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Gemeinsame PR-Aktion von Medienmagazin journalist und Bayer

Mitte September veranstaltete das Magazin journalist mit der Bayer AG als gemeinsame PR-Aktion einen Workshop zum Thema „Landwirtschaft von morgen“. Brisant: journalist ist das Mitgliedermagazin des Deutschen Journalisten-Verbands (DJV), welches in seinem Auftrag der New Business Verlag produziert. Solch eine extreme Nähe eines Mediums zur Wirtschaft ist stets kritisch zu betrachten. Auch für Kajo Döhring, Bundesvorsitzenden des DJV, war eindeutig eine Grenze überschritten.

Der Stein des Anstoßes.
Bild: Jens Brehl – CC BY-NC-SA 4.0 [1]

„Eine Veranstaltung in der Form wird es nicht wieder geben“, erklärte Döhring dem Freigeber auf Nachfrage. Zuvor hatte ich einen kritischen Leserbrief an das Magazin geschickt, der erst im zweiten Anlauf veröffentlicht wurde. Das Schreiben hatte ich auch an den DJV und meinen hessischen Landesverband weitergeleitet. Schriftlich antwortete Döhring damals: „In der Sache bestätige ich gerne, dass der DJV-Bundesvorstand mit dem Verlag einig ist, dass der von Ihnen beschriebene Eindruck zu großer Nähe und fehlender Unabhängigkeit bei der Durchführung von Workshops unbedingt vermieden werden muss.“

Der New Business Verlag verantwortet journalist seit einem Jahr. Bislang sei der DJV mit der Zusammenarbeit sehr zufrieden, die PR-Aktion mit Bayer werte man als einmaligen Ausrutscher.

Was an der gemeinsamen PR-Aktion falsch war

Mein kritischer Leserbrief, veröffentlicht in Ausgabe 10/2017.
Bild: Jens Brehl – CC BY-NC-SA 4.0 [1]

Jedes Medium sollte bemüht sein, soweit wie möglich seine Unabhängigkeit und die damit verbundene Glaubwürdigkeit zu bewahren. Es ist legitim, dass die Bayer AG einen Workshop über die Landwirtschaft der Zukunft anbietet und dort ihre Interessen vertritt. Klar ist jedoch, dass in solch einem Fall die dargestellten Sichtweisen entsprechend einseitig sind. Die Bayer AG steht für industrielle Landwirtschaft, ist Hersteller von chemischen Pflanzenschutzmitteln und greift nach dem Gen-Konzern Monsanto. Im eigenen Workshop wird die ökologische Landwirtschaft und deren Verzicht auf Bayer-Produkte wohl kaum vorkommen.

Niemand hätte sich auch daran gestört, wenn Bayer den Workshop alleinig veranstaltet und lediglich im journalist via Anzeige beworben hätte.

Wäre es dem Magazin wiederum daran gelegen, Journalisten einen umfassenden Einstieg in die Thematik rund um die Frage wie wir die Weltbevölkerung künftig ernähren zu ermöglichen, hätte der Verlag eine eigene und unabhängige Veranstaltung durchführen müssen. Dann hätten neben der Bayer AG auch weitere Vertreter den Diskurs offener und mit unterschiedlichen Sichtweisen gestaltet. Wie ich es in meinem Leserbrief schrieb, lässt sich gut darüber streiten, ob industrielle Landwirtschaft in extremster Form, Gentechnik und der damit verbundene massive Einsatz von Pestiziden nicht eher wertvollen Ackerboden nachhaltig vergiften und somit die Ernährung der Weltbevölkerung langfristig gefährden.

Durch das gemeinsame Durchführen hat der journalist inhaltlich einer Seite den Vorzug gegeben – und dass ausgerechnet das Magazin einer Journalistengewerkschaft gemeinsame PR betreibt hat mehr als nur ein Geschmäckle. Leider konnte ich aus zeitlichen Gründen am Workshop nicht teilnehmen, denn gerne hätte ich mir zusätzlich ein Bild vor Ort gemacht.

Gekaufte Journalisten und „Lügenpresse“

[2]Solche gemeinsamen PR-Aktionen wie im Falle von journalist und Bayer sind Wind auf die Mühlen der Diskussionen über gekaufte Journalisten und der so genannten „Lügenpresse“. Als Mosaik-Stein untergrub auch der Workshop das Vertrauen in die Medien.

Diesem Themenfeld mit vielen positiven Beispielen wie Journalismus gestaltet werden kann, widme ich mich in meinem aktuellen Buch „Zwischen ‚Lügenpresse‘ und konstruktivem Journalismus“ [2].

Nachtrag 08.11.2018: Aufgrund zu wenigen Anmeldungen fand der PR-Workshop nicht statt. Die Kritik von zu großer Nähe zu einem Industrieunternehmen bleibt aber bestehen.