Meine tägliche Wahl zwischen Pest und Cholera

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Enkeltaugliche Lebens- und Wirtschaftsweisen sollen mir und meinen Enkeln (und darüber hinaus) eine intakte und gesunde Welt hinterlassen. „Der Freigeber“ ist ein enkeltauglicher Medienblog und auch wie bei meiner weiteren journalistischen Arbeit setze ich ökologische Schwerpunkte. Ich möchte nicht nur über sozio-ökologische Alternativen und den gesellschaftlichen Wandel berichten, sondern selber vom Wissen ins Handeln kommen. Doch leider muss ich mich dabei noch viel zu oft zwischen Pest und Cholera entscheiden.

Seit über zwei Jahren kaufe ich konsequent Bio-Lebensmittel ein, wobei ich in den letzten Monaten verstärkt den Fokus auf regionale Produkte gesetzt habe. Darüber hinaus möchte ich meinen Bedarf nicht nur im Supermarkt decken, sondern öfter direkt beim Bio-Landwirt in meiner Nachbarschaft. Auch mit meinem Medienbüro mache ich mir mehr als nur Gedanken.

Echter Ökostrom fließt in meinem Büro und meiner Wohnung durch die Leitungen und auch meine Internetseiten betreibe ich damit. Eines meiner Markenzeichen ist es, dass ich nahezu jedes Stück Papier von beiden Seiten beschrifte. Fast alles kann und muss als Notizzettel herhalten und auch bereits gebrauchte Briefumschläge schicke ich erneut auf Reisen. Lediglich die Briefmarken müssen erneuert werden. Etliche meiner Büromöbel sind gebraucht, ein Regal sogar vom Sperrmüll – warum neu kaufen, wenn es doch schon so vieles bereits gibt? Meist nutze ich öffentliche Verkehrsmittel, ein eigenes Auto besitze ich nicht. Meine Konten führe ich bei Nachhaltigkeitsbanken.

Ich, der unfreiwillige Umweltverschmutzer

Dennoch bin ich täglich gezwungen die Umwelt massiv zu schädigen und Unternehmen zu fördern, die manchmal unter menschenunwürdigen Bedingungen produzieren und gerne auch mal den Firmensitz in einem Steuerparadies anmelden. Mein Laserdrucker nutzt giftigen Toner und auch die geplante Obsoleszenz, also das frühzeitige Verschleißen von Geräten, ist ein echtes Problem. Wir verschwenden dadurch unvorstellbare Mengen an Ressourcen und hinterlassen auch noch giftige Altlasten für die nächsten Generationen. Kurz nach Ablauf der Garantie ging der Drucker kaputt und funktioniert lediglich noch im Schwarz-Weiß-Modus. Keine 20.000 Ausdrucke konnte das moderne Gerät stemmen. Das Problem kennen etliche Kunden, wie ich im Internet lesen konnte. Nun möchte ich das Gerät auch nicht verschrotten, denn immerhin druckt es ja noch in Graustufen.

Dagegen ein Ur-Altdrucker aus dem Jahr 1996, den ich bereits gebraucht erstanden habe. Der funktioniert immer noch einwandfrei, doch auch er braucht giftigen Toner. Ebenso bin ich auf Computer angewiesen, die nur schwer recycelt werden können, weil sie giftige Chemikalien enthalten. Auch wie es dem chinesischen Arbeiter geht, der mein ebenfalls gebraucht erstandenes Mobiltelefon zusammengebaut hat, kann ich nicht nachvollziehen. Ich hoffe vielleicht vergebens, dass er in keinem Ausbeuterbetrieb tätig ist und noch lange gesund bleibt. „Naiv, naiv“, werden jetzt einige Leser den Kopf schütteln.

Das schlimme: Egal von welchem Hersteller ich Drucker, Computer, Telefone und Kameras kaufe, ist es das gleiche. Es fühlt sich oft so an, als müsste ich mich zwischen Pest und Cholera entscheiden. Der Markt ist meist unter wenigen Konzernen aufgeteilt. Wechsle ich beispielsweise unzufrieden mit meinem Drucker von Hersteller A zu Hersteller B, tut dies gleichzeitig ein anderer Kunde. Nur greift dieser statt zu den Produkten von Hersteller B, zu denen von A. Die Marktanteile der einzelnen Konzerne ändern sich nur marginal. Das zu wissen frustriert mich manchmal.

Ich bin davon überzeugt, dass eine moderne Gesellschaft im Einklang mit der Natur existieren kann. Daher liebe ich es, mich mit Visionen und konkreten Projekten zu beschäftigen. Einige meiner journalistischen Arbeiten hierzu können Sie ab sofort in diesem Blog entdecken. Wie wäre beispielsweise eine Welt ohne Abfall? Einen Überblick über meine aktuellen Artikel in Printmedien finden Sie hier.

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Kategorie: meine Arbeit

Ein Kommentar

  1. Gut, wenn man auch immer mal durch ältere Beiträge dieses Blogs „blättert“. Dabei ist mir eingefallen, dass ich diesen Link noch genau hier teilen wollte: http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/stiftung-warentest-findet-keine-belege-fuer-geplanten-produkttod-a-919246.html

    Die Überschrift – „Warentester finden keine Belege für geplanten Produkttod“ – ist allerdings wenig hilfreich. Denn später heißt es dann doch: „Die Tester kommen zu dem Schluss, dass der Verschleiß zumindest bewusst in Kauf genommen wird.“

    Als Beispiel für häufigen Austausch durch den Nutzer dient das Handy/Smartphone. Spannend ist dazu diese Entwicklung: http://neuerdings.com/2013/09/11/phonebloks-concept/

    Dumm nur, dass eines für geplante Obsoleszenz und gegen nachhaltige Smartphones spricht: der Zwang zum ständigen Wirtschaftswachstum.

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