Vertuschter Sex-Skandal im Weißen Haus

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Zwei Wochen vor der Wahl wird dem US-Präsidenten vorgeworfen, er hätte ein minderjähriges Mädchen sexuell belästigt. Seine Wiederwahl ist in ernster Gefahr, denn der Vorfall wird publik. Kein Problem für den gewieften PR-Berater Conrad Brean, auch bekannt als „Mr. Alleskleber“. Gerüchte über einen neuen Tarnkappenbomber und ein inszenierter Krieg sollen die Medien ablenken und den Präsidenten in eine weitere Amtszeit hieven.

Conrad Brean lässt sich angesichts des Sex-Skandals kurz vor der Wahl nicht aus der Ruhe bringen, wie wir im Spielfilm „Wag the dog – Wenn der Hund mit dem Schwanz wedelt“ erleben. Für Brean ist es grundsätzlich egal, ob die Geschichte stimmt oder nicht. Sobald sie in der Zeitung steht, ist sie es für die Mediennutzer auf jeden Fall. Mit einigem Geschick, kreativem Denken, etwas Geld und guten Kontakte gelingt es Brean die Medien zu manipulieren. Schon bald interessiert sich kaum jemand für den Sex-Skandal.

Neuer Tarnkappenbomber und ein kleiner Krieg

Um Zeit zu gewinnen, streut Brean das Gerücht vom neuen B-3 Tarnkappenbomber, nur um es durch Dementis weiter anheizen zu können. Doch diese Fassade wird keine zwei Wochen halten. Daher entwirft der Stratege ein größeres Ablenkungsmanöver: einen Krieg.

Da es tatsächlich äußerst kostspielig ist einen bewaffneten Konflikt auszutragen, beauftragt Brean einen Hollywood-Produzenten. Dieser stellt mit seinem Team täuschend echt wirkendes Filmmaterial vom „Krisenherd“ für die Fernsehnachrichten her. Das Motto, ein eigener Song und Werbeartikel sind ebenso schnell kreiert. Selbst der Präsident hilft tatkräftig mit und mobilisiert einen Teil der Streitkräfte für den „Einsatz“. Das Problem mit dem fehlenden Feind ist auch bald gelöst: Albanien wird der mediale Krieg erklärt. Warum? Weil kaum ein Amerikaner das Land kennt.

Manipulation der Medien

Wag the dog

Nach diesem Film werden Sie die Fernsehnachrichten mit anderen Augen sehen.

„Wag the dog“ ist eine rabenschwarze Komödie, bei der dem Zuschauer das Lachen mitunter im Halse stecken bleibt. Zudem werden Erinnerungen an Präsident Bill Clinton wach, der während einer Anhörung zu seiner Affäre mit Monica Lewinsky den Irak bombardieren ließ. Kritische Stimmen werteten dies damals als Ablenkungsmanöver für die Medien.

Obwohl der Film bereits 1997 erschien, führt er uns auch heute vor Augen, wie leicht sich Medien manipulieren lassen. Besonders, wenn sie auf der Jagd nach aktuellen Sensationen sind, Recherchen nicht mehr stattfinden und daher ungeprüft Informationen übernommen werden. Mag der Film auch in den Vereinigten Staaten spielen und damit die US-Medien aufs Korn nehmen, so lassen sich auch hierzulande durch gewisse Mechanismen die Medien instrumentalisieren. Ab einem gewissen Punkt setzt oft der Herdentrieb bei einem Thema ein, so dass alle darüber berichten wollen. Auch, wenn man nichts Berichtenswertes zu bieten hat.

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Doch jede verbreitete Information wird doch sicherlich geprüft, oder? „Der deutsche Journalismus ist gezeichnet von einer dramatischen Recherchearmut“, sagte Dr. Tobias Eberwein, Geschäftsführer der Initiative Nachrichtenaufklärung (INA), im Beitrag „Auf einem Auge blind“. Daher heißt es als Journalist und auch als Mediennutzer kritisch bleiben und hinterfragen.

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Kategorie: Augen & Ohren, Medienalltag

Ein Kommentar

  1. Sehr spannendes Thema, weil leider viele Menschen die Mainstream-Nachrichten (und vor allem deren Auswahl) als einzige Informationsquelle nutzen.

    Wie es aktuell um die Denke von Journalisten bestellt ist, hat sich der Hamburger Autor Dirk C. Fleck gefragt – und dazu etlichen Journalisten auf den Zahn gefühlt:

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