Schluss mit der Propaganda: Öffentlich-rechtliches Fernsehen abschalten

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Heilbringer Youtube, Netflix & Co?

Laut Seliger ist das öffentlich-rechtliche Fernsehen komplett überholt, kostenlose Inhalte gäbe es im Internet beispielsweise bei Youtube zuhauf. Wie allerdings umfangreiche Recherchen finanziert werden sollen, verrät der Autor nicht. Zudem geht er mit keinem Wort darauf ein, dass sich einige Youtube-Stars mit (verdeckter) Werbung finanzieren. Nur weil Inhalte im Internet verbreitet sind, müssen sie nicht „alternativ“ oder wahr sein.

„Die Hoheit über den Zeitplan der Kunden, die das Ganze finanzieren, haben ausschließlich die Fernsehverantwortlichen. Ein diktatorisches System, das die modernen technischen Möglichkeiten aus Machtgründen ignoriert.“ Seliger scheint noch nicht die Mediatheken der öffentlich-rechtlichen Fernsehsender entdeckt zu haben, die Beiträge wie gesetzlich vorgeschrieben zeitlich begrenzt zum kostenfreien Ansehen bereit halten. Auch den Livestream der Sender scheint er auf den Internetseiten noch nicht gefunden zu haben. Ebenso scheint ihm unbekannt zu sein, dass Nutzer auf Youtube etliche öffentlich-rechtliche Sendungen und Dokumentationen hochgeladen haben, was Fernsehverantwortliche oft stillschweigend dulden.

Zudem schreibe Netflix nicht das Empfangsgerät vor, was allerdings auch die Fernsehsender nicht tun: Ob per Laptop oder Smartphone haben Zuschauer Zugriff auf Livestream und Mediatheken. Mit diesem Kritikpunkt stellt sich Seliger ins technische Abseits.

Öffentlich-rechtliches Fernsehen reformierbar?

Es ist richtig und wichtig, dass öffentlich-rechtliche Rundfunksystem und dessen Inhalte zu hinterfragen. Seliger begeht leider den Fehler, das Kind mit dem Bade auszuschütten. In seinen Augen ist das System nicht reformierbar.

Seliger hätte in „I have a stream“ besser auf das Zementieren von Feindbildern und Beleidigungen verzichtet. Scheinbar hat sein tief sitzender Frust die Feder in die Hand genommen. Nur hin und wieder gelingt es dem Autor, durch geschickte Fragen und gut recherchierte Fakten seine Leser zum Nachdenken zu motivieren. Jedoch gibt er in den meisten Passagen seine vorgefertigte Meinung kund, was er nicht bei sich, aber beim öffentlich-rechtlichen Fernsehen als Propaganda kritisiert.

In einem Interview mit der Jungen Welt wurde Seliger gefragt, ob seine Fundamentalkritik der Grund sei, dass sein Buch in den Medien kaum rezensiert würde. „Wahrscheinlich. Der Mainstreamjournalismus möchte dem öffentlich-rechtlichen Fernsehen nicht wehtun. (…) Das Verschweigen ist die schärfste Waffe der hiesigen Medien, und verschwiegen wird alles, was das System grundsätzlich in Frage stellt“, war seine Antwort. Möglich wäre auch, dass sich Seliger mit den etlichen Pauschalurteilen und offenen Beleidigungen selber ein Bein gestellt hat, denn Kritik am öffentlich-rechtlichen Fernsehen ist immer wieder Bestandteil der Berichterstattung.

Seliger hätte mit seinem Buch eine deutlich größere Leserzahl erreichen können, aber die Chance hat er durch seinen Schreibstil leider vertan. Wer sich allerdings durch den in den meisten Abschnitten präsenten Dauerfrust des Autors kämpfen, dessen Ansichten hinterfragen und über Beleidigungen hinwegsehen kann, findet auch informative Abschnitte und durchaus berechtigte Kritikpunkte am öffentlich-rechtlichen Fernsehen – denn zu verbessern gibt es dort noch einiges.

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