Ein unmoralisches Angebot für den Freigeber

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Seit einiger Zeit konzentriere ich mich auf meine Arbeit als freier Journalist, Blogger und Buchautor, doch in der Vergangenheit habe ich auch Unternehmen aus der Bio-Branche und gemeinnützige Initiativen in der Kommunikation unterstützt. Daher verwunderte mich die Anfrage eines Öko-Unternehmens nicht, ob ich in Sachen Pressetexte unterstützen könne. Wer konnte schon ahnen, dass es sich dabei um ein unmoralisches Angebot handelte?

Sollte ich die Wahrheit verdrehen, Dinge unter den Teppich kehren oder gar helfen, ein unstimmiges Image für das Unternehmen zu kreieren? Nichts dergleichen und dennoch habe ich den „Auftrag“ dankend abgelehnt.

Das Unternehmen stellt ökologisch sinnvolle Produkte her und wäre demnach ein für mich passender Auftrageber, denn enkeltaugliches Wirtschaften ist eines meiner Themengebiete. Allerdings war es für die Marketing verantwortliche Person selbstverständlich, dass ich kostenfrei arbeiten sollte. Ja, richtig gelesen. Für meine Arbeit gäbe es absolut kein Geld, vielleicht aber einen feuchten Händedruck. Ob ich in nächster Zeit in die Zentrale kommen und dort die Mitarbeiter unterstützen könne? Nein und es ärgerte mich, mich für das Verlangen von Honorar rechtfertigen zu müssen. Auch ein Freigeber lebt nicht (allein) von Luft, Liebe und Gemeinwohl.

Dabei schreibt das Unternehmen gute schwarze Zahlen und rühmt sich für den sozialen Umgang mit seinen Lieferanten sowie Mitarbeitern. Wie fair ist es jedoch, für Leistungen nicht zu zahlen, die nicht kostenfrei zu haben sind? Wer käme auf die Idee beim Bäcker Brötchen zu holen und zu glauben, sie seien gratis? Oder seinem (hoffentlichen) Ökostrom-Lieferanten das Bezahlen der Rechnung verweigern? Auch dem anfragenden Unternehmen läge es fern, mir ihre Produkte zu schenken. Würde die für das Marketing verantwortliche Person der Lohnbuchhaltung vorschlagen, auf das Gehalt zu verzichten? Hat man dort etwas verwechselt?

Gemeingüter sind frei aber nicht kostenfrei!

Ganz bewusst veröffentliche ich hier, wie auch in meinem Blog „Brehl backt!“ sämtliche Inhalte als kulturelle Gemeingüter. Somit sind sie für alle frei zugänglich und dürfen für nicht-kommerzielle Zwecke geteilt werden.

Damit erstelle ich digitale Gemeingüter, die man ohne zu zahlen nutzen kann. Diese sind dadurch aber nicht frei von Kosten. Was wie ein Paradox klingt, ist im Grunde logisch: Auch ich muss meine Arbeitszeit und Recherchekosten finanzieren. In meinen Blogs gelingt dies mithilfe von Sponsoren, die Werbung buchen, und freiwillig zahlenden Lesern. In manchen Monaten läuft dies besser als in anderen.

Wenn ich es als sinnvoll und bereichernd erachte, schreibe ich auch hin und wieder kostenfrei Gastartikel, wie zuletzt mein Beitrag „Karriere von Herzen“ für das Magazin Transform.

Dennoch möchte ich Unternehmen ans Herz legen, auch meine Arbeit wertzuschätzen und von „unmoralischen Angeboten“ Abstand zu nehmen.

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Kategorie: meine Arbeit

2 Kommentare

  1. Wir leben halt im Praktikumszeitalter, wo man junge Leute reihenweise und wiederholt unbezahlt „Erfahrungen sammeln“ lässt, ein fieser Euphemismus für fronen.
    In der Verlagsbranche gab es schon immer die so genannten Volontäre, zu gut Deutsch Freiwillige, die ohne Salär arbeiten durften. Ich habe leider keinen Vorschlag, wie dies zu ändern wäre. Der Rat, sich halt eben selbstständig zu machen, kann auch nicht immer gegeben werden. Am besten, man wird gleich Bonus berechtigter Banker. Sorry für den Sarkasmus, aber was anderes habe ich derzeit nicht zu bieten.

    • Der Einstieg in den Journalismus ist tatsächlich manchmal schwer. Habe auch schon gehört, dass junge Kollegen, die ein abgeschlossenes Studium in dem Bereich haben, auch erst einmal zum schlecht bezahlten Volontariat gedrängt werden. Sprich, sie stehen dann keinen Deut besser, als die Kollegen, die gleich mit dem Volontariat anfangen. Wie jede andere Branche brauchen wir aber auch junge und kreative Leute.

      Im Grunde muss jeder seinen Weg finden und allgemeine Tipps kann man kaum geben. Ich bin teilweise froh, dass ich nicht mehr ganz am Anfang stehe und eigene Projekte gestartet habe. Dazu muss man sagen, dass ich nie eine feste Stelle angestrebt habe.

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