Crowdfunding: Platz für kantige Themen schaffen

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Im Mai möchte Pauline Tillmann ihre Plattform „Deine Korrespondentin“ starten, um auch „kantigen“ Themen einen Raum zu schaffen. Per Crowdfunding hofft sie 5.000 Euro als Startkapital einsammeln zu können. Die junge Journalistin berichtet als freie Auslandskorrespondentin aus dem russischen St. Petersburg unter anderem für die ARD. Doch in ihren Augen fallen viel zu oft wichtige Themen unter den Tisch, was sie zusammen mit ihren Mitstreiterinnen ändern möchte.

Pauline bei Interview-Freigeber

Pauline Tillmann möchte noch mehr spannende Themen bieten, als sie bei klassischen Medien derzeit veröffentlichen kann.
Bild: Pauline Tillmann

In den letzten Jahren bekam Pauline Tillmann das Gefühl, dass es zunehmend schwer wird, Redaktionen von „kantigen“ Themen zu begeistern. Im Mai 2014 erfolgte das Schlüsselerlebnis: In Weißrussland fand die Eishockey-Weltmeisterschaft statt. Ein idealer Aufhänger, um über die Kultur des Landes, das Leben der Menschen im autoritären Staat, die Menschenrechtsverletzungen und mehr zu berichten. Von den Redaktionen hagelte es Absagen: Syrien und Ukraine dominierten die Auslandsberichterstattung. „Ich hätte mehrere Beiträge erstellen können und es ärgerte mich, dass es dafür kein passendes Gefäß gab“, sagt Tillmann.

Geschichten von Frauen über Frauen aus aller Welt

Auf ihrer Reise durch Amerika im vergangenen Jahr sprach sie mit vielen Gründern von Start-ups. Etliche Journalisten hatten ihre Arbeitsplätze verloren und machten teils sehr erfolgreich aus der Not eine Tugend, indem sie eigene Unternehmen gründeten. Spätestens jetzt war Tillmann Feuer und Flamme: „Es war Quatsch weiterhin die Themen Medien anzubieten, ich musste selber zum Medium werden.“

In den letzten Monaten hat sie Mitstreiterinnen für ihr Projekt gesucht und sechs gefunden. Gemeinsam mit anderen Auslandskorrespondentinnen möchte sie Geschichten von Frauen über Frauen aus aller Welt präsentieren. „Den Mangel an mutigen Geschichten über Frauen möchten wir ausgleichen“, erklärt sie die Motivation. Stoff für interessante Geschichten gibt es genug, wie ein Portrait über die erste ostafrikanische Kampfpilotin Rebecca Mpagi, die am Boden wie in der Luft für Gleichberechtigung kämpft. Malika aus Afghanistan hat ihren Mann und zwei ihrer Söhne durch eine ferngezündete Bombe verloren und muss mit zehn Kindern auf neun Quadratmetern leben, weil sie die ihr zustehende Hilfe vom Staat nicht bekommt. Adeline Kahindo kämpft gemeinsam mit dem von ihr gegründeten Frauenverband im Ostkongo für den Erhalt des Regenwalds. Hier werden aus tausende Jahre alten Bäumen aus Afrikas ältestem Nationalpark illegal Holzkohlebriketts.

Bei allen Beiträgen stehen die Frau und der weibliche Part einer Geschichte im Mittelpunkt, die jeweils als Portrait erzählt wird. Über die persönlichen Geschichten sollen Leser Einblicke in die jeweilige Kultur, Gesellschaftsform und Lebensweise erhalten. „Wir versuchen im Kleinen das große Ganze zu erzählen und wir sprechen nicht über Betroffene, sondern mit ihnen“, erklärt Tillmann.

Dabei haben die Korrespondentinnen einen echten Vorteil auf ihrer Seite: In Regionen wie Afrika, Indien und im Nahen Osten haben oft nur Frauen einen Zugang zu anderen Frauen. „Wir sind dann tatsächlich die Einzigen, die die Geschichten überhaupt erzählen können.“ Gleichzeitig möchte Tillmann mit ihrem Vorhaben auch die Sichtbarkeit von Auslandskorrespondentinnen erhöhen. Die junge Journalistin ärgert sich regelmäßig, wenn beispielsweise an Gesprächsrunden auf Konferenzen nur Männer und eine „Quoten-Frau“ teilnehmen.

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