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DGB demonstrierte vor den Toren der Fuldaer Zeitung

Vergangenen Donnerstag hatte der DGB-Kreisverband Fulda zu einem Protestzug und anschließender Demonstration vor den Toren der Fuldaer Zeitung aufgerufen. Der Gewerkschaftsbund kritisiert die einseitige Berichterstattung bezüglich des Mindestlohns als „Bürokratiemonster“ und mahnt die nicht gekennzeichnete Medienpartnerschaft des Blattes mit der „Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft“ an.

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Schweigend zogen die Demonstranten zum Verlagsgebäude der Fuldaer Zeitung.
Bild: Jens Brehl – CC BY-NC-SA 4.0 [1]

Man sei es gewohnt, dass gewerkschaftliche Aktivitäten keinen Einzug in die Berichte der Fuldaer Zeitung finden, sagte Rolf Müller, Vorstandsmitglied des DGB Kreisverbands, vor den Toren der Fuldaer Zeitung. Diese sei vielmehr „das Sprachrohr der Selbstzufriedenheit der angeblichen Wohlfühlregion.“ Seit der Einstellung der Fuldaer Volkszeitung 1974 lebten die Fuldaer ohne wirklich unabhängige Tagespresse. Müller machte deutlich, dass er nicht die Presse im Allgemeinen kritisiert.

Undurchsichtige Medienpartnerschaft mit der „Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft“

Stein des Anstoßes ist die als einseitige angesehene Berichterstattung rund um das Thema Mindestlohn, welcher in den Artikeln der Zeitung regelmäßig als „Bürokratiemonster“ Arbeitsplätze gefährde oder gar vernichte. Zu Wort kämen allerdings nur Gegner des Mindestlohns, Stimmen von Befürwortern suche man vergebens.

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Rolf Müller übte große Kritik vor kleinem Publikum.
Bild: Jens Brehl – CC BY-NC-SA 4.0 [1]

„Wir sind es gewöhnt, in regelmäßigen Abständen die kruden Ansichten ewig gestriger Firmenpatriarchen der ‚Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft’ [2] im Rahmen der bestehenden Medienpartnerschaft in der Fuldaer Zeitung ohne Kennzeichnung, dafür aber als angebliche geistigen Ergüsse des jeweiligen Redakteurs zu lesen.“ Die Fuldaer Zeitung müsse mehr dafür tun, die Medienpartnerschaft zu kennzeichnen, damit auch Leser die Hintergründe der Berichte einsortieren könnten.

Die arbeitgebernahe Initiative ist als Denkfabrik eine klassische Lobbyorganisation, die durch Öffentlichkeits- und speziell Pressearbeit marktliberale Reformen anstoßen möchte. Müller führte während der Kundgebung Artikelbeispiele an, anhand derer er die einseitige Berichterstattung darlegte. Sporadisch unterbrochen wurde er von kurzem Applaus oder durch vereinzelte zustimmende Pfiffe.

Die Fuldaer Zeitung sei allerdings aus Sicht des DGB schlecht beraten, ihre bisherige Veröffentlichungspraxis beizubehalten. Müller empfiehlt, nicht weiter große Teile der osthessischen Bevölkerung in der Berichterstattung auszublenden und hofft, mit Aktionen wie die Kundgebung zu einem Wandel im Hause Parzeller, in dem die Fuldaer Zeitung erscheint, beitragen zu können – denn: „Eine bessere Zeitung für Fulda würde alle gesellschaftlichen Gruppen entsprechend abbilden.“

Das Tor blieb geschlossen

Mit einer Reaktion aus dem Hause Parzeller hatte er nicht gerechnet. „Es gehört zum Spiel, dass das Tor heute hier geschlossen ist“, sagte er im ruhigen Ton. Man wisse, dass Mitarbeiter der Fuldaer Zeitung angewiesen wären, sich während der Kundgebung nicht in der Nähe des Tores aufzuhalten. Lediglich drei Mitarbeiter eines privaten Sicherheitsdienstes waren zu sehen, die den Eingang zum Firmengebäude bewachten.

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Mini-Demonstration vor dem verschlossenen Tor.
Bild: Jens Brehl – CC BY-NC-SA 4.0 [1]

Laut Veranstalter waren 150 Teilnehmer dem Aufruf zur Kundgebung gefolgt, realistischer sind allerdings 50 Demonstranten. Es habe keine gedruckten Flyer oder ähnliches gegeben, lediglich eine Einladung per E-Mail wurde an Interessenten verschickt. „Obwohl wir zwar nicht die erhoffte Teilnehmerzahl erreicht haben, bewerte ich unsere Aktion dennoch positiv, denn wir haben heute ein Signal gesetzt“, sagte Müller abschließend.