Pressefreiheit? Doch nicht bei mir!

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Die Wahrheit wollen wir nicht!

Für ein bundesweites Magazin besuchte ich eine regelmäßig stattfindende Veranstaltung einer Organisation aus meiner Region, um darüber zu berichten. Damit alles wie immer abläuft, hatte ich mich zuvor nicht angemeldet. Als ich vor Ort eintraf, stellte ich mich bei dem Verantwortlichen vor, überreichte meine Visitenkarte und erklärte mein Anliegen.

Meine Fotoauswahl wollte ich abstimmen, um sicherzugehen, dass alle abgebildeten Personen mit einer Veröffentlichung einverstanden sind. Hier kam es zu einem Missverständnis, denn der Verantwortliche dachte, er könne auch den Text vorher einsehen. Dies forderte er dann auch gleich am nächsten Tag schriftlich ein. Ich erklärte zunächst schriftlich und danach telefonisch, dass dies unüblich ist, da die Presse frei berichte – was von meinem Gesprächspartner durchaus begrüßt wurde. Dennoch blieb er bei seiner Forderung.

In Absprache mit der Redaktion schickte ich schließlich den Text. Die Antwort: Der Bericht dürfe nicht veröffentlicht werden, da er weder neutral noch zutreffend sei. Tatsächlich gibt es im Bericht keinerlei Wertung, alleine das von mir Beobachtete gab ich wieder. Auf meine Rückfrage was unzutreffend sei, konnte man mir keine Antwort geben, denn: Die Fakten stimmen. Allerdings war man nicht damit einverstanden, dass die Öffentlichkeit davon erfährt – man wolle eben Diskussionen vermeiden. Auch meinem Hinweis, dass eben diese Diskussionen zum demokratischen Grundverständnis gehören und gerade Medien dazu anregen sollen, wurde voll zugestimmt. Dennoch gibt es für den Bericht keine Freigabe, dafür aber durch die Blumen einen Hinweis auf rechtliche Konsequenzen bei Zuwiderhandlung. Nun liegt es an meinem Auftraggeber zu entscheiden.

Pressefreiheit zulassen

In der Medienwelt liegt vieles im Argen und sie könnte auch öfter vor der eigenen Haustür kehren. Wer allerdings eine freie Presse fordert, muss auch mit einer freien Presse leben können. Wenn ich einem Journalisten vorschreibe, wie er über etwas zu berichten hat, ist dies das Gegenteil von frei. Das nennt man Beeinflussung. Eben das, was man den Medien ankreidet, schließlich lasse sie sich zu leicht beeinflussen. Daher sind bewegen sich einige mit mir geführten Diskussionen schon fast auf der Ebene der Satire.

Kritik und andere Meinungen muss derjenige zulassen, der sich Pressefreiheit wünscht. Wer „a“ sagt, muss eben auch „b“ sagen – dann darf man gerne mit Journalisten über die freie Presse debattieren.

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Kategorie: Medienalltag, meine Arbeit

Ein Kommentar

  1. Wäre ein feiner Zug, wenn jeder, der sich eine freie Presse wünscht, auch etwas dafür tun würde. Zum Beispiel den Freigeber unterstützen.

    Vielleicht solltest Du auf die Rückseite Deiner Visitenkarte Deine Kontoverbindung drucken – oder zumindest die Links zu Banner-/Spendenseite. Dann kannst Du damit argumentieren und gleich eine übergeben. Wobei Du Dich dann wohl auf eine andere Diskussion einstellen musst: über die „Zwangsgebühr“/formerly known as GEZ…

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