Den richtigen Journalismus fördern

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Wer ist meine Zielgruppe, wo erreiche ich sie und wie spreche ich sie an? Außerdem muss der finanzielle Bedarf genau kalkuliert werden, denn die Unterstützer erwarten am Ende ein brauchbares Ergebnis. Esser gibt jedoch den Tipp, die Summe so niedrig wie möglich anzusetzen, so dass man das Projekt noch hochwertig verwirklichen kann. Auch wenn es bereits vollständig finanziert ist, geben viele Menschen noch zusätzlich Geld, wie die beiden oben beschriebenen Beispiele zeigen. „Die Unterstützer möchten gerne Teil einer Erfolgsgeschichte sein.“ Projekte mit einem konkreten Produkt wie beispielsweise einem Buch haben es ein wenig leichter. Sobald klar ist, dass es Erscheinen wird, ist jede zusätzliche Unterstützung ein Vorverkauf. Fünf Prozent der Summe erhält Krautreporter als Provision, wenn ein Projekt erfolgreich ist. Die bislang dadurch eingenommenen etwa 6.000 decken gerade einmal zum Teil Essers Kosten.

Faktor Zeit

Auch der Zeitfaktor ist entscheidend, denn es gilt das Alles-oder-nichts-Prinzip. Wenn nicht die vollständige Summe eingeht, erhalten alle Unterstützer ihr Geld zurück. Wie lange ein Projekt auf Krautreporter aktiv ist, bestimmen die Journalisten selber. Dabei ist durchaus Fingerspitzengefühl gefragt: Ist der Zeitraum zu kurz, haben womöglich noch nicht alle potentiellen Unterstützer vom Projekt erfahren. Besonders, wenn sich die Informationen viral verbreiten, braucht es seine Zeit. Ist die Finanzierungsphase jedoch zu lange, nehmen sich Besucher der Internetseite manchmal vor, sich das Projekt später noch einmal anzuschauen und vergessen es dann. Gleich zu Beginn ist es häufig essentiell, das direkte Umfeld zu aktivieren, so dass schnell die ersten Gelder eingehen. Wenn sich wochenlang nichts bewegt, zweifeln viele schnell am Erfolg – was zu einer selbsterfüllenden Prophezeiung führen kann. Außerdem sollen ja auch die Projektstarter motiviert bleiben.

Mit Kopf und Herz

„Eine gute Idee zu haben reicht nicht, sondern sie muss so transportiert werden, dass sie die Menschen auch auf einer emotionalen Ebene erreicht“, sagt Esser mit Nachdruck. „Man muss bereit sein mit seiner ganzen Person für die Idee zu stehen. In einem Video muss man den Leuten ‚in die Augen schauen’ und erklären, warum das Projekt wichtig ist.“ Kurz gesagt: „Kopf und Herz müssen zusammen finden.“ Ohne emotionale Ansprache sei es schwer, Unterstützer zu gewinnen. Aus diesem Grund spielt das Video zum Projekt eine entscheidende Rolle. „Doch eben diese, emotionale Ebene vernachlässigen wir Journalisten in unserer täglichen Arbeit. Teilweise wurde und wird sie vielen abtrainiert“, gibt Esser zu bedenken.

In die meisten Projekte fließt viel Herzblut, denn aus gutem Grund setzen sich die Journalisten für ein bestimmtes Thema ein, möchten es unbedingt beackern und die Ergebnisse verfügbar machen. Obwohl persönliches Engagement und Leidenschaft treibende Faktoren sind, darf es keine Angst vor dem Scheitern geben. Dies ist zwangsläufig öffentlich einsehbar, wenn die Summe am Ende nicht vollständig ist. Egal wie das Vorhaben ausgeht, lernt man am meisten in der Praxis.

Crowdfunding als Starthilfe

Wie nachhaltig Crowdfunding ist, weiß auch Esser nicht. Sicherlich kann man nur wenige Male im Jahr eine Kampagne starten und für viele Journalisten sind die Honorare von Medienunternehmen noch die sichersten Einnahmen. „Es ist schon heute wichtig, für eine Zeit, in der es keine Verlage in der heutigen Form mehr gibt, über alternative Geldquellen nachzudenken. Selbst wenn dies noch lange hin sein sollte“, betont Esser. „Crowdfunding ist nicht der Stein der Weisen, aber immerhin kann es eine Grundlage sein Projekte zu starten.“

Falls Sie nun Lust bekommen haben, innovative journalistische Projekte zu fördern, stöbern Sie doch mal bei Krautreporter nach der passenden Idee.

In einem nächsten Beitrag gibt Daniel Höly Einblicke, wie es ihm gelang auf der Crowdfunding-Plattform Startnext über 7.000 Euro einzusammeln und damit die erste Ausgabe seines Printmagazins „Shift“ auf den Markt zu bringen.

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