschäftspolitik ausüben können.

Sicherlich bedarf es noch einem gewaltigen Sinneswandel und eine echte Wende in der Medienbranche, bis sie sich radikal ändert. Anstelle des maximalen Profits träte dann das Fördern des Gemeinwohls. Es gibt jedoch auch Vorreiter, so hat sich beispielsweise die taz der Gemeinwohl-Ökonomie angeschlossen.

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