Mein Gott, es ist doch nicht alles gelogen!

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„Zwischen ‚Lügenpresse‘ und konstruktivem Journalismus“ heißt nicht nur mein neues Buch, sondern beschreibt das Spannungsfeld, in welchem ich mich täglich bewege. Neben Vorwürfen wie ich könnte angesichts fehlender Pressefreiheit nicht frei arbeiten, gibt es etliche Medienprojekte, die neue und vor allem auch konstruktive Wege gehen. Nun möchte ich erklären, warum ich mein Buch überhaupt geschrieben habe.

Interessiert schaute ich dem Handwerker in meiner Wohnung über die Schulter, während er sich freute, so unkompliziert einen Termin gefunden zu haben. Wie aus der Pistole geschossen, erklärte ich als freiberuflicher Journalist zu arbeiten und biss mir sogleich auf die Zunge. Das sollte doch ein Geheimnis bleiben. Der Handwerker drehte sich um und schaute mir in die Augen. „Dann gehören Sie ja auch zu denen“, wobei er „denen“ besonders betonte. Es war schon wieder passiert.

Schnell war klar, dass ich in seinen Augen zu den Menschen im Lande gehöre, die Nachrichten manipulieren und folglich nicht die Wahrheit berichten. Stichwort „Lügenpresse“. Ich liebe meinen Beruf von ganzem Herzen. Doch anders als früher, erzähle ich neuen Bekanntschaften nicht sofort, was ich arbeite. Zu oft folgen Vorwürfe wie: „Alles ist gekauft.“ „Du kannst doch gar nicht frei berichten, weil es in Deutschland keine Pressefreiheit gibt.“ Nicht immer habe ich die Kraft für derartige Diskussionen und gehe ihnen lieber aus dem Weg. Doch stimme ich dann schweigend zu? Und ganz ehrlich: Während sich im Laufe der Zeit viele Missverständnisse ansammeln konnten, besitzen einige Vorbehalte einen wahren Kern.

Zeit, um Brücken zu bauen

Ab einem gewissen Punkt inspirierten mich die leidigen Diskussionen zu einem neuen Projekt. Seit fast vier Jahren gebe ich in meinem Medienblog „Der Freigeber“ Blicke hinter die Kulissen der Medienwelt frei. Mit dem neuen E-Book „Zwischen ‚Lügenpresse’ und konstruktivem Journalismus“ beleuchte ich das Spannungsfeld, in welchem ich mich befinde – und größer könnte es kaum sein. Ich möchte Brücken zwischen Mediennutzer und Medienmacher bauen, damit sich beide Seiten besser verstehen. Dazu gehört es auch, die zahlreichen Schwachstellen unseres Mediensystems zu betrachten. Natürlich gibt es Redakteure, die bei heißen Eisen „die Schere im Kopf“ haben. Außerdem sind die meisten Medien von ihrem größten Förderer abhängig, der Industrie. Autohersteller, die bei Abgaswerten manipulieren und Lebensmittelproduzenten, die in ihre Produkte zu viel Zucker packen und dergleichen, sponsern die Medien mit Milliarden in Form von Werbegeldern. Ob da Abhängigkeiten entstehen? Aber hallo!

Und tatsächlich: Ein Produzent von Dokumentarfilmen für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk erzählte, wie schwer es sein kann, kritische Beiträge unterzubringen. Bei bestimmten Themen sei die Agenda gesetzt. Allerdings nannte der Produzent, der im Buch anonym bleiben möchte, auch Lichtblicke, wie Redakteure, die sich für hintergründige Beiträge einsetzen. Allerdings sind diese deutlich aufwendiger in der Recherche, kosten daher mehr Zeit und Geld. Nicht immer kann das Honorar alles abdecken und so braucht es vor allem engagierte Journalisten, die ihr Herzblut investieren. Manch ein Kollege des Produzenten könnte bei einem Beitrag über drohende Altersarmut selbst vor die Kamera treten.

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Kategorie: in eigener Sache, meine Arbeit

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