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Dokumentation über kanadischen Teersandabbau braucht Euch

Der Teersandabbau in Kanada ist die schmutzigste Art Öl zu gewinnen. Rund um die Stadt Fort McMurray mitten im Hauptabbaugebiet sind die Umweltschäden katastrophal, doch Kanadas Traum zur Energie-Supermacht aufzusteigen scheint stärker zu sein. Kanada-Liebhaber, Umweltaktivist und Schauspieler Andreas Hoppe, bekannt als Kommissar Mario Kopper aus dem SWR-Tatort, plant eine Fernsehdokumentation mit dem Arbeitstitel „Durch die Hölle ins Paradies“ über die Auswirkungen des Teersandabbaus. Zusammen mit dem Journalisten Konstantin Muffert sammelt er dazu auf der Spendenplattform Startnext Geld. 

zwei Orcas, British Columbia, Kanada

Zwei direkt Betroffene: Orcas in British Columbia.
Bild: Hermann Meuter – http://www.forwhales.org – CC BY-NC-ND 3.0 [1]

Zu den ganzen Umweltproblematiken kommt eine geplante Pipeline. Wird sie errichtet würden etwa 200 Öltanker pro Jahr von der Stadt Kitimat aus Richtung Pazifik fahren. Dabei müssen die Schiffe durch die enge Wasserstraße Douglas Channel. Als Hoppe und Muffert von den Plänen erfahren, ist der Entschluss eine Dokumentation zu drehen schnell gefasst. Da alle Menschen auf dem gleichen Planeten leben, wirkt sich der Teersandabbau auch auf uns aus. „Was nutzen deutsche Klimaziele, wenn schmutziges Öl aus Kanada in unseren Tanks landet“, fragt sich Muffert.

Er kennt die Bilder rund um Fort McMurray in der Provinz Alberta. „Es sieht apokalyptisch aus, wie auf einem anderen Planeten und nicht wie Kanada.“ Um das Öl vom Sand zu trennen, werden große Mengen Wasser benötigt. Giftwasserseen sind die Folge. „Da ist im Grunde genommen alles tot. Jedes Stück Natur, jedes Leben ist nachhaltig vernichtet“, führt Muffert weiter aus.

Thema ist zu komplex, oder doch nicht?

Die TV-Erfahrenen gehen zunächst den klassischen Weg, um die Dokumentation zu verwirklichen. Eine etablierte Produktionsfirma schreibt das Konzept und bietet es mehreren öffentlich-rechtlichen Fernsehsendern an. Die erfolgten Absagen verblüfften dann doch. „Das Thema sei zu komplex, der durchschnittliche Zuschauer würde es nicht verstehen.“ Das Team rund um Andreas Hoppe ist anderer Meinung. „Wir möchten keine Fernsehsender verurteilen das Thema links liegen zu lassen“, betont Muffert. Schließlich sei in der Vergangenheit über den Teersandabbau berichtet worden. „Uns geht es jedoch speziell darum, die Zusammenhänge zu zeigen, wie sich der Abbau auf die Ureinwohner auswirkt und auch den Bezug zu Europa herzustellen. Schließlich wird auf EU-Ebene ein Importverbot des schmutzigen Öls diskutiert.“

Was Ihr tun könnt

Damit „Durch die Hölle ins Paradies“ dennoch gedreht werden kann, sammelt das Team auf Startnext Spenden. Insgeamt 85.000 Euro sollen bis zum 29. Oktober 2013 eingegangen sein. „Keiner von uns verdient an diesem Projekt, sondern wir wollen lediglich unsere Kosten decken“, erklärt Muffert. Die ersten kleinen Spenden sind bereits eingegangen. „Es ist schön zu sehen, dass sich Menschen für unser Thema interessieren.“ Wem es ebenso ergeht, kann sich umfassend informieren und sich gerne einbringen: Mit einem (kleinen) finanziellen Beitrag und indem er weitere Menschen aufmerksam macht.

„Durch die Hölle ins Paradies“ ist eines von vielen spannenden Projekten, an die etablierte Medienunternehmen zunächst nicht glauben wollen. Doch das Nutzerverhalten ändert sich und viele Menschen wünschen sich andere Inhalte in Zeitungen, Magazinen, Internetauftritten, Radio und Fernsehen als derzeit geboten werden. Auch der Medienbranche im Allgemeinen ist klar, dass sie neue Wege gehen muss. Sie tut sich damit aber manchmal noch ein wenig schwer.

Ergänzung 30.12.2013: Das Projekt bei Startnext ist leider gescheitert. Andreas Hoppe und Konstantin Muffert sind weiter am Thema dran und konnten weitere Unterstützer gewinnen [2].