Mehr als Fairtrade-Kaffee und Ökostrom

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Gemeinwohl emfaktor

Oliver Viest gefällt das Ergebnis der ersten eigenen Gemeinwohl-Bilanz.

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Kernstück hier ist die Gemeinwohl-Bilanz, die Unternehmen neben der herkömmlichen Finanzbilanz erstellen und veröffentlichen. Anhand einer Matrix lässt sich das gesellschaftliche Engagement in Zahlen messen. Viest ist von dem Orientierungsrahmen fasziniert, der es ihm erlaubt sein Unternehmen in Punkto Gemeinwohl zu durchleuchten. 2013 veröffentlicht er die erste Bilanz, in der seine Agentur 369 von 1.000 möglichen Punkten erreicht. Demnach existiert viel Luft nach oben. Viest selber ist mit dem Ergebnis zufrieden, weil es den tatsächlichen Ist-Zustand abbildet und es ein guter Ausgangspunkt darstellt. Er möchte mit gutem Beispiel vorangehen und andere Unternehmer begeistern ebenfalls einen Gemeinwohl-Bericht zu erstellen. „Damit möchte ich zeigen, dass man mit Sinn arbeiten und dennoch Geld verdienen kann. Das eine schließt das andere nicht aus.“ Er selber bleibt aber mit beiden Beinen auf dem Boden. „Wir werden nicht alleine die Welt retten.“

Im nächsten Schritt heißt es eigene Baustellen zu bearbeiten. Jeder seiner Mitarbeiter hat dazu eine konkrete Aufgabe. Sie erarbeiten beispielsweise Listen von fairen Lieferanten, diskutieren ihre Arbeitsverträge und wie Überstunden künftig besser geregelt werden können. Zudem überlegen sie die Möglichkeit, eine gewisse Anzahl von Arbeitsstunden an gemeinnützige Organisationen zu verschenken. Das alles wird Geld kosten. Bislang hat Viest in etwa 30.000 Euro in sein Gemeinwohl-Engagement investiert. Der Unternehmer ist überzeugt, dass es sich auszahlen wird. Spätestens wenn es darum geht, qualifizierte Mitarbeiter zu gewinnen und zu halten. Ein hohes Gehalt als Sinnersatzprämie hat bei vielen ausgedient und sie verlangen nach gelebten Werten.

Hilfe bei der Kundenwahl

Künftig möchte Viest andere Unternehmen in Punkto Gemeinwohl-Ökonomie begleiten. Je mehr Firmen sich der Bewegung anschließen, umso leichter wird es zudem, passende Kunden und Partner zu finden. Die veröffentlichte Gemeinwohl-Bilanz zeigt Gemeinsamkeiten auf und verdeutlicht inwieweit Werte tatsächlich umgesetzt werden.

„Die Schwäche der Gemeinwohl-Ökonomie ist jedoch der hohe politische und gesellschaftsverändernde Anspruch, so sehr ich mit beidem sympathisiere“, gibt Viest zu bedenken. In seinen Augen existieren noch einige Missverständnisse, die verschreckend wirken können. „Es muss schon ein aufgeklärter und offener Unternehmer sein, der sich der Gemeinwohl-Ökonomie anschließt.“ Doch unter dem Strich überwiegen für Viest die Vorteile.

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6 Kommentare

  1. Sehr spannend! Muss ich gleich mal ein paar Kollegen empfehlen und selbst genauer studieren.

  2. Toll der traditionellen Volks- und Betriebwirtschaftslehre neue Aspekte entgegenzusetzen, absolut richtig und es freut mich, dass das immer konkreter wird und Verbreitung findet. „Ein hohes Gehalt als Sinnersatzprämie hat bei vielen ausgedient und sie verlangen nach gelebten Werten.“ – genauso empfinde ich das auch. Viele Grüße Ghislana

    • Hi Ghislana,

      ja, es gibt tatsächlich einige Unternehmen, die nicht nur umdenken, sondern auch schon anders handeln und sich um Gemeinwohl orientieren – auch wenn das meist zunächst mit Kosten verbunden ist. Im Grundgesetz Artikel 14 Absatz 2 steht: Eigentum verpflichtet. Sein Gebrauch soll zugleich dem Wohle der Allgemeinheit dienen. Manche nehmen dies ernst.

      Was es aus meiner Sicht noch braucht sind nachfragende Konsumenten. So etwa: Liebes Unternehmen du verkaufst tolle Produkte, aber zeig doch mal, was du für die Gesellschaft / und das Gemeinwohl tust. – Wir leben ja nicht jeder auf seiner eignen Insel, sondern sind eine Gemeinschaft.

  3. Pingback: Unsere Gemeinwohlbilanz jetzt zum download « themen <wert>statt – Der Social-Profit-Blog

  4. Danke fürs Erinnern an Felbers Gemeinwohlökonomie – das Buch wollte ich schon seit längerem lesen, nachdem mir seine früheren Werke wie „50 Vorschläge…“ sehr gut gefallen haben. Die Grundidee, dass Wirtschaft auch etwas fürs Gemeinwohl (jenseits von Steuern) beisteuern sollte, finde ich genau richtig!

    • Ich bin selber sehr gespannt darauf, in wie weit die Gemeinwohl-Ökonomie tatsächlich etwas bewegen kann. Die ersten Unternehmen haben sind ja ernsthaft aufgebrochen, doch noch herrscht das herkömliche Wirtschaftsystem vor. Die Gemeinwohl-Ökonomie-Unternehmen denken und handeln anders, stoßen dabei aber immer wieder an Systemgrenzen.

      Es klingt platt, aber gebraucht werden tatsächlich Konsumenten, die sich ebenfalls für das Gemeinwohl interessieren und dann auch Unternehmen bei ihrem Weg ein neues Wirtschaftsmodell zu etablieren unterstützen. Die Gemeinwohl-Ökonomie ist dabei wahrscheinlich erst der Anfang!

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