Saufen für den Journalismus

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Es muss nicht immer der Regenwald sein, den man mit seinem Alkoholkonsum retten kann. Das funktioniert ebenso mit dem Journalismus: Medienunternehmen finanzieren sich zu einem Teil mit dem Verkauf von meist hochwertigen Weinen – wie auch die taz. Doch die ist noch einen Schritt weiter gegangen und bietet seit Kurzem mit Panterbräu ein eigenes Bier an. Wie es dazu kam, erklärt Chefredakteur Andreas Rüttenauer und exklusiv für den Freigeber hat Bier-Sommelier Andreas Seufert Panterbräu verkostet.

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Wohl bekomms!
Bild: taz

Alles begann mit einem Scherz, mit im wahrsten Sinne des Wortes bierernsten Folgen. Während einer Blattkritik stellte taz-Chefredakteur Andreas Rüttenauer mit Erschrecken fest, dass genau an diesem Tag zum letzten Mal die Bierkolumne erschien. „Das können wir nur wieder gut machen, wenn wir unser eigenes Bier brauen“, sagte er damals scherzhaft in die Runde. Keine Stunde später fragte ihn die Marketingabteilung, ob man das Projekt in Angriff nehmen wolle. „Das war dann der Startschuss für Panterbräu“, erklärt er lachend.

Panterbräu: Bier vom Hinterhof

Das eigene Bier muss auch zur Zeitung passen. Daher sollte es handwerklich gebraut werden, süffig sein, einen besonderen Charakter haben und seine Zutaten aus ökologischer Landwirtschaft stammen. Zudem kam von Anfang an nur ein Rotbier infrage, als „rotes Lager für das rote Lager“.

Die Besucher des taz.lab 2015 konnten schließlich drei handwerklich gebraute Biere blind verkosten und danach abstimmen. Als Gewinner ging Christoph Flessa hervor. Seit September 2012 wirkt er in einem Hinterhof in Friedrichshain, dem Sitz von Flessa Bräu. Gebraut wird extrem handwerklich in einem 500-Liter-Kessel, sogar die Flaschen etikettieren seine zwei Mitarbeiter von Hand. Pro Monat entstehen so insgesamt 40 Hektoliter Bier – darunter nun auch Panterbräu.

Handwerklich und geschmacklich sind alle Vorgaben erfüllt, doch lediglich der Hopfen für Panterbräu stammt aus ökologischem Anbau und nicht das Malz. „Bio ist das Ziel, aber besonders für kleine Hersteller ist es schwierig, alle Produkte bio-zertifiziert herzustellen“, sagt Rüttenauer. „Mit jedem weiteren Schritt mit dem auch die Nachfrage nach Panterbräu wächst, müssen wir uns weitere Gedanken machen, damit unser Bier auch komplett ökologisch hergestellt wird.“

Bei erhöhter Nachfrage sei es auch möglich, in guter Absprache mit Christoph Flessa Panterbräu in Lizenz in einer größeren Brauerei herzustellen. In diesem Punkt berät Uwe Lübbermann, bekannt durch Premium-Cola, die taz.

Noch gibt es Panterbräu lediglich direkt im Berliner taz Café zu kaufen, doch künftig sollen sich weitere Vertriebswege öffnen. Auch im hauseigenen Internetshop soll es bald zu erwerben sein.

Feinporiger Schaum mit einem Hauch von Aprikose

Andreas Seufert, Bier-Sommelier und Inhaber von Pax Bräu, hat Panterbräu exklusiv für den Freigeber verkostet:

„Schenk ich mir das taz.panterbräu Rotes Lager ins Glas, gefällt mir zunächst der feinporige Schaum, der mir in Verbindung mit seinem dezenten Knistern über seine lange Haltbarkeit Auskunft gibt. Die leuchtend-kupferne Farbe passt absolut zum Thema ‚Red Lager’. Am Geruch mag ich die Brot- und Karamellnoten, die von einem Hauch Aprikose unterstrichen werden.

Der Antrunk wirkt wider Erwarten relativ schlank und trocken. Hierbei versteht es der Körper, mit seiner malzig, nussigen Art, unterstützt von einer leichten Säure, sich in den Abgang hinein durchzusetzen. Der Abgang klingt dann lang anhaltend wohlig-malzig aus. Die Bitterkeit hält insgesamt die Malzsüße stets in Zaum, ohne dabei zu arg zu dominieren. Für meinen Geschmack könnte sie jedoch etwas schneller abklingen. Mein Fazit: Saubere handwerkliche Braukunst aus Berlin!“

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Ein Kommentar

  1. Auch ich durfte das Panterbräu außerhalb Berlins probieren. Habe natürlich nicht die Expertise wie Andreas Seufert. Möchte jedoch betonen, dass auch ich es als ordenliches Bier genossen habe, hätte jedoch von einem von taz-Lesern ausgewählten Bräu etwas Ausgefalleneres „erhopft“.

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