Gleichgeschaltet? Nein, Pressemitteilung!

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Burhan Alchoufi ist angekommen: Vor vier Jahren aus Syrien geflüchtet, leitet er heute eine Apotheke in Neuhof bei Fulda. Über die Erfolgsgeschichte haben mehrere regionale Medien berichtet – und zwar im gleichen Wortlaut. Der Text ist eine Pressemitteilung des Landkreises Fulda und keiner der veröffentlichten Beiträge ist entsprechend gekennzeichnet. Dies stellt jedes Mal einen Verstoß gegen den Pressekodex dar.

Redaktionell unbearbeitet veröffentlichte Pressemitteilungen müssen als solche deklariert werden. Das legt zumindest der Pressekodex in Ziffer 1.3 fest.

Bei Osthessen News und Fuldainfo ist am Textende jeweils das Kürzel „pm“ zu finden, was wohl „Pressemitteilung“ bedeuten soll. „Vermutlich würde die Kennzeichnung ‚pm‘ nicht ausreichen, wenn sie von Autorenkürzeln nicht zu unterscheiden ist. Wir können aber nur vermuten, weil wir als Presserat immer nur an konkreten Fällen und meist nach einer Beratung im Beschwerdeausschuss entscheiden“, erklärte Sonja Volkmann-Schluck, Referentin für Öffentlichkeitsarbeit beim Deutschen Presserat.

Osthessen-Zeitung ging noch einen Schritt weiter und hat dem Text das Kürzel „oz/sm“ verpasst, was die Redakteurin Svenja Müller zur offiziellen Autorin macht.

„Der Artikel ist für die Kreisseiten im Marktkorb im Rahmen einer Serie über gelungene Integration entstanden“, erklärt Lisa Laibach von der Pressestelle des Landkreises Fulda. Als Pressemitteilung erreichten Text und Foto auch andere regionale Medien.

Hauptsache die Information stimmt?

Bereits seit Jahren hat sich in etlichen Medienunternehmen eingeschlichen, veröffentlichte Pressemitteilungen nicht zu kennzeichnen und damit regelmäßig gegen den Pressekodex zu verstoßen. Ein Teil der Leser geht sicher davon aus, dass die Beiträge Journalisten geschrieben haben.

Ein entsprechendes Unrechtsbewusstsein ist kaum vorhanden, ebenso ist es schwer, von Verantwortlichen offizielle Stellungnahmen zu bekommen. Hauptsache die Information stimmt, die Quelle ist dem Leser egal ist eine von mehreren Meinungen zum Thema.

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2 Kommentare

  1. Um Gottes Willen! Nicht egal! Kennzeichnen! Gilt auch für einzelne Passagen. Und auch für vertonte Pressemitteilungen:
    https://www.fair-radio.net/2009/11/04/djv-warnt-vor-themendiensten/
    +
    https://www.fair-radio.net/2009/06/15/vorsicht-vor-der-bequemlichkeit/

  2. So etwas MUSS definitiv gekennzeichnet werden. Für Anzeigen per Social Media gibt es ja erfreulicherweise inzwischen auch einige ziemlich klare Vorgaben. Sieht allerdings so aus, als würden darüber die „alten“ Medien komplett vergessen.

    Was mich noch interessieren würde: Gibt es denn auch positive Beispiele? Also Zeitungen oder andere Medien, die so etwas grundsätzlich und deutlich kennzeichnen?

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