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Der Freigeber entdeckt Linux

Schon lange habe ich ein ehrgeiziges Ziel: Soweit wie möglich möchte ich in meinem Medienbüro ausschließlich mit dem alternativen Betriebssystem Linux arbeiten. In der letzten Woche habe ich die ersten konkreten Schritte unternommen und Linux Mint installiert, wobei ich erste Hürden überwinden musste.

Vor nunmehr vier Jahren enthüllte Edward Snowden die Spionagepraxis des amerikanischen Geheimdienstes NSA. Spätestens seitdem war mein Interesse an Verschlüsselung und dem alternativen Betriebssystem Linux geweckt, welches mich nicht mehr ausspioniert. Endlich folgten konkrete Schritte.

Linux Mint installiert

Als Windows-Umsteiger bietet sich Linux Mint [1] besonders an, da die Oberfläche recht leicht zu verstehen und nahezu intuitiv zu bedienen ist. Dank eines Youtube-Videos [2] war es kein Problem, einen bootfähigen USB-Stick für die Installation zu erstellen. Danach fingen die „Schwierigkeiten“ an.

In weiser Voraussicht hatte ich mich im Fuldaer Hackerspace Magrathea Laboratories e.V. [3] mit Linux-Experten verabredet, die mir während der Installation über die Schulter schauen sollten. Tatsächlich war es doch nicht so einfach, Linux zum Starten zu überreden. Daher mein Tipp: Immer jemanden suchen, der sich auskennt und bei Fragen zur Seite steht. Mein Erstkontakt mit Linux wäre auf mich alleine gestellt frustrierend gewesen. Dickes Dankeschön an meine Helfer!

Aber Achtung: Nicht jede Laptop-Marke unterstützt Linux gleich gut. So fehlen bei einem Modell schon einmal entsprechende Treiber, so dass zwar das alternative Betriebssystem läuft, aber das Touchpad nicht mehr funktioniert. Bestens geeignet sind Lenovo ThinkPads.

Alternative Programme finden

Derzeit richte ich meinen Linux-Laptop weiter ein und installiere die von mir benötigten Programme. Anders als bei Windows muss ich sie mir nicht im Internet zusammensuchen und herunterladen, sondern nutze dazu einen speziellen Bereich, der an einen App-Store erinnert. Leider finde ich hier aber nicht alle Programme, sondern muss sie manuell mittels Kommandozeile installieren.

Da ich schon Firefox, Libre Office, VLC Media Player, Audacity und Thunderbird unter Windows nutze, muss ich mich in keinem Punkt umstellen. Ursprünglich sind es nämlich Programme für Linux bzw. es gibt Versionen für das alternative Betriebssystem. Allerdings muss ich von Adobe Photoshop Abschied nehmen und mich mit Gimp auseinandersetzen, um Bilder bearbeiten zu können. Zudem ist mir noch unklar, wie ich PDF-Dateien unter Linux bequem erstelle und bearbeite.

Die Lernkurve sei am Anfang recht steil, meinte auch mein Installations-Helfer im Hackerspace. Tatsächlich muss ich mich jetzt mit Kommandozeilen und dergleichen beschäftigen. Zunächst dachte ich, kryptischen Fehlermeldungen zusammen mit Windows den Rücken gekehrt zu haben, aber sie begegnen mir auch bei Linux. Hmpf.

Es gibt aber auch Lichtblicke: Den Laserdrucker zu installieren war ein Kinderspiel. Ich musste lediglich Linux sagen, unter welchem Anschluss er zu finden ist, das Betriebssystem fand den richtigen Treiber und kurz darauf spuckte der Drucker auch schon die Testseite aus. In solchen Momenten muss ich immer an das A-Team denken: „Ich liebe es, wenn ein Plan funktioniert.“

Einerseits bin ich froh, mein jahrelanges Vorhaben endlich angegangen zu sein. Allerdings merke ich erst jetzt, wie anspruchsvoll es ist. Vor allem, da das Tagesgeschäft ungerührt weiterläuft. Im Grunde gibt es einen Großteil meiner Bücher [4], weil ich auch einfach mal loslege, anstatt weiter zu grübeln.

Weitere Fortschritte in Sachen Verschlüsselung

In einem offenen Brief an Edward Snowden [5] entschuldigte ich mich dafür, meine Daten und Kommunikation immer noch nicht besser zu schützen. Allerdings nutze ich nun schon seit Monaten nicht mehr Skype, sondern setze auf die verschlüsselten Messenger „Threema“ und „Signal“. Mit der Installation von Linux ist nun auch meine Festplatte verschlüsselt und das gleiche soll so bald wie möglich bei meinen E-Mails folgen.