Schleichwerbung? Nein, Kunst!

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Das erste WM-Spiel der deutschen Nationalmannschaft stand kurz bevor. Ein guter Zeitpunkt, um in der Wochenendausgabe der taz vom 14./15. Juni den Kader in Kurzportraits vorzustellen. Als Fotos der Spieler wählte die Redaktion Sammelbilder von Ferrero und druckte zudem die Quelle ebenfalls als Bild ab: Ein kleiner Haufen leerer Schokoriegel-Verpackungen. Schleichwerbung für Ferrero? Nein, es handelt sich um Kunst, denn die Ferrero-Bildchen sind ästhetisch als Müll inszeniert. Der verantwortliche Redakteur klärt auf:

WM Beilage taz Ferrero

So sieht sie aus, die Doppelseite über den deutschen Kader.
Bild: Jens Brehl – CC BY-NC-SA 4.0

„Selbstverständlich haben wir von Ferrero kein Geld bekommen. Wäre es uns angeboten worden, hätten wir es natürlich nicht genommen“, stellt Jan Feddersen, verantwortlicher Redakteur des WM-Teils der taz klar. „Die taz ist von Sponsoreneinflüssen unabhängig.“ Was auf den ersten Blick wie Schleichwerbung wirken kann, inszenierte Feddersen als Kunstaktion.

Moderne Pornografie und andere Symbole

Hinter dem Verwenden der Sammelbilder statt anderer Fotos der deutschen Spieler und dem Häufchen Verpackungsmüll verstecken sich mehrere Botschaften, die ich persönlich so nicht erkannt habe.

„Im Grunde ging es um Sex. Schauen Sie sich die Bilder genau an, das ist eigentlich moderne Pornografie“, erklärt Feddersen. Darüber hinaus möchte er mit den Sammelbildchen die „Schnipselhaftigkeit unserer Weltwahrnehmung“ aufzeigen. Die leeren Verpackungen seien „Symbole einer entleerten Welthaltung.“

Meine Nachfrage, ob es sich um eine versteckte Werbeaktion handelte, hinterließ bei Feddersen ein bitteres Gefühl. Sie veranschauliche, dass die Botschaften nicht bei mir und damit eventuell bei weiteren Lesern nicht ankamen. Mein Ansatz: Während die taz-Sportredaktion in der Vergangenheit Sponsorenlogos verpixelte, wunderte ich mich über die „Werbefläche“ für die Schokoriegel, deren Markennamen mehrfach deutlich sichtbar sind.

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Kategorie: Medienalltag | Schlagwörter:

5 Kommentare

  1. Letztendlich, werter Herr Brehl, haben Sie die entsprechenden Zitate doch nur veröffentlicht, um unauffällig die Schlagworte „Sex“ und „Porno“ auf Ihrer Seite unterzubringen. Da schießen doch die Google-Treffer nach oben, habe ich recht?!

    Ich zumindest habe beim Anblick dieser Doppelseite mit den groß präsentierten Sportlerporträts SOFORT an die zunehmend entleerte Welthaltung unserer modernen Gesellschaft gedacht.

    …und vielleicht auch ein wenig daran, dass ich jetzt Hunger auf Schokolade hätte…

    MFG

  2. Ich kann entwarnen: Die Worte „Sex“ und „Porno“ sind deswegen im Beitrag genannt, weil Herr Feddersen mir unter anderem mit diesen Begriffen die angestrebte Symbolhaftigkeit erklärt hat. Hätte ich dies nicht erwähnt, hätte ich willkürlich einen Teil seiner Erklärung unter den Tisch fallen lassen.

    Die Google-Treffer gingen auch nicht nach oben, denn die Schlagworte sind nur ein einziges Mal im Blog vertreten. Wer nach „Porno“ sucht, wird garantiert auf anderen Seiten landen. Warum sollte ich auch Besucher auf meinen Blog locken, die ein anderes Angebot suchen? Ich möchte keine schnellen Klicks, sondern lieber Leser.

    Mein Ansatz war, wie im Beitrag erwähnt, erfahren zu wollen, warum derart prominent die Markennamen von Schokoriegeln platziert wurden. Gerade weil die taz-Redaktion im Sportteil sogar eine zeitlang Sponsorenlogos komplett verpixelt hat.

    • Ich hoffe du hast meinen Text nun nicht ernst genommen?
      Also auch an deine Leser: Mein Kommentar war natürlich ironisch gemeint. Du hast deinen Ansatz mehr als verständlich rüber gebracht.

      .. wobei ich meine Theorie nun nicht schlecht fand. ;)

      Mit den besten Grüßen

      • Nun, es ist ja eine berechtigte Frage, ob ich diverse Schlagwörter nur in die Überschriften / Texte einbaue, um Suchmaschinentreffer zu bekommen.

  3. Selbst das würde für Top-Platzierungen nicht ausreichen, lieber Jens. Schließlich geht es auch um ein passendes Themenumfeld. Es müssten also ähnliche Artikel/Inhalte vorhanden und gefragt sein. Wer nur attraktive/passende Inhalte vortäuscht und eine hohe Absprungrate, also nur sehr kurze Besuche, hat, wird ebenfalls weiter unten platziert. Außerdem heißt es ja „Freigeber“ und nicht „Freileger“. ;-)

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