„Wer David Helfgott die Musik nimmt, der nimmt ihm sein Leben“

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Jens Brehl: Was möchten Sie mit dem Film aussagen?

Cosima Lange: In mein Konzept habe ich selbstverständlich meine Eindrücke einfließen lassen, aber mir war anfangs nicht klar, wohin die Reise geht. Es war mir wichtig, David nicht nur als Musiker, sondern auch als Mensch zu begreifen und zu zeigen. Daher haben wir einerseits die Konzerte gefilmt und andererseits David im Alltag begleitet. Dabei ist es durchaus eine Gratwanderung ihn nicht bloßzustellen, weil es immer leicht voyeuristisch wirken kann. Man läuft dann Gefahr, zu intim zu werden.

Ich wollte ganz nah an die große Liebesgeschichte zwischen David und Gillian heran, einem ungleichen Paar, welches schicksalhaft zueinander gefunden hat. Die beiden sind zutiefst dankbar für das, was sie im Leben haben. Es ist ein Film über die Menschlichkeit und den großen Wert des „Andersseins“.

Jens Brehl: David Helfgott hat viele Facetten. Was hat sie besonders fasziniert?

Cosima Lange: Wenn ich ihn nach seiner Vergangenheit gefragt habe, meinte er nur, wir leben doch jetzt im Moment, die Vergangenheit sei zu Ende und die Zukunft kennen wir nicht. Dann sagte er Sätze, wie „Lass uns im Moment sein“. Natürlich gehen wir im Film auch auf Davids Leidensweg ein, aber er steht nicht im Fokus. Vielmehr tauchen wir gemeinsam mit ihm im Hier und Jetzt in das Leben ein – oder kurz gesagt, ist „Hello I am David“ eine Liebeserklärung an das Leben.

Jens Brehl: Im Film sieht man, dass David kaum einen Moment still sitzen kann. Hat das die Dreharbeiten erschwert?

Cosima Lange: (lacht) Das Projekt hat einige Herausforderungen geboten. Normalerweise bin ich eine Regisseurin hinter der Kamera und dieses Mal hat mich David vor die Kamera geholt. Ich habe dies zugelassen, weil es sich für mich richtig anfühlte. Dadurch sind die Dreharbeiten aber auch für mich eine sehr persönliche Reise geworden.

Von Anfang an war klar, dass es mit David keine klassische Interviewsituation geben wird. So reden wir während des Schwimmens, er Klavier spielt oder er mich zum Tanzen auffordert. Er braucht diese Nähe, auch indem er meine Hand hält. In solchen Situationen findet er seine Ruhe. Man kann mit ihm ansatzweise Dialoge führen, selbst wenn sie vielleicht etwas einseitiger ausfallen. Mitten im Gespräch kann es allerdings passieren, dass er von einem Moment auf den anderen etwas anderes machen will – und das tut er dann auch. Auf der einen Seite hat er diese kindliche Art, dennoch wäre es falsch zu behaupten, er sei nie erwachsen geworden. In seinem Innersten ist er unfassbar weise. Manches muss man gar nicht aussprechen, weil er es intuitiv spürt.

Darüber hinaus musste ich mich auf jemanden an meiner Seite einstellen, der alles verbal äußert, was ihm durch den Kopf geht und dadurch auch die Form der Unterhaltung anders als gewohnt ist. Zudem war ich auch ein Stück weit für ihn verantwortlich. Als wir mit ihm alleine gedreht hatten, war er uns einmal abhanden gekommen. Wenn er irgendjemand in der Ferne sieht, dem er mal „Hallo“ sagen will, ist er auch schnell mal verschwunden. Normalerweise laufen dir deine Protagonisten nicht weg.

Jens Brehl: Im Buch „Herzensfolger“ erzählen Sie von Ihrem Herzensprojekt: Ein Dokumentarfilm über Auroville. Wie ist hier der Stand der Dinge?

Cosima Lange: Nachdem die Arbeiten an „Hello I am David“ abgeschlossen sind, habe ich wieder mehr Freiraum. Nun freue ich mich darauf, mich wieder dem zu widmen, was mich schon so lange begleitet. Ich bin weiterhin mit Aurovillianern in Kontakt und möchte so bald wie möglich wieder dorthin reisen. 2018 findet dort die 50-Jahr-Feier statt, daher gibt es dort derzeit eine schöne Dynamik zu entdecken. Nach meinem Gefühl hilft „Hello I am David“ dabei, weitere Unterstützer zu finden.

Jens Brehl: Vielen Dank für unser Gespräch.

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