Vernünftige Antworten auf vermeintlich dumme Leserfragen geben

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Eine Eilmeldung der Presseagentur dpa rauscht durch die Medienlandschaft und zahlreiche Zeitungen übernehmen den Text. Manch ein Leser möchte mit seiner Frage, ob alle Medien „gleichgeschaltet“ sind provozieren, manche sind ehrlich verwundert. Nun könne man in den Kommentarspalten wie bei der Welt seitens der Redakton mit bissigem Humor antworten, doch dies sei laut Michael Würz vom Zollern-Alb-Kurier mitunter fatal, wie er in einem Workshop auf dem diesjährigen Frankfurter Tag des Onlinejournalismus sagte.

Bisher unveröffentlicht: Auch der Freigeber (rechts) stellt dumme Fragen.
Bild: Arnulf Müller

Klar, die Antwort Bundeskanzlerin Angela Merkel habe morgens alle Redaktionen angerufen und diesen Text bestellt, ist witzig. Vielleicht trifft sie auch den Humor des Kommentarschreibers und entlarvt eventuell seinen provokanten Ansatz. Doch was ist mit den vielen Mitlesern? Fühlen sie sich nicht ernst genommen oder gar veräppelt?

Journalisten sollten lieber erklären statt verspotten

Für einige Leser ist es sicherlich verwunderlich, wenn unterschiedliche Medien im einheitlichen Wortlaut exakt das Gleiche vermelden. Der Eindruck von mangelnder Vielfalt festigt sich schnell. Natürlich erkennen Medienschaffende sofort, dass es sich um eine Agenturmeldung handelt, die übernommen wurde. Doch wir können nicht von jedem Leser verlangen, dass er genau weiß, wie Medien arbeiten.

Anstatt mit flotten Sprüchen auf vermeintlich dumme Fragen zu antworten, ist erklären angesagt. Und zwar ehrlich und nicht von oben herab. Natürlich können manche Leserkommentare nerven, besonders, wenn sie die eigene Agenda und das Weltbild anzweifeln. Eine essentielle Kernaufgabe von Journalisten ist das Stellen von unbequemen Fragen. Doch sie selbst reagieren darauf mitunter allergisch.

Wo zum Henker ist die Digitalanzeige?

In Punkto „dumme Fragen“ erdet mich folgendes persönliches Erlebnis. Für den Artikel „Kriegen wir das gebacken?“ arbeitete ich eine Woche lang als Praktikant in der antonius Bäckerei. Eine meiner zahlreichen Aufgaben war recht simpel, denn ich sollte Teigklumpen abwiegen. Aber wie soll das ohne Digitalanzeige funktionieren? Natürlich war ausgerechnet an dem Tag auch der Fotograf Arnulf Müller anwesend und hielt meine etwas hilflose Situation bildlich fest. Vielen Dank nochmals!

Bäckermeister Manfred Heil erklärte mir mit einem Lächeln im Gesicht geduldig, wie eine analoge Waage funktioniert. Außerhalb des gewohnten Berufsumfeldes können wir alle viele vermeintlich dumme Fragen stellen und zum Glück gibt es Menschen, die sie uns ehrlich beantworten.

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Kategorie: Medienalltag

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