Medien in der Glaubwürdigkeitskrise?!

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Wie sollen Journalisten dem Misstrauen der Mediennutzer begegnen? Lohnt sich der direkte Dialog mit dem Leser? Muss und kann Vertrauen in die Medien überhaupt zurück gewonnen werden? Wo nimmt der öffentlich-rechtliche Rundfunk seine Aufgaben nur ungenügend wahr? Diesen und weiteren Fragen gingen die Referenten am gestrigen Frankfurter Tag des Online-Journalismus nach. Für mich steht fest: Wir brauchen weniger Helikopter.

„Es ist gut, wenn uns junge Menschen hinterfragen“, lobte Manfred Krupp, Intendant des Hessischen Rundfunks, in seinem Eröffnungsvortrag. Soziale Medien seien einmal als große Chance für die Demokratie gefeiert worden und so solle man nicht alles verteufeln. „Journalisten müssen frei von wirtschaftlichen und politischen Interessen arbeiten können. Wir haben diese Freiheiten, weil wir im Dienste der Öffentlichkeit stehen“, stellte Krupp unmissverständlich klar.

In die Emotionsfalle geraten

Schon fast vergessen: 2015 schien Griechenlands Ausscheiden aus der Eurozone kurz bevor zu stehen – Stichwort Grexit. Diemut Roether vom Evangelischen Pressedienst (epd) verfolgte aufmerksam die aktuelle Berichterstattung im öffentlich-rechtlichen Fernsehen. „Ich habe viel gesehen, aber wenig gelernt.“ Statt die Sparvorschläge, deren Hintergründe und möglichen Auswirkungen zu thematisieren, gab es fast ausnahmslos emotional aufgeladene Stimmungsberichte in Form der berühmt berüchtigten Straßenumfrage. Die ist schneller erledigt, als eine intensive Recherche. „In knapp besetzten Redaktionen heißt es oft Masse zu produzieren.“

Mit Emotionen könne man Zugänge zu komplexen Themen schaffen, allerdings müssten dann auch Fakten folgen.

Vertrauen in die Mediennutzer

„Wir sind in einer Selbstverblödungs-Spirale gefangen, weil man den Mediennutzern nichts mehr zutraut“, sagte Thomas Leif, TV-Chefreporter vom Südwestrundfunk (SWR). Journalistisch hochwertige Inhalte gäbe es oft nur noch in der Nische. Dabei seien komplexe Themen durchaus verständlich vermittelbar. Auch brauche es mehr tiefgründigen Diskurs, besonders in Talkshows. In der Diskussion mit Roland Tichy, Herausgeber von Tichys Einblick, lieferten sich die beiden ein Wortduell.

So sei Tichy der Schriftführer der „APO von rechts“ und müsse ausgewogener berichten. Grabenkämpfe zwischen Meinungslagern seien unproduktiv. Dagegen verwehrte sich Tichy. „Sie zeichnen hier ein Zerrbild! Ich unterliege nicht der Ausgewogenheitsregel, ich habe eine feste Position.“

Leif räumte ein, dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk seinen gesetzlichen Bildungsauftrag an manchen Stellen nur ungenügend nachkäme. So habe man speziell in der Finanzmarktkrise kaum Hintergründe erklärt. „Es hindert Sie doch niemand daran“, stellte Tichy klar.

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Kategorie: Medienalltag

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