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Selfpublisher Verband: Selbstverlegenden Autoren eine Stimme geben

Autoren, die ihre Bücher als Selfpublisher selbst verlegen, seien schon lange keine Autoren von der Resterampe mehr. Das Image habe sich komplett gewandelt, erklärt Matthias Matting, Gründungsmitglied und erster Vorsitzender des Selfpublisher Verbands. Warum deutsche Autoren eine weitere offizielle Interessenvertretung brauchen, erklärt er im Interview.

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Als „Außenminister“ des Selfpublishing Verbands ist Matthias Matting ein zentraler Ansprechpartner.
Bild: Jens Brehl – CC BY-NC-SA 4.0 [1]

Jens Brehl: Wie beurteilt die Buchbranche Autoren, die ihre Bücher selbst verlegen? Sind das Autoren von der Resterampe, die keinen Verlag für ihre Bücher gefunden haben?

Matthias Matting: Die Meinung hat sich diesbezüglich in der Branche um 180 Grad gedreht. Verlage sehen das Selfpublishing als willkommenes Mittel, erfolgreiche Autoren zu finden – schließlich gehen die Verleger ja keine Risiken mehr ein, wenn die Werke bei Amazon bereits in den Top Ten gelistet sind.

Auch Buchhändler erkennen zusehends mit Selfpublishern zusammenzuarbeiten zu müssen, wenn sie sich mit ihrem Sortiment abheben wollen. Schließlich freuen sich auch die Dienstleister über den wachsenden Markt.

Jens Brehl: Wie sind denn die Qualitätsunterschiede der einzelnen Werke von selbst verlegenden Autoren?

Matthias Matting: Es gibt große Unterschiede. Bücher, die den Ansprüchen der Leser nicht genügen, verschwinden bald im Bodensatz der diversen E-Book-Shops. Dafür sorgen auch schlechte Rezensionen. Ich behaupte aber, dass unter den 1.000 meist verkauften Bücher von Selfpublishern kein wirklich schlechtes Werk zu finden ist.

Selfpublisher: Verleger und Autor in Personalunion

Jens Brehl: Warum braucht es mit dem Selfpublisher Verband eine weitere Interessenvertretung deutscher Autoren?

Matthias Matting: Wir vertreten Autoren, die gleichzeitig auch Verleger sind. Deren speziellen Interessen werden in einem klassischen Autorenverband nicht berücksichtigt – es sind ja keine Verlegerverbände. Um diese Lücke zu schließen, haben wir im Frühjahr dieses Jahres den Selfpublisher Verband gegründet.

Jens Brehl: Was sind die Ziele des Verbands?

Matthias Matting: Wir möchten Selfpublishern bessere Bedingungen verschaffen, damit sie erfolgreich arbeiten können. So wird beispielsweise auf gedruckte Bücher eine Mehrwertsteuer von sieben und auf E-Books von 19 Prozent erhoben, auch sollen elektronische Bücher künftig mit Altersangaben versehen werden. Das wollen wir ändern beziehungsweise verhindern. Hierzu müssen wir eine Stimme in all den Gremien bekommen, die über solche Dinge entscheiden. Bislang gab es noch keinen zentralen Ansprechpartner zum Thema Selfpublishing und eben diesen Bedarf haben wir im Vorfeld gesehen. So zeigte sich der Börsenverein des deutschen Buchhandels sehr offen. In seinen Räumen haben wir unseren Verband auch gegründet.

Jens Brehl: Den Selfpublisher Verband gibt es erst seit wenigen Monaten. Können Sie sich überhaupt Gehör verschaffen?

Als junger Verband ist es durchaus realistisch, Zugang zu Gremien zu bekommen, wenn man präsent ist und eine gewisse Anzahl von Mitgliedern vereint. Mitte Oktober waren dies 120 Autoren und Autorinnen. Daher ist es auch entscheidend, weitere Mitglieder zu gewinnen.

Diese unterstützen wir auch dabei, professioneller arbeiten zu können, indem wir den Austausch untereinander fördern und gezielte Weiterbildungen anbieten. Bei Rechtsfragen hilft unser Justiziar weiter.

Jens Brehl: Die meisten Autoren schreiben ihre Bücher im sprichwörtlichen stillen Kämmerlein und schon der Begriff „Selbstverleger“ sagt aus, dass man sich um alles selbst kümmert. Sind Selfpublisher demnach nicht eher Einzelkämpfer?

Matthias Matting: Man kann einerseits ein Einzelkämpfer sein und sich andererseits auch in einer Gemeinschaft engagieren. Große Verlage arbeiten in Gruppen zusammen und so ähnlich funktioniert dies auch bei Autoren. Wer sich jedoch explizit als Einzelkämpfer sieht, wird keinem Verein beitreten. Das Bedürfnis sich in einem Verband wie dem unseren zu engagieren signalisiert den Wunsch nach entsprechendem Austausch.

Selfpublishing ist eher noch ein E-Book-Phänomen. Der E-Book-Markt wächst entgegen den offiziellen Meldungen schneller, als die Zahl der Autorin darin. Von Monat zu Monat bleibt für jeden Autoren theoretisch mehr übrig und daher gibt es auch keinen sachlichen Grund für Konkurrenzdenken. Es bietet sich eher die Chance, gemeinsam den Markt zu vergrößern. Ein einzelner Autor kann unmöglich so rasch neue Bücher herausbringen, um alleine den Bedarf der Leser egal welchen Genres zu decken.

Jens Brehl: Vielen Dank für das Gespräch.