Der Klimawandel von nebenan

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Umweltthemen aus der Filterblase befreien: Der Klimawandel findet auch nebenan statt

Obwohl Umweltthemen sämtliche Lebensbereiche betreffen, sind entsprechende Beiträge meist nur in einem Ressort zu finden. „Es reicht nicht, wenn nur die klassischen Umweltjournalist(inn)en sich um das Thema kümmern. Es muss in allen Ressorts verankert werden. Journalismus, der sich mit dem Anthropozän beschäftigt, muss also viel bunter und vielfältiger werden, als das heute in den meisten Redaktionen der Fall ist“, schreibt Petra Pinzler, Korrespondentin der Hauptstadtredaktion von DIE ZEIT.

In den Augen von Professor Dr. Beatrice Dernbach von der Technischen Hochschule Nürnberg ist vor allem das Lokale ein verkanntes Ressort, da es das „Kaninchenzuchtverein-Image“ nicht los werde. „Im Lokalen fällt der Müll an; im Lokalen stehen sich die Interessen der Bauwirtschaft und der ökologischen Stadtplanung gegenüber; im Lokalen bestimmen die Menschen, ob sie mit dem Auto zum Brötchenholen fahren. Im Lokalen zeigt sich, ob der/die Einzelne sich hinter der großen Politik versteckt (…) oder sich seiner/ihrer Verantwortung bewusst wird. Müssen also vor allem die Lokaljournalist(inn)en nur noch lernen, wie sie das Nachrichtendreieck in konstruktiven, das heißt lösungsorientierten Journalismus umsetzen. Gelingt das, ist das Thema Nachhaltigkeit im Journalismus angekommen.“

Katastrophenberichte sorgen zwar für Aufmerksamkeit, lösen aber auf Dauer Ängste aus und können Mediennutzer lähmen. Alles ist zu spät. Ich als Einzelperson kann eh nichts ändern. Hier setzt der konstruktive Journalismus an, erzählt auch von Lösungsmöglichkeiten. Gefragt ist keine rosarote Brille, sondern wie in allen Bereichen journalistische Kerntugenden: kritisches Hinterfragen, offene Recherche, Faktentreue und Transparenz.

Professor Dr. Torsten Schäfer von der Hochschule Darmstadt fordert „eine kritisch-konstruktive Haltung, die offen ist für alle Positionen, unabhängig in der eigenen Meinungsbildung und die letztlich aber grundlegend anerkennt, dass ein zukunftsorientierter Umgang mit dem Planeten eines der wichtigsten Ziele überhaupt ist.“

Enkeltauglicher Journalismus

Journalisten sind Menschen, die auf dem gleichen Planeten leben wie alle anderen. Somit sind auch sie von Umweltzerstörung gleichermaßen betroffen und könnten mit ihren verfügbaren Mitteln einen Beitrag für eine ökologische Wende leisten.

Was aber, wenn die Medien ebenso in der gesellschaftlichen Verantwortung sind, diese aber nicht wahrnehmen oder schlicht nicht wahrhaben wollen, weil sie sich auf ihre Objektivität – wenn es sie in der propagierten Form überhaupt gibt – und auf die Rolle des reinen Chronisten berufen? Könnten wir die Untätigkeit mit reinem Gewissen unseren Enkeln erklären, die sich eine lebenswerte Welt wünschen?

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