Zwischen Propaganda und Wahrhaftigkeit: Konstruktive Kritik auf der Ialana Medientagung

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Medienkritik wird oftmals emotional und lautstark geführt. Jahrelang hat sich Frust angestaut und andererseits gibt es die Sehnsucht nach vielfältigen Perspektiven in der Berichterstattung. Wie Propaganda und Kampagnen funktionieren, aber auch wie wahrhaftiger Journalismus aussieht, diskutierten die Teilnehmer der Ialana-Medientagung “Krieg und Frieden in den Medien“ am vergangenen Wochenende in Kassel. Der Freigeber war am Samstag vor Ort.

Dr. Sabine Schiffer vom Institut für Medienverantwortung mahnte zu Beginn die Gefahr von Medienkonzentration an. Wenn eine Lokalredaktion mehrere Zeitungen beliefert, dann sei Medienvielfalt nur vorgegaukelt. Für das Schrumpfen von Redaktionen und dem Rückgang an festangestellten Mitarbeitern sieht sie bei Verlagen häufig keine existenziellen Gründe. Es gäbe keine Medienkrise, sondern eher eine Gewinnmaximierungskrise. Doch wie unabhängigen Journalismus nachhaltig finanzieren? Crowdfunding scheide aus, da es zu sehr von der jeweiligen Stimmung abhängig ist.

Die inszenierte Inszenierung in der Berichterstattung

Wenn Medien inszenierte Inhalte ihrerseits in Szene setzen, transportieren sie bereitwillig vorgefertigte Botschaften. „Wer hat das Heft des Handelns in der Hand“, fragte Professor Dr. Günther Rager von der Technischen Universität Dortmund. Im Spätsommer formulierte ich mich meinem Kommentar „Lokaljournalismus, diese inszenierte Scheiße“ eine ähnliche Kritik.

In Sachen Transparenz würdigte Rager entsprechende Hinweise, wenn offen benannt werde, dass ausgestrahlte Interviews vorher aufgezeichnete wurden. Allerdings vermisst er häufig die Information, aus welcher Perspektive sich die Redaktion dem Thema des Beitrags genähert hat. In den Statuten von Axel Springer heißt es unter anderem: „Wir zeigen unsere Solidarität in der freiheitlichen Wertegemeinschaft mit den Vereinigten Staaten von Amerika.“  Gibt es in den Publikationen des Unternehmens genügend Raum für kritische Stimmen und erweiternde Perspektiven?

„Es gibt keinen Bösewicht, der die Medien steuert.“ Es brauche keine Verschwörung für das Verhalten in der Medienlandschaft. „Am Zustand von Zeitungen sind nicht nur böse Verleger schuld, sondern auch Leser, die nicht bereit sind, den Preis für Informationen zu bezahlen“, sagte Rager mit Nachdruck.

Für mehr Kompetenz in den Rundfunkräten

Maren Müller hat sich durch ihre Kritik am öffentlich-rechtlichen Rundfunk nicht nur Freunde gemacht. Gerade in der politischen Berichterstattung plädiert sie für mehr Ausgewogenheit. Dies hat sie dazu veranlasst, die Ständige Publikumskonferenz der öffentlich-rechtlichen Medien ins Leben zu rufen. Kritiker bezeichnen sie mitunter als „Putin-Versteherin“, da sie besonders die in ihren Augen unausgewogenen Berichte über Russland zu Programmbeschwerden angeregt hat.

Es brauche mehr Unabhängigkeit. „Der öffentlich-rechtliche Rundfunk ist durch Gebühren finanziert und sollte daher frei von den Zwängen des Marktes sein.“ Die Einschaltquote habe dort daher nichts zu suchen. Auch bemängelt sie den zu hohen Einfluss der Politik in Rundfunkräte (ARD) und Fernsehrat (ZDF). Sie stellt auch die Frage, inwieweit ein dort aktiver und viel beschäftigter Politiker über den Freiraum verfüge, um seiner Aufgabe der Programmkontrolle gerecht zu werden. Auf einer ihrer Programmbeschwerden habe ihr ein Rundfunkratsmitglied geantwortet, er habe keine Zeit zum Fernsehen. Wie soll er dann aber das Programm und dessen Qualität beurteilen? Sie selbst strebe keinen Sitz in einem Rat an, sondern verweist an Medienwissenschaftler als kompetente Mitglieder.

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Kategorie: die anderen, Medienalltag

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