Und darum geht es mit dem Journalismus bergab!?

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Den Austausch mit Kollegen im Rahmen von Veranstaltungen und Seminaren schätze ich sehr. Hier erhalte ich Einblicke in fremde Arbeitsalltage und neue Sichtweisen bringen mich immer wieder auf Ideen. Allerdings kommt es häufig vor, dass mich Erzählungen meiner Kollegen auch demotivieren.

Womit gewinnt und hält eine Zeitung Leser? Natürlich durch spannende Beiträge, die auch die Lebenswirklichkeiten der Leserschaft berühren. Doch vielerorts bröckeln die Auflagenhöhen und oftmals sind die Probleme hausgemacht. Sie erinnern mich an einen Wirt, der aufgrund von wenigen Gästen immer billigere Lebensmittel oder gar Fertiggerichte einkauft und gelernte Köche durch Laien ersetzt. Mit der Qualität der Mahlzeiten geht es dadurch noch weiter bergab, was sicherlich keine neuen Gäste anlocken wird. Warum denken dann manche Verleger, sie könnten mit ihrer Praxis erfolgreich sein?

Zum Abschreiben verdammt

So berichtete mir ein Kollege von seiner ehemaligen Stelle bei einer lokalen Tageszeitung. Zum Schluss arbeitete er praktisch nur noch vom Schreibtisch aus und sollte so wenige Außentermine wie möglich wahrnehmen. Dabei lebt der Lokaljournalismus von Kontakten und der Recherche vor Ort. Am Ende wurde der Kollege gar angewiesen, Texte von anderen Medien oder aus dem Internet umzuformulieren – ob diese stimmen, kann ohne eigene Recherche nicht geprüft werden. Mit dieser Arbeitsweise war er allerdings nicht einverstanden, seine Stelle hat mittlerweile eine ungelernte Kraft übernommen. Qualitativ hochwertige Beiträge dürfen Leser nicht erwarten, geschweige denn eine ordentliche Recherche. Aus meiner Sicht sägt die Zeitung den Ast ab, auf dem sie sitzt.

Das Honorar tut uns Leid

Ein anderer Kollege arbeitete jahrelang bei Nachrichtenagenturen und wollte aufgrund eines Umzugs den Arbeitgeber wechseln. Beim Bewerbungsgespräch entschuldigte sich der Personalverantwortliche, bevor er das gebotene Honorar nannte. Es war ihm zu Recht peinlich. Ebenso gut hätte man dem Bewerber auch eine Ohrfeige geben können.

Gerade in Zeiten, in denen Mediennutzer Berichte und deren Entstehungsweisen hinterfragen, sollten Qualität und Transparenz an erster Stelle stehen.

Eigene journalistische Projekte starten

Natürlich biete ich nur einen kleinen Ausschnitt und es gibt Verlage und Magazine, bei denen Journalisten für ihre Arbeit gerecht entlohnt werden. Man muss diese manchmal allerdings erst einmal finden und eine gute Ausbildung oder jahrelange Erfahrung sind keine Garanten.

Bei mir wirken solche Gespräche oft tagelang nach. Kann ich mit qualitativ hochwertigem Journalismus auch künftig meinen Lebensunterhalt verdienen? Sollte ich meine Blogs aufgeben und stattdessen Aufträge in der PR suchen? Doch die Leidenschaft für meinen Beruf lässt mich weiterhin am Ball bleiben.

Nach einer gewissen Zeit gelingt es mir, aus meinen Fragen und Grübeleien auch Kraft zu schöpfen, um eigene journalistische Projekte zu starten und weiter voranzutreiben. Der technische Aufwand für eigene Blogs und E-Books sind überschaubar, wir können sie selbst vermarkten und sind demnach auf keine Verleger angewiesen. Natürlich erwartet uns auch hier harte Arbeit, denn gebratene Tauben schwirren noch nicht in der Luft herum. Die in eigenen Projekten gewonnenen Erfahrungen sind zudem wertvoll und wir können sie bei bezahlten Aufträgen einbringen.

Ob es mit dem Journalismus auf breiter Ebene komplett bergab geht, sehe ich nur in besonders (und zum Glück) kurzen demotivierten Phasen. Viel zu oft erfahre ich von interessanten und wegweisenden Medienprojekten, von denen ich einige in meinem Blog vorstelle.

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Kategorie: Medienalltag, meine Arbeit

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