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Rainers Revolte

Zu den Spezialitäten des TV-Produzenten Rainer gehören erfolgreiche Shows wie „Hol dir das Superbaby“. Hier treten die Spermien dreier Männer gegeneinander an: Wessen Samen am agilsten ist, darf später einen Monat lang versuchen, die Kandidatin zu befruchten. Doch nach einem schweren Unfall möchte Rainer nur noch sinnvolle Fernsehinhalte produzieren und wird dafür von seinem Sender kaltgestellt. Rainers Revolte nimmt ihren Anfang.

Ein schlampig recherchierter Fernsehbeitrag zerstört im Film „Free Rainer – Dein Fernseher lügt“ den Ruf von Pegahs Großvater, der anschließend den Freitod wählt. Die junge Frau sinnt auf Rache und nimmt den verantwortlichen Produzenten Rainer ins Visier. Mit ihrem Jeep rammt sie mit voller Wucht Rainers Sportwagen. Dies ist der Weckruf für den TV-Produzenten. Um sein jahrelanges Fehlverhalten auszugleichen, möchte er in einem neuen Sendeformat mit dem Titel „Das sollten Sie wissen“ gesellschaftlich relevante Themen aufgreifen. „Kein Mensch ist so blöd wie die Shows, die wir produzieren!“ Doch erstmalig in seiner Fernsehkarriere scheitert sein Vorhaben. Nach dem ersten Sendetermin wird sein neues Format eingestellt.

FreeRainer_onlineDas Diktat der Einschaltquote

In der ersten Sendung erklären Experten, dass die PR-Agentur Hill & Knowlton Anfang der 90er Jahre Stimmung für einen Militäreinsatz der Amerikaner im vom Irak besetzen Kuwait machte. Hier bricht der Spielfilm aus dem fiktiven Szenario aus, denn diesen Vorfall gab es wirklich. Es war keine Krankenschwester, die der Öffentlichkeit erzählte, irakische Soldaten hätten in einem Kuwaiter Krankenhaus Babys aus den Inkubatoren genommen, um sie auf dem kalten Boden sterben lassen. In Wahrheit war die junge Frau die Tochter des Botschafters und die Geschichte ein reines Gespinst der PR-Agentur.

Dieses Ereignis wählt Rainer im fiktiven Film als Wahrheits-Bombe. Niemand hindert den Produzenten daran, dieses heiße Eisen anzufassen. Doch am Ende ist die Einschaltquote derart niedrig, dass nach der ersten Sendung Schluss ist. Nun interessiert sich Rainer dafür, wie die Einschaltquote ermittelt wird und wieder verlässt der Spielfilm die fiktive Welt, tauscht lediglich Namen und Bezeichnungen aus.

Die Revolte beginnt

Rainer erkennt, dass nur das Sehverhalten weniger Zuschauer tatsächlich erfasst wird. Der Rest ist eine Hochrechnung und kann als TV-Quote durchaus Hinweise liefern, welche Programme Zuschauer mögen. Doch leider wird – im Spielfilm wie in der Realität – diese Quote als feste Größe genommen. Sie entscheidet darüber, wie hoch die Preise für Werbespots sind und letzten Endes welche Inhalte gesendet werden. Damit ist sie ein machtvolles Instrument. Dabei kennt man lediglich die Sehgewohnheiten der etwa 11.500 repräsentativ ausgewählten Menschen. Theoretisch wäre es demnach möglich, dass der Rest der Bevölkerung andere Sendungen bevorzugt oder gar den Fernseher aus lauter Frust bereits entsorgt hat. Selbst das letzte Szenario wäre egal. Hauptsache die Quote und damit die erzielten Werbepreise halten das System auf dem Laufenden.

Mit Hilfe von Pegah und einer kleinen Gruppe Rebellen beginnt Rainer, die TV-Quoten zu manipulieren und löst damit eine Medienrevolution aus. Statt Trash und billige Unterhaltung geben Qualität und relevante Inhalte den Ton an. Eindeutiger Verlierer ist Rainers ehemaliger Arbeitgeber. Der private Fernsehsender hat zu lange Informationsmüll produziert, die Trendwende mag nicht gelingen. Doch der Widersacher kommt Rainers Plan auf die Schliche und schaltet den langen Arm des Gesetzes ein. Selbst der Politik ist der Sinneswandel mit der damit aus ihrer Sicht verbundenen Unruhe nicht geheuer.

Das stabilste System aller Zeiten

Rainers ehemaliger Vorgesetzter findet klare Worte: „Es können nicht immer alle oben stehen auf dem Siegertreppchen. Der Rest muss beschäftigt werden. Das geht nicht einfach so. Mit dem Fernsehen haben wir das stabilste System aller Zeiten ermöglicht – die Leute sind weg von der Straße und kommen auf keine dummen Gedanken mehr. Wir machen die Welt nicht kaputt, Rainer. Wir sind die Guten, wir bewahren sie.“ Während er ein Fernsehgerät streichelt meint er noch: „Die Leute gehen an die Arbeit und der Rest spielt sich hier in dieser Kiste ab.“

Regisseur Hans Weingartner („Die fetten Jahre sind vorbei“) lieferte mit „Free Rainer – Dein Fernseher lügt“ einen im hohen Maße idealistischen Film ab, der Realitäten überspitzt. Dennoch ist es verlockend sich auszumalen, wie Journalismus ohne den Druck der Einschaltquote, der meisten Klicks und der verkauften Auflage aussehen würde. Wäre eine Medienrevolution tatsächlich möglich?