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Schleichwerbung? Nein, Kunst!

Das erste WM-Spiel der deutschen Nationalmannschaft stand kurz bevor. Ein guter Zeitpunkt, um in der Wochenendausgabe der taz vom 14./15. Juni den Kader in Kurzportraits vorzustellen. Als Fotos der Spieler wählte die Redaktion Sammelbilder von Ferrero und druckte zudem die Quelle ebenfalls als Bild ab: Ein kleiner Haufen leerer Schokoriegel-Verpackungen. Schleichwerbung für Ferrero? Nein, es handelt sich um Kunst, denn die Ferrero-Bildchen sind ästhetisch als Müll inszeniert. Der verantwortliche Redakteur klärt auf:

WM Beilage taz Ferrero

So sieht sie aus, die Doppelseite über den deutschen Kader.
Bild: Jens Brehl – CC BY-NC-SA 4.0 [1]

„Selbstverständlich haben wir von Ferrero kein Geld bekommen. Wäre es uns angeboten worden, hätten wir es natürlich nicht genommen“, stellt Jan Feddersen [2], verantwortlicher Redakteur des WM-Teils der taz klar. „Die taz ist von Sponsoreneinflüssen unabhängig.“ Was auf den ersten Blick wie Schleichwerbung wirken kann, inszenierte Feddersen als Kunstaktion.

Moderne Pornografie und andere Symbole

Hinter dem Verwenden der Sammelbilder statt anderer Fotos der deutschen Spieler und dem Häufchen Verpackungsmüll verstecken sich mehrere Botschaften, die ich persönlich so nicht erkannt habe.

„Im Grunde ging es um Sex. Schauen Sie sich die Bilder genau an, das ist eigentlich moderne Pornografie“, erklärt Feddersen. Darüber hinaus möchte er mit den Sammelbildchen die „Schnipselhaftigkeit unserer Weltwahrnehmung“ aufzeigen. Die leeren Verpackungen seien „Symbole einer entleerten Welthaltung.“

Meine Nachfrage, ob es sich um eine versteckte Werbeaktion handelte, hinterließ bei Feddersen ein bitteres Gefühl. Sie veranschauliche, dass die Botschaften nicht bei mir und damit eventuell bei weiteren Lesern nicht ankamen. Mein Ansatz: Während die taz-Sportredaktion in der Vergangenheit Sponsorenlogos verpixelte, wunderte ich mich über die „Werbefläche“ für die Schokoriegel, deren Markennamen mehrfach deutlich sichtbar sind.