Wenn die freie Presse mauert

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Nicht freigegeben

Das Autorisieren von Interviews spaltet die Branche. Die einen halten die Praxis für sinnvoll, andere für unnötig. Oft verlangen Interviewte, den Beitrag vor der Veröffentlichung noch einmal überprüfen zu können. Gerade bei komplizierten Sachverhalten kann es schnell zu Missverständnissen kommen. Allerdings nimmt manch einer mehr als nur ein paar kleine Korrekturen vor, sondern fügt ganze Sätze oder Passagen ein oder streicht definitiv gemachte Aussagen. Verfälscht beispielsweise der PR-Berater eines Politikers oder das Management eines Schauspielers ein Gespräch auf diese Weise, ist der Aufschrei mitunter groß. Ende August 2013 interviewte die taz Philipp Rösler unter anderem zu rassistischen Vorwürfen im Wahlkampf. Im Gespräch beantwortete der Politiker alle Fragen, doch den daraus entstandenen Text wollte die Pressestelle der FDP nicht freigeben. So veröffentlichte die taz alle Fragen jedoch ohne die Antworten, um auf die Praxis aufmerksam zu machen. Es entstand daraufhin eine hitzige Debatte bei den Lesern, besonders die Fragen an sich sind in den Augen einiger misslungen. Bereits zuvor hatte die taz und andere Medien auf die umstrittene Freigabepraxis in anderen Fällen aufmerksam gemacht.

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Bei aller Kritik: Manch ein Medienunternehmen ist jedoch selber kleinlich beim Autorisieren, wie Rademann aus eigener Erfahrung weiß. Hier ist die Praxis dann nicht mehr umstritten, sondern wird gefordert und gerne für die eigenen Zwecke genutzt. Mitunter versuchen die Presseabteilungen Textpassagen einzufügen, die ihre Investoren gerne lesen würden – auch wenn Rademann auf mangelnden Platz hinweist und die eingefügten Aussagen unpassend sind.

Sicherlich kann und sollte man nicht alle Medien über einen Kamm scheren. Doch bei manchem Streitgespräch über mangelnde Transparenz und Recherche-Hürden täte Demut einigen Verantwortlichen gut zu Gesicht stehen.

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Kategorie: die anderen, Medienalltag

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