Hinter den Kulissen der heilen Bio-Welt

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Es geht auch anders

Keine Frage, der ökologischen Landwirtschaft gehört die Zukunft, alleine aus dem Grund, dass die industrielle Variante zu energieintensiv ist und damit auf Dauer nicht bestehen kann. Zudem gibt es etliche Biolandwirte, die vorbildlich wirtschaften und damit einen wertvollen Beitrag zum Gemeinwohl leisten. Dank zahlreicher Pioniere ist Bio in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Beste Vorraussetzungen, um gemeinsam den Gedanken an eine enkeltaugliche Lebensweise weiter zu entwickeln. Bio eingebettet in herkömmliche Wirtschaftsstrukturen ist kaum in der Lage, zum gesellschaftlichen Wandel und zur vollständigen ökologischen Wende beizutragen.

Die Alternativen sind ebenso vielfältig, wie kreativ wir sein können – denn auch abseits von klassischen Handelsstrukturen gibt es viele Wege: Neben dem Einkauf direkt im Hofladen eines Bauern, haben sich bereits vielerorts regionale Einkaufsgemeinschaften gebildet. Beim Modell der solidarischen Landwirtschaft stellt eine Gruppe von Menschen das Einkommen für einen Bauern, der seine Erzeugnisse danach kostenfrei an sie abgibt. In der Natur gedeihen etliche Tonnen Obst, die gratis gepflückt werden können und vielleicht entdeckt der eine oder andere seinen eigenen Garten wieder. Ausgerechnet der Lebensmittelhändler tegut, der selber Teil des Systems Supermarkt ist, ist mit seinen 13 Saisongärten in Hessen und Bayern aktiv.  Biolandwirte säen auf Parzellen aus, die Kunden direkt mieten. Sie pflegen und ernten dann ihr eigenes Gemüse. „Die Zukunft liegt in der kleinstrukturierten und regionalen Landwirtschaft. Auf den Weg dahin möchten wir Kunden und Bauern mit den Saisongärten begleiten“, erklärt tegut-Pressesprecherin Stella Kircher. „Wer seine eigenen Lebensmittel erntet, bekommt wieder einen Bezug zum Lebensmittel, der manchmal verloren gegangen ist.“ Das Unternehmen hofft zudem, dass Saisongärtner später auch im Handel zu Produkten abseits von irrationalen Schönheitsidealen greifen. Geschäftsführer Thomas Gutberlet beschreibt seine Aufgabe darüber hinaus damit, die Menschen mit guten Lebensmitteln zu versorgen und nicht Läden zu betreiben.

Neue Wege

Obwohl ich selber bereits seit langem konsequent Bioprodukte kaufe, dabei auch gerne zu regionalen Erzeugnissen greife und auch mit Ausnahmen auf die Saison achte, hinterlassen die Recherchen für diesen Beitrag einen fahlen Nachgeschmack. Auch ich möchte mir Gedanken machen, wie und wo ich künftig meine Lebensmittel beziehe, denn neuerdings beschert mir der Einkauf im Biosupermarkt ein mulmiges Gefühl.

Hinweis

Dieser Beitrag erschien erstmalig im Magazin raum & zeit Ausgabe 185 / 2013. Sie können die Original-Veröffentlichung auch direkt beim Verlag als PDF erwerben.

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