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Meine vielen Nebenjobs

Einige Menschen stellen sich meinen Arbeitsalltag wie folgt vor: Irgendwann am Vormittag stehe ich ausgeschlafen auf und frühstücke in aller Ruhe. Nachdem ich satt bin, setze ich mich gemütlich an den Computer, schreibe ein paar Zeilen. Schließlich ist so ein Artikel ja schnell getippt. Den verkaufe ich dann für viel Geld, so dass ich auch am nächsten Tag erst einmal ausschlafen kann. Der gestrige Montag beweist jedoch exemplarisch, dass ich ein wenig mehr zu tun habe. Okay, ich gebe zu, dass mir das frühe Aufstehen am Montag schwer fällt. Doch es nutzt nichts, schließlich warten einige Aufgaben auf mich. Auf manche freue ich mich schon, andere sind mir nicht gerade lästig, aber ich könnte gut auf sie verzichten.

An der Strippe

Ein Blick auf meine Wiedervorlagenliste verrät mir, dass zunächst einige Telefonate anstehen. Einer Tageszeitung hatte ich bereits vor drei Wochen einen Artikel geschickt, doch bislang habe ich nichts mehr gehört. Daher weiß ich nicht, ob er noch nicht erschienen ist, oder ob er schon im Blatt zu finden war, ich aber noch keine Abrechnung bekommen habe. Inhaltlich war der Beitrag bereits mit dem Ressortleiter abgesprochen und ich hatte auf seinen Wunsch noch eine Kleinigkeit im Text geändert. Ich erreiche den Ressortleiter, doch er ist im Stress, hat keinen Kopf für mich und meine Geschichte. Er bittet mich am nächsten Tag noch einmal anzurufen.

Nun wähle ich die Nummer von Magazin A. Hier hatte ich vor knapp 14 Tagen einen fertigen Artikel angeboten, man wollte ihn prüfen und sich in der vergangenen Woche bei mir melden. Auch hier habe ich nichts mehr gehört. Ich lande bei einer freundlichen Dame, der ich mein Anliegen erläutere. Meine Ansprechpartnerin, mit der ich vor zwei Wochen telefoniert und der ich den Artikel nebst Fotos geschickt habe, ist gerade im Haus unterwegs. Ich wünsche mir eine Antwort, damit ich bald weiß, wo ich den Beitrag veröffentlichen kann. Die freundliche Dame möchte meiner Ansprechpartnerin eine Nachricht zukommen lassen – sie würde sich dann bei mir melden.

Zeit für einen Anruf bei Magazin B. Der zuständige Redakteur hatte mir mitgeteilt, dass Anfang des Monats eine Redaktionskonferenz stattfinden würde. Daher hatte ich mich beeilt, rechtzeitig einen fertigen Beitrag abzugeben. Das Thema hatte ich im Vorfeld dem Redakteur gegenüber bereits erwähnt und er fand es interessant. Nun herrscht seit über zwei Wochen Funkstille, telefonisch konnte ich den Redakteur mehrfach nicht erreichen. Dafür aber gestern seinen Kollegen. Die anberaumte Redaktionskonferenz ist aufgrund von Urlaub auf Ende dieser Woche verschoben worden und mein Beitrag würde dann sicherlich besprochen werden. Zeit mir die Verzögerung mitzuteilen hatte wohl niemand, dabei hätte auch eine kurze E-Mail gereicht. Doch bin ich ein wenig beruhigt, denn ich dachte schon meinen Beitrag zu spät abgegeben zu haben.

Für eine Welt im Gleichgewicht

Die Anrufe bei Redaktionen fühlen sich bei mir fast immer wie Klinkenputzen an. Dabei muss ich mir bewusst machen, dass ich kein Bittsteller bin, sondern jemand, der ein interessantes Angebot unterbreitet.

Zunächst bin ich aber froh, das Thema wechseln zu können. Den gemeinnützigen Equilibrismus e. V. [1] unterstütze ich bereits seit Oktober 2011 in der Öffentlichkeitsarbeit. Die Vision, dass eine moderne Gesellschaft im Einklang mit der Natur existieren kann fasziniert mich, seitdem ich den ersten Equilibrismus-Roman „Das Tahiti-Projekt“ verschlungen hatte. Daher ist der Verein ein echter Traum-Auftraggeber.

In dieser Woche sind wieder ein paar Schreibarbeiten fällig, denn es entstehen derzeit neue Informationsmaterialien. Zuvor muss ich noch Notizen durchgehen, schauen wo es noch offene Fragen gibt und woher ich die Antworten bekomme. Danach verfasse ich einen weiteren Entwurf.

Am Ball für den Freigeber

Zwischendurch frage ich telefonisch zwei Interviews an und werde jeweils gebeten mein Anliegen zusätzlich per E-Mail zu schicken. Dieses Vorgehen ist durchaus üblich. Ich plane zwei Beiträge für diesen Blog, benötige zuvor jedoch noch einige Informationen. Da ich hoffe, dass die Interviews auch stattfinden, bereite ich alle Fragen vor, gehe im Geiste eine mögliche Gesprächsführung durch und prüfe noch einmal zum Schluss, ob ich auch an alles gedacht habe.

Außerdem muss ich ein Buch lesen, über das ich in den nächsten Tagen schreiben möchte. Ja, ich gehöre zu den Journalisten, die sich mit einem Werk auseinandersetzen und erst dann darüber berichten. Das kostet zwar ein paar Stunden, bringt aber auch eine bessere Qualität.

Ein neues Online-Format entsteht

Bereits seit Monaten habe ich die Idee für eine Mischung aus Blog und Online-Magazin. Ein Blogozine also. Wenn ich es umsetzen kann, soll dies noch bis Ende des Jahres passieren. Daher hatte ich am Freitag begonnen ein Konzept zu schreiben, zu überlegen für welche Zielgruppen es interessant ist, welche Themen wie und in welcher Rubrik behandelt werden sollen, wie der Name des Formats lauten könnte. Zudem muss ich festlegen, welche technischen Vorraussetzungen für die Internetseite erfüllt sein müssen.

Auch am Wochenende beschäftigte ich mich geistig mit dem Konzept, so dass ich am Montag meine aufgeschrieben Gedanken durchgehe. Exemplarisch habe ich einige Beiträge geplant, so als gäbe es das Blogozine schon. Ich möchte damit testen, ob die Themen zum Format passen und umgekehrt. Zudem überlege ich, wie ich die einzelnen Beiträge miteinander (thematisch) verknüpfen kann, so dass eine angenehme Leserführung zustande kommt.

Darüber hinaus beschäftige ich mich mit den möglichen Gründen, die gegen das Blogozine sprechen könnten. Daher schaue ich mir genau an, ob Kollegen und Medienunternehmen ähnliche Angebote haben. Ich entdecke weder im Internet noch in gedruckter Form mein Konzept, da es sich in meinen Augen deutlich genug unterscheidet. Nun spricht es nicht automatisch für den Start eines neuen Produkts oder Angebots, wenn es noch keines dieser Art auf dem Markt gibt. Es existiert ja auch keine Eissorte, die nach Schuhcreme schmeckt und das aus gutem Grund.

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist das Geld. Da ich im neuen Blogozine hochwertige Beiträge veröffentlichen möchte, muss ich meine Recherchen auch finanzieren können. Daher mache ich mir gleich zu Beginn Gedanken über mögliche Sponsoren. Ich schlüpfe in die Rolle des Kaufmannes und überlege, ob das gebotene Umfeld überhaupt für Werbekunden interessant ist. Ich bin mir sicher, dass es genug Unternehmen gibt, die auch etwas bewegen und fördern möchten und es liegt an mir, diese zu finden und für meine Idee zu begeistern. Dabei möchte ich meine Energie viel lieber in die Inhalte und Recherchen stecken. Doch die wirtschaftliche Seite muss ich dazu auch berücksichtigen.

Warum das alles?

Am Abend bin ich mit meinem Tagewerk einigermaßen zufrieden. Freier Journalist zu sein ist manchmal mühsam und es gibt durchaus undankbare Momente. Mich treibt jedoch die Freude an, meine Berufung zu leben und nicht nur einen Job erledigen zu müssen. Jeden Tag wachse ich an meinen Aufgaben und lerne neue Sichtweisen kennen.

Gerade durch das Schreiben des Konzepts für das Blogozine ergibt sich eine wichtige Gelegenheit, mich und meine Arbeit zu hinterfragen, zu reflektieren. Möchte ich das wirklich, passt das zu mir, ist mein Tun auch für meine Mitmenschen ein Gewinn?