Journalisten am Limit

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„Das permanente Arbeiten-Wollen war schon wie ein Drogenrausch. So wie andere Leute vielleicht Alkohol brauchen oder irgendetwas anderes brauchen habe ich halt die Arbeit gebraucht.“ Diese Sätze spreche ich im Spätsommer 2012 in meinem Wohnzimmer in die Fernsehkamera. Kollegen vom NDR drehen für das Medienmagazin Zapp den Beitrag „Journalisten am Limit“. Erstmals rede ich im Fernsehen über meine ehemalige Arbeitssucht.

Der Anruf kam überraschend und sofort machte mich die Vorwahl aus Hamburg neugierig. Es meldete sich Melanie Stein vom NDR. Sie recherchierte für einen Beitrag zum Thema Burnout bei Journalisten und war auf meinen Artikel „Und plötzlich ging das Licht aus“ gestoßen.

Wir redeten über eine Stunde, ich gab auf alle Fragen Antworten. Meine Erfahrungen sah ich damals schon lange nicht mehr als Makel an und so gab ich gerne Einblicke. Doch ein Fernsehteam in meiner Wohnung? Ich zögerte. Am Ende ist es Melanie Steins umgänglicher Art zu verdanken, dass ich doch noch zusagte. Wenige Wochen später veröffentlichte ich mein Buch „Einmal Hölle und zurück – Mein Weg aus dem Burnout in ein neues Leben“.

Auf Sendung

Mein Puls steigt augenblicklich als die Moderatorin Anfang März 2013 den Beitrag „Journalisten am Limit“ ankündigt. Auch ich sehe ihn zum ersten Mal und hoffe mich nicht blamiert zu haben. Doch es geht alles gut. Was bleibt ist die Hoffnung, meine Kollegen soweit es in der jeweiligen persönlichen Situation geht zum Umdenken bewegt zu haben.

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Oft sind es wirtschaftliche Zwänge, die zu ständigen Höchstleistungen antreiben. Vielmals reichen Honorare gerade so aus, um Recherchekosten zu decken und ein klein wenig zu verdienen. Daher müssen viele Kollegen etliche Aufträge abwickeln, um überhaupt über die Runden zu kommen. Allzu schnell findet man sich in einem Hamsterrad wieder. Wer dazu noch arbeitssüchtig ist, wie ich es war, hat gute Chancen auf einen Burnout oder Herzinfarkt.

Bleibt die Frage: Was können Journalisten, Medienschaffende und andere Berufstätige unternehmen, um mit Freude zu arbeiten und die Gesundheit zu erhalten?

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Kategorie: in eigener Sache

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