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Generation N braucht dringend Abonnenten

Vor gut einem Jahr erschien in Österreich die erste Ausgabe von „Generation N“, einem unabhängigen Magazin über Nintendo-Konsolen und deren Spiele. Während sich Verlage aus dem Bereich zurückzogen und ihre Print-Titel vom Markt nahmen, startete der Student Lukas Bydlinski seinen Ein-Mann-Verlag. Der erste Jahrgang ist komplett, doch die finanzielle Lage angespannt. Nun hofft der ambitionierte Herausgeber genügend Abonnenten zu finden.

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Der erste Jahrgang von „Generation N“ – finden sich genügend Abonnenten, gibt es einen zweiten.
Bild: Jens Brehl – CC BY-NC-SA 4.0 [2]

Im Januar 1993 kam der heute 27jährige Informatik-Student in Kontakt mit Videospielen, als er von seinen Eltern seine erste Nintendo-Konsole geschenkt bekam. Klassische Jump ’n’ runs à la „Mario“ und „Mega Man“ faszinierten ihn besonders. Vor zwei Jahren schloss er sein Germanistik-Studium mit einer Magisterarbeit über Erzähltechniken in Videospielen ab.

Nächste Station: ein eigenes Magazin – „Generation N“ entsteht

„Das journalistische Schreiben über Videospiele hat mir immer großen Spaß gemacht, wobei von Anfang an Nintendo mein Spezialgebiet ist“, sagt Bydlinski. Für das Online-Magazin „Nintendofans“ [3] verfasste er zunächst als Hobby-Schreiber unentgeltlich Spieleberichte.

Eine Aussicht auf eine Praktikumsstelle mit anschließender Übernahme in die Redaktion hatte er 2013 bei der österreichischen Zeitschrift „consol.AT“. Doch der Verlag meldete Insolvenz [4] an und seine Titel verschwanden vom Markt. „Aktuell gibt es nicht mehr so viele Nintendo-Magazine wie früher“, bedauert Bydlinski. „Jedes Magazin hatte seinen eigenen Stil. Doch viele Leser verzichten auf Zeitschriften, weil sie viele Informationen gratis im Internet finden. Hier möchte ich entgegenwirken, denn ein gedrucktes Heft in den Händen zu halten ist ein anderes Lese-Erlebnis, als immer vor einem Bildschirm sitzen zu müssen.“

Während sich etablierte Verlage zurückzogen, preschte der junge Mann nach vorne. Er erarbeitete das Heftkonzept für sein eigenes Magazin und brachte sich im Sommer 2014 selbst das Layouten bei. Sämtliche Heftinhalte, wie die ausführlichen Spieletests stammen aus seiner Feder. Auch sein Informatikstudium lief ungebremst weiter. „Es gab so manche durchgearbeitete Nacht“, sagt er lachend. Alleine der Testbericht von „Hyrule Warriors“ in der ersten Ausgabe verschlang über 100 Stunden Spielzeit. „Ich spiele für einen Artikel so lange wie möglich, damit ich tief greifend berichten kann. Manche Spiele entfalten ihren Charme erst mit der Zeit.“

Im September erschien die erste Ausgabe mit einer Auflage von 1.000 Heften für den österreichischen Zeitschriftenhandel und einigen Dutzend Exemplaren für Einzel- und Nachbestellungen.

Das Beste aus allen Nintendo-Zeiten – inklusive Geheimtipps

„Generation N“ widmet sich älteren wie auch aktuellen Spielen und eröffnet damit neue Horizonte. So bringt das Magazin Videospiel-Neulingen auch Klassiker näher. Zudem möchte der Herausgeber eingefleischten Retro-Spielern zeigen, dass heutzutage nicht nur Abklatsch erscheint. Somit vereint das Magazin das Beste aus allen Nintendo-Zeiten inklusive echten Geheimtipps.

Bei Spieletests verzichtet Bydlinski bewusst darauf, mittels Noten zu bewerten. Er entschied sich für eine Fazitleiste, in der er die besonderen Merkmale der Spieletitel hervorheben kann. Die Texte selber sind auf einem hohen Niveau, was man von einem Nintendo-Fachmann auch erwarten kann.

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Lukas Bydlinski hofft sein Herzensprojekt weiterführen zu können.

Abonnenten sollen Zukunft sichern

Allerdings waren die Verkaufszahlen des ersten Jahrgangs alles andere als berauschend. Bei einer Auflage von 1.000 Heften für den Zeitschriftenhandel gab es immer wieder Verkaufsstellen, die kaum oder gar keine Exemplare erhielten. Das Magazin selber ist den meisten unbekannt. Zeit und vor allem Geld für eine höhere Auflage oder ausgefeilte Marketing-Kampagnen fehlten von Anfang an. Die wenigen Werbekunden spülten kaum Geld in die klamme Kasse. Insgesamt hat der Herausgeber einen Jahresverlust von 10.000 bis 12.000 Euro angehäuft – viel Geld für einen Studenten.

Finanziell ist das Magazin auf dem bisherigen Weg nicht zu stemmen. Die siebte Ausgabe sollte Anfang September erscheinen, aber das war nicht mehr möglich. Neuer Termin ist der 10. Oktober – wenn sich bis dahin genug Abonnenten finden. Der Versand beschränkt sich nicht auf Österreich, sondern ist europaweit möglich. Auch eine Rückkehr in den Zeitschriftenhandel ist das Ziel. Die Auflage deutlich zu verringern würde die Druckkosten für das einzelne Exemplar verteuern.

„‚Generation N’ ist ein Projekt, welches ich unbedingt verwirklichen wollte. Wenn es nicht klappt, dann habe ich es wenigstens versucht. Derzeit zeichnet sich nicht ab, dass ein neues Nintendo-Magazin in Österreich erscheint.“ Bydlinski hofft inständig, sein Projekt weiterführen zu können. Rückhalt geben ihm dabei Stammleser und neue Abonnenten.

Für Leser außerhalb Österreichs kostet das Jahres-Abonnement von sechs Ausgaben je nach gewählter Versandart 48 oder 54 Euro und kann unkompliziert abgeschlossen [5] werden. Sollten sich nicht genügend Unterstützer finden und das Magazin in seiner jetzigen Form nicht mehr erscheinen können, so werden alle gezahlten Beträge vollständig erstattet.

Es wäre schade, wenn auch „Generation N“ die Segel streichen müsste, denn der verlegerische Mut und das investierte Herzblut verdienen es belohnt zu werden.