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Vom Interview zur Nachricht

Ein knapp 25minütiges Interview ergibt einen Beitrag von 4.080 Zeichen. Aha. Kann man daraus eine Formel ableiten? Vielleicht, aber das soll nicht das Thema sein. An dieser Stelle möchte ich Einblicke geben, wie der Beitrag „Damit Geld ankommt“ entstanden ist, wie lange ich an ihm gearbeitet habe und welche Informationen aus dem Interview mit Reinhold Hartmann einflossen. Dazu gebe ich den Mitschnitt in voller Länge frei. Zum Start von Trans!Charity [1] lud Reinhold Hartmann den gemeinnützigen Equilibrismus e. V. [2] dazu ein, sich auf seiner Internetplattform zu registrieren. Da ich den Verein in der Öffentlichkeitsarbeit unterstütze, landete die E-Mail schließlich bei mir. Damals stand der Startschuss für meinen Blog kurz bevor, Hartmanns Projekt fand ich interessant und so bat ich ihn um ein Interview, welches am 14. Juni stattfand. „Damit Geld ankommt“ [3] war einer der ersten im Blog veröffentlichten Beiträge.

Kurioses zu Beginn

Wer Telefonate und Gespräche ohne Einwilligung mitschneidet macht sich strafbar. Daher frage ich zu Beginn jeder Aufnahme, ob mein Gesprächspartner damit einverstanden ist. So auch Reinhold Hartmann. Doch in Wahrheit läuft die Aufnahme bereits. Auf diese Weise dokumentiere ich, dass er zu Beginn des Gesprächs von der Aufnahme wusste und er auch tatsächlich eingewilligt hat. So kann er im Nachhinein nichts Gegenteiliges behaupten. Hätte er verneint, hätte ich sofort die Aufnahme beendet und die bereits gespeicherten Daten gelöscht. Zudem weise ich Hartmann am Schluss unseres Gesprächs darauf hin, dass ich die Aufzeichnung beende.

Sortieren, Schreiben, Fakten überprüfen

Fast eine Stunde benötigte ich, um die Aufnahme zu hören, Zitate auszusuchen und nebenbei das Rechercheprotokoll auszufüllen. Hier vermerke ich, über welche Themen wir wann gesprochen haben. Zum Beispiel: „0:26 Beweggrund Trans!Charity zu gründen“. Verzichte ich auf diese Fleißarbeit, müsste ich immer die vollständige Aufnahme hören, um einzelne Informationen wieder zu finden.

Rund um Hartmanns Zitate entstanden bald die ersten Absätze, nachdem ich mich entschieden hatte, wie ich den Beitrag beginnen wollte. Manche Inhalte aus dem Interview verkürzte ich oder ließ sie ganz weg. Manche Informationen waren in meinen Augen für den Leser weniger relevant als andere. Eine Aufgabe von Journalisten ist es, Informationen zu sortieren und zu gewichten. Dabei sollte man auch auf den Lesefluss achten, denn lieblos aneinander gereihte Fakten sind öde. Geschickte Überleitungen und griffige Zwischenüberschriften erleichtern das Lesen ungemein.

Zudem stand noch ein Telefonat mit der Pressesprecherin von UNICEF Deutschland an. Bislang kannte ich den Vorfall in Gambia nur aus der Sicht von Reinhold Hartmann. Bevor ich eine solche Information veröffentliche, überprüfe ich sie. Und tatsächlich, der Vorfall wurde bestätigt, doch leider erreichte Hartmann die Antwort von UNICEF vor dem Löschen seiner Frage auf der Facebook-Seite von UNICEF Deutschland nicht mehr. Daher seine Aussage, er habe keine Stellungnahme erhalten. Dieses Missverständnis konnte ich mit meinem Beitrag aufklären. Ohne explizite Nachfrage wäre das nicht möglich gewesen.

Das vollständige Telefoninterview veröffentliche ich an dieser Stelle, damit Sie bei meiner Arbeit einmal „über die Schulter“ schauen können. Natürlich ist Reinhold Hartmann mit dem Veröffentlichen des Mitschnitts in voller Länge einverstanden. Da dies anfangs nicht geplant war, musste er mir das ausdrücklich genehmigen.

audio Interview mit Reinhold Hartmann kostenfrei herunterladen (mp3, 22,2 MB) [4]

Insgesamt habe ich von der ersten Interviewanfrage bis zur Veröffentlichung etwa drei bis vier Stunden an dem Beitrag gearbeitet.

Aus der Blechbüchse

Die Aufnahme klingt, als würde ich in eine Blechbüchse sprechen. Da ich mitgeschnittene Telefoninterviews bislang nur intern verwendet und ich demnach der einzige Hörer war, spielte die Tonqualität eine untergeordnete Rolle. Alexander von Ossowski hat sich mit seinem Tonstudio Igor Record [5] dem Problem angenommen und die Klangqualität so gut es das Ausgangsmaterial zuließ verbessert. Dafür vielen Dank!